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Präsidentenwahl in Russland «Die Wahl hat eine Art Volksfestcharakter»

Eine Frau verlässt ein Wahllokal in Moskau.
Legende: Ein hübsch geschmücktes Wahllokal in Moskau. Reuters

Russland wählt und der Ausgang ist schon längst klar. Was die Präsidentenwahl trotzdem speziell macht und wie die Hoffnungen der Russen sind, erklärt SRF-Korrespondent Christof Franzen in Russland.

SRF News: Christof Franzen, Putins Wahl steht ohnehin schon fest. Doch wann kann man von einem guten Resultat für den Präsidenten sprechen?

Christof Franzen: Für Putin steht die Wahlbeteiligung und weniger die Anzahl Stimmen im Vordergrund. Dass er gewählt wird, ist ohnehin klar. Man spricht aber davon, dass der Kreml eine Wahlbeteiligung von 70 Prozent und 70 Prozent der Stimmen anstrebt.

Putins bisherige Wahlergebnisse

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  • 2000: Rund 52,9 Prozent der Wähler stimmen für Putin. Die Wahlbeteiligung liegt offiziell bei 68,7 Prozent.
  • 2004: Mit 71,3 Prozent wird Putin im Amt bestätigt. 64,4 Prozent der wahlberechtigten Russen stimmen ab.
  • 2012: Nach vier Jahren als Regierungschef (2008-2012) wird Putin mit 63,6 Prozent wieder ins Präsidentenamt gewählt. Offiziell geben 65,3 Prozent der Wähler ihre Stimme ab.

Wird er das erreichen?

Es ist noch zu früh, um das zu sagen. Aber punkto Wahlbeteiligung sieht es gut aus. Auf jeden Fall sind hier sehr viele Leute unterwegs. Auch beim Wahllokal gegenüber von meiner Wohnung herrscht reger Betrieb. Die Wahlhelfer haben uns auch bestätigt, dass viel los ist. Am Ende werden dann wohl die 70 Prozent Wahlbeteiligung bekannt gegeben. Ob das dann den Tatsachen entspricht, wird man aber nicht sagen können.

Es gibt Essenszelte, Animationsprogramme für Kinder oder Wettbewerbe bei den Wahllokalen.

Werden spezielle Massnahmen ergriffen, um diese hohe Wahlbeteiligung zu erreichen?

Auf jeden Fall. Es gab eine grosse Mobilisierung: Verpflegung, Animationsprogramme für Kinder oder Wettbewerbe bei den Wahllokalen. Das Ganze soll eine Art Volksfestcharakter bekommen. Bei mir um die Ecke ist das auch so. Vom Bauchgefühl würde ich sagen, dass das bei vergangenen Wahlen noch nicht so stark war. Ich hab auch mehrere SMS und eine Einladung per Post erhalten. Dort stand, dass meine Stimme entscheidend sein könnte und wie ich mich über die Wahlen informieren kann.

Staatsnahe Betriebe üben schon sanften Druck auf ihre Mitarbeiter aus.

Man spricht auch davon, dass die Menschen unter Druck gesetzt werden, zur Wahl zu gehen.

In staatlichen Firmen, Schulen oder Krankenhäusern wird teils schon Druck ausgeübt. Da gibt es viele Meldungen darüber. Ich habe das auch aus persönlichen Gesprächen mitbekommen. Der Oppositionelle Alexej Nawalny sagt, es sei aufgefallen, dass überdurchschnittlich viele Wähler früh abstimmten. Er meint, das sei ein Zeichen dafür, dass sie genötigt worden seien.

Es gibt auch Leute, die ihre Stimmzettel fotografieren, um zu beweisen, dass sie teilgenommen haben. Ich denke aber, dass der Druck eher subtil ist. Man kann durchaus auch sagen, dass man krank war und nicht zur Wahl konnte, ohne in den meisten Fällen allzu viel befürchten zu müssen.

Wahlbeobachter der Opposition sprechen davon, dass vielerorts Menschen der Zutritt zu Wahllokalen verweigert wird. Was ist da dran?

Dazu kann ich nichts sagen. Auch das ist in den Städten generell weniger ein Problem. Aus den Provinzen gibt es aber schon Meldungen von Wahlmanipulationen. Das berichten auch Korrespondenten-Kollegen.

Eine Frau gibt in Dagestan gleich mehrere Wahlzettel ab

Was erhoffen sich die Russen von den Wahlen?

Schon über Monate spielte hier die Geopolitik eine zentrale Rolle. Für viele Leute lautet das Motto: Zusammenstehen und sich gegen den Westen wehren. Die wirtschafts- und sozialpolitischen Erwartungen an Putin sind nicht gross. Putin der Geopolitiker wird gestützt. Ein ganz wichtiger Faktor ist auch die Stabilität. Lieber den, den wir kennen, als einen neuen.

Dann spielt Putin also auch der Streit um den Giftgasanschlag mit Grossbritannien in die Karten?

Er nützt ihm auf jeden Fall mehr, als dass er ihm schadet. Mehrere Wähler haben mir gegenüber diesen Streit auch erwähnt.

Das Gespräch führte Philipp Schneider.

Christof Franzen

Christof Franzen

Russland-Korrespondent, SRF

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Der Journalist arbeitet seit 2003 für SRF, seit 2007 als Korrespondent in Moskau.

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