Proteste in Missouri brechen nicht ab

Nach dem Tod eines schwarzen Jugendlichen in den USA halten die Unruhen an. Noch immer ist unklar, warum ein weisser Polizist den 18-Jährigen erschossen hat. Die Autopsie wird erst in einigen Wochen erwartet.

Kanister mit Tränengas explodieren bei einer Demonstration in Ferguson, Missouri

Bildlegende: Die Demonstrationen gingen auch am Mittwochabend weiter. Keystone

Nach dem Tod eines schwarzen Jugendlichen im US-Bundesstaat Missouri ist es die fünfte Nacht in Folge zu Protesten gekommen. In der Nacht zum Donnerstag setzten Polizisten laut Medienberichten Tränengas und Rauchbomben ein, um die Demonstration aufzulösen. Nach Polizeiangaben warfen einige Demonstranten Molotowcocktails und versuchten, Polizisten anzuzünden.

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Ausschreitungen in der Nacht in Ferguson

0:37 min, vom 14.8.2014

Wie SRF-Korrespondentin Priscilla Imboden berichtet, ist noch immer unklar, was am Samstag im Vorort Ferguson genau geschah. Damals hatte ein weisser Polizist den 18-jährigen Michael Brown erschossen.

Autopsie dauert mehrere Wochen

Die Version der Polizei lautet, der Jugendliche habe den Polizisten im Streifenwagen angegriffen. Ein Freund des Getöteten sagt hingegen, Brown sei erschossen worden, als er mit erhobenen Händen vor dem Polizisten stand. Bis geklärt ist, was damals genau passierte, dürfte es dauern: «Laut der Polizei wird die Autopsie mehrere Wochen in Anspruch nehmen», sagt Imboden.

Für Entrüstung sorgte auch, dass zwei Journalisten, die über die Proteste berichteten, von der Polizei festgenommen wurden. Sie wurden später wieder freigelassen. Immer lauter fordern die Einwohner von Ferguson zudem, den Namen des verantwortlichen Beamten zu veröffentlichen. Die Polizei lehnt dies ab, da gegen den Schützen zahlreiche Todesdrohungen eingegangen seien.

Gefesselt und am Boden

SRF-Korrespondentin Imboden erklärt die Heftigkeit der Proteste nicht zuletzt damit, dass es zum wiederholten Mal vorkomme, dass weisse Polizisten auf einen unbewaffneten schwarzen Mann geschossen hätten. «Dasselbe geschah 2009 in Oakland bei San Francisco. Damals hatte die U-Bahn-Polizei einen Mann erschossen, der auf dem Boden lag und schon gefesselt war.»

Während die grosse Mehrheit der Bevölkerung in Ferguson schwarz ist, sind von 53 Polizisten vor Ort 50 weiss. Dieses Missverhältnis existiere auch andernorts in den USA, sagt Imboden: «Der Polizeijob ist in den USA beliebt und verhältnismässig gut bezahlt. Zudem ist es ein Job mit hohem Ansehen. Solche Stellen werden eher mit Weissen besetzt.»

Strafrecht trifft Schwarze eher als Weisse

Sind schwarze Amerikaner bei der Polizei unterrepräsentiert, sieht es in den Gefängnissen ganz anders aus: Dort sind sie überproportional vertreten. «Das Strafrecht in den USA ist so ausgelegt, dass es tendenziell mehr Schwarze trifft», sagt Imboden. So drohen beispielsweise bereits bei kleineren Drogendelikten mehrere Jahre Gefängnis.

Justizminister Eric Holden möchte deshalb die Gesetze anpassen. Er hat zudem eine nationale Untersuchung des Vorfalls in Ferguson versprochen. «Es geht darum, ob dabei Bürgerrechte verletzt wurden», sagt Imboden. In anderen Worten: Die Frage ist, ob Michael Brown erschossen wurde, weil er schwarz ist. «Mit der Untersuchung signalisiert das Justizministerium, dass es den Fall ernst nimmt.»

Um die Lage in Ferguson zu beruhigen, sollen die Schulen am Donnerstag und Freitag geschlossen bleiben. Nach dem Tod des Teenagers war es seit der Nacht zum Sonntag wiederholt zu Protesten, Plünderungen und Dutzenden Festnahmen gekommen.