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International Präsidentschaftswahl: Nigerianer trotzen dem Terror

Um das Präsidium Nigerias kämpfen 14 Kandidaten. Doch klare Chancen haben nur zwei: Der bisherige christliche Präsident Goodluck Jonathan – und sein muslimischer Gegenspieler und ehemalige General Muhammadu Buhari. Dieser verspricht den Kampf gegen die Terrormiliz Boko Haram.

Mit einiger Verspätung begannen am Samstagnachmittag die eigentlichen Wahlen in Nigeria, nachdem am Vormittag die Registrierungen unter starken Sicherheitsvorkehrungen in dem 172-Millionen-Land stattgefunden hatten. Aufgrund von technischen Problemen wird die Abstimmung in einigen Orten erst am Sonntag stattfinden können.

360'000 Polizisten im Einsatz

Rund 360‘000 Polizisten sind im Einsatz. Sie sollen Zusammenstösse zwischen Anhängern der grossen politischen Lager sowie mögliche Anschläge der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram verhindern. Ursprünglich war die Wahl für Mitte Februar angesetzt, wurde aber wegen des Terrorfeldzugs von Boko Haram im Nordosten des Landes verschoben.

Das Land ist Afrikas grösste Demokratie. Nigerianer wählen meist nach ethnischer Abstammung und Religionszugehörigkeit. Rund die Hälfte sind Muslime, etwa 45 Prozent sind Christen. 14 Kandidaten wollen das Präsidium über das bevölkerungsreichste Land Afrikas, doch klare Chancen haben nur zwei: Goodluck Jonathan und Muhammadu Buhari.

Jonathan vs. Buhari

Der 57-jährige christliche Amtsinhaber Jonathan von der Demokratischen Volkspartei verspricht politische Kontinuität für Afrikas stärkste Wirtschaftsmacht. Doch seine bisherige Präsidentschaft war geprägt von Korruptionsvorwürfen und dem Aufstand der radikal-islamistischen Miliz Boko Haram.

Jonathans Herausforderer und ehemalige General Buhari verspricht hingegen, die grassierende Korruption einzudämmen und dem Terror von Boko Haram ein Ende zu setzen. Der 72-jährige Muslim entkam selbst bereits einem Bombenanschlag der Gruppe. Seit er sich den Kampf gegen Boko Haram auf die Fahnen geschrieben hat, ist seine Beliebtheit unter Nigerianern stark gestiegen.

Legende: Video Gewalt am Wahltag abspielen. Laufzeit 2:40 Minuten.
Aus Tagesschau vom 28.03.2015.

Autobomben und Tote durch Boko Haram

Die Präsidentenwahl, die gleichzeitig auch eine Parlamentswahl ist, wurde bereits zu Beginn von Gewalt und Unregelmässigkeiten überschattet. Im Osten des Landes explodierten nach Polizeiangaben zwei Autobomben bei einem Wahllokal und einer Primarschule. Verletzte gab es dabei keine.

Im Nordosten des Landes zwangen Boko Haram die Wähler vor mehreren Wahllokalen, ihre Stimmen nicht abzugeben. Die Milizen, die mit mehreren Autos vorfuhren, hätten geschrien, man solle nach Hause gehen – oder aber den Tod riskieren, sagte eine Zeugin. Bei solchen Überfällen kamen sechs Personen ums Leben.

«Seien Sie geduldig»

In mehreren Städten blieben Wahllokale zunächst geschlossen, weil die Wahlhelfer nicht erschienen. Auch funktionierten die neuen biometrischen Wählerkarten mancherorts nicht – was Staatschef Jonathan selbst erfahren musste.

Als er mit seiner Frau die Stimme abgeben wollte, versagte die Technik mehrmals. Schliesslich musste sich das Präsidentenpaar konventionell per Hand registrieren lassen. «Seien Sie geduldig», rief er die Wähler auf. «Das ist alles neu. Alles, was neu ist, birgt Herausforderungen.»

Die Website der Wahlkommission wurde von einem Hackerangriff der «Nigerian Cyber Army» gehackt und lahmgelegt. «Falls ihr die Wahl fälscht, werdet ihr dafür bezahlen müssen», wurde als Warnung auf der Website installiert. Der Wahlprozess sei durch den Hack nicht gefährdet, kommunizierte die Wahlkommission. Erste aussagekräftige Resultate der Wahl werden frühestens am Montag erwartet.

Nigeria - die wichtigsten Informationen

Nigeria - die wichtigsten Informationen
Menschen
Mehr als 170 Millionen Einwohner, rund 250 ethnische Gruppen: Der Süden ist mehrheitlich christlich, der Norden mehrheitlich muslimisch. Daneben gibt es verschiedene Naturreligionen.
SpracheEnglisch ist die offizielle Hauptsprache. Es werden mehr als 500 lokale Sprachen und Dialekte gesprochen. Die verbreitetsten Sprachgruppen sind Yoruba, Hausa und Igbo.
WirtschaftNigeria ist Afrikas grösste Wirtschaft. Erdöl ist die Haupteinnahmequelle des Landes und trägt zu rund 80 Prozent des Staatsbudgets bei. Korruption ist weit verbreitet: Deswegen leben geschätzte 70 Prozent der Bevölkerung von weniger als zwei US-Dollar pro Tag. Das Land ist beliebt für ausländische Investitionen.
GeschichteNigeria erlangte 1960 seine Unabhängigkeit von Grossbritannien. 1967 versuchte sich der ölreiche Osten des Landes in einem 30-monatigen Bürgerkrieg vom Rest des Landes abzuspalten; der Krieg forderte rund eine Million Menschenleben. Der Friede und ein Ölboom brachte in den 70ern Milliarden ein, doch die Korruption hat den Wohlstand und die Entwicklung untergraben. Nach Jahrzehnten voller Putsche, Coups und Militärdiktaturen wurde Nigeria 1999 eine Demokratie – aufgebaut als föderale Republik nach US-Vorbild. 

Anschläge durch Boko Haram

Im Nordosten des Landes sind bei einem Anschlag der Terrororganisation 23 Menschen getötet worden. Mehrere der Opfer seien geköpft worden, andere bei dem Überfall auf das Dorf Barutai im Bundesstaat Borno in ihren Häusern verbrannt, sagte ein örtlicher Beamter. Die Miliz hatte zur Wahl mit Anschlägen gedroht.

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