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Polens Präsident kann sich nicht sicher sein
Aus HeuteMorgen vom 29.06.2020.
abspielen. Laufzeit 01:56 Minuten.
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Präsidentenwahl in Polen Ein Sieg, der nicht wirklich einer ist

Rund 43 Prozent der Stimmen hat Andrzej Duda, der amtierende Präsident aus dem rechtskonservativen Regierungslager, geholt. Das sind deutlich mehr als die knapp 30 Prozent, auf die sein härtester Gegner, Rafal Trzaskowski, nach Auszählung von mehr als vier Fünfteln aller Stimmen kommt. Und doch ist diese erste Wahlrunde vor allem ein Erfolg für Dudas Herausforderer.

Ein Blitzstart dank Hürden

Die Bürgerplattform, die wichtigste polnische Oppositionspartei, hat den 48-jährigen Stadtpräsidenten Warschaus erst vor ein paar Wochen eingewechselt, nachdem die Präsidentschaftswahlen wegen der Corona-Pandemie verschoben worden waren.

Als Trzaskowski seine Kampagne lancierte, deutete alles darauf hin, dass der amtierende Präsident das Rennen schon in der ersten Runde für sich entscheiden würde. Und kaum eingewechselt, stellte das Regierungslager dem Ersatzmann der Bürgerplattform Hürden in den Weg. Er bekam zum Beispiel nur wenige Tage Zeit, um die verlangten 100'000 Unterschriften für seine Kandidatur zu sammeln. Doch Trzaskowski bekam binnen Tagen 1,6 Millionen Unterschriften zusammen. Die Schikane half ihm, sich richtiggehend aus den Startblöcken herauszukatapultieren.

«Wir haben genug»

Bis zur ersten Wahlrunde versuchte das Regierungslager ein ums andere Mal, Trzaskowski ins Stolpern zu bringen. Duda schimpfte ihn einen Lügner. Vertreter des rechtskatholischen Lagers raunten, er werde die polnische Gesellschaft zersetzen, weil er sich als Stadtpräsident für die Rechte von Schwulen und Lesben eingesetzt habe.

Rafal Trzaskowski lässt sich feiern.
Legende: Herausforderer Rafal Trzaskowski hat die Hürden geschickt für seinen Wahlkampf genutzt. Keystone

Doch Trzaskowski liess sich nicht provozieren, lief unbeirrt weiter. Die Gehässigkeit der Angriffe halfen ihm sogar. Sie lieferten dem fünfsprachigen Oppositionspolitiker die Gelegenheit, sich betont staatsmännisch, betont präsidentiell zu geben.

Das erste Ziel erreicht

Stil ist wichtig in Trzaskowskis Wahlkampf. Denn inhaltlich bietet er wenig Fassbares. «Mamy dość» ist sein Wahlkampfmotto. «Wir haben genug» von der rechtskonservativen Regierung. Er verspricht vor allem, die Regierung mit ihren Angriffen gegen die Demokratie künftig ins Leere laufen zu lassen.

Sein erstes Ziel, Präsident Duda in eine zweite Wahlrunde zu zwingen, hat Trzaskowski erreicht. Wer aber die Ziellinie als Erster überqueren wird, ist noch völlig offen. Für die zweite Runde, die Stichwahl am 12. Juli, geben die Umfragen beiden Kandidaten, Amtsinhaber Duda und Herausforderer Trzaskowski, gleich gute Chancen.

Roman Fillinger

Roman Fillinger

Osteuropa-Korrespondent, SRF

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Roman Fillinger ist Osteuropa-Korrespondent von Radio SRF. Von 2007-2018 arbeitete er in verschiedenen Funktionen beim «Echo der Zeit», zuletzt als Moderator und stellvertretender Redaktionsleiter.

SRF 4 News, Heute Morgen, 29. Juni 2020, 06:00 Uhr

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Fritz Meier  (FriMe)
    Polen ist ein sehr wichtiges Land in Mittel-Osteuropa - hat eine Scharnierfunktion. Wenn sich Polen zusehends vom demokratischen Ideal entfernt, geht ein Vorbild für noch weiter östlich liegende Länder verloren. Z.B. in der Ukraine gilt Polen als Modell für ihr eigenes Land. Verglichen wird mit Polen - nicht mit westlichen EU-Ländern, weil Polen quasi ähnliche Startbedingungen hatte wie die ex SU-Staaten. Daher wäre es wünschenswert, wenn wenigstens als Gegengewicht Trzaskowski gewählt würde.
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  • Kommentar von Stefan Gisler  (Stefan Gisler)
    Es wäre wünschenswert dass die osteuropäischen Staaten endlich richtige Demokratien bekommen, in denen Korruption ein Ende haben. Der Fall der Mauer und Ostgrenzen haben der Bevölkerung nicht das Versprochene gebracht, einzelne bereichern sich während die Mehrheit leidet. Traurig aber Realität.
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  • Kommentar von Tom Maier  (MaTo)
    na ja immerhin, noch ist Polen nicht verloren
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