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«Mutter aller Demonstrationen» Proteste in Venezuela eskalieren

Legende: Video Venezuela versinkt im Chaos abspielen. Laufzeit 4:20 Minuten.
Aus 10vor10 vom 19.04.2017.
  • In Venezuela wehren sich hunderttausende Demonstranten gegen eine drohende Diktatur von Nicolás Maduro.
  • Die Opposition fordert Neuwahlen und macht Maduro für die schwere politische und ökonomische Krise des Landes verantwortlich. Sie fordert, den Protest weiter zu verstärken.
  • Seit Anfang April kamen bei Protesten neun Menschen ums Leben – am Mittwoch wurde ein Demonstrant mit einem Kopfschuss getötet. Die Opposition machte Milizen der Sozialisten dafür verantwortlich. An der Grenze zu Kolumbien wurde ausserdem eine 23-jährige Frau niedergeschossen.
  • Die Polizei setzte Tränengas ein, um Demonstranten auseinanderzutreiben.
  • Staatschef Maduro wirft den Regierungsgegnern und den USA vor, einen Staatsstreich zu organisieren.
Demonstranten und Polizei, eine Rauchwolke steigt auf
Legende: Die Polizei setzte Tränengas gegen die Demonstranten ein. Reuters

«Wenn heute Millionen auf die Strasse gegangen sind, müssen morgen noch mehr rausgehen», sagte ein Oppositionsführer. Am Mittwochabend hatte es in ganz Venezuela Proteste gegeben.

Dabei kamen mindestens drei Menschen ums Leben. Ein Demonstrant wurde am Mittwoch in der Hauptstadt Caracas von einem Schuss in den Kopf getroffen und kam schwer verletzt in ein Krankenhaus, dort starb der 17-Jährige. Eine 23-jährige Frau wurde in der Stadt San Cristobal von regierungsfreundlichen Gruppen erschossen, welche die Protestierenden umzingelt hatten. Dies bestätigte der Bürgermeister der Stadt. Berichten zufolge wurden hunderte Demonstranten festgenommen. Darüber hinaus starb ein Mitglied der Nationalgarde, wie die Zeitung «El Nacional» berichtete. Die Regierung machte Demonstranten der Opposition für die Tötung verantwortlich.

Maduro kündigt militärische Massnahmen an

Nicolás Maduro, Nachfolger des 2013 verstorbenen Hugo Chávez, ist seit exakt vier Jahren im Amt. Die Opposition nannte den Marsch die «Mutter aller Demonstrationen». Wegen der Krise und der zunehmenden Gewalt hatten zuletzt tausende Menschen das Land verlassen und flüchteten vor allem in das Nachbarland Brasilien.

Am Dienstagabend hatte Maduro mitgeteilt, er habe den «Plan Zamora» aktiviert, um das Land vor einem «Putsch» zu schützen. Der Plan sieht militärische, politische und zivile Massnahmen zur Stärkung der nationalen Sicherheit vor.

Staatschef Nicolás Maduro
Legende: Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro bezichtigt die USA und die Opposition, einen Staatsstreich vorzubereiten. Reuters

Der Präsident kündigte die Stationierung von Soldaten im ganzen Land sowie die Stärkung regierungstreuer Milizen an. Jedes der 500'000 Mitglieder der Milizen brauche «ein Gewehr», um gegen eine mögliche «ausländische Intervention» vorzugehen, sagte Maduro.

Parlamentspräsident Julio Borges sagte, es sei an der Zeit, dass sich die Armee hinter «die Verfassung und das Volk» stelle.

Verteidigungsminister Vladimir Padrino López versicherte dagegen Maduro die «bedingungslose Loyalität» der Armee. Maduro rief zur Festnahme von Borges wegen «Aufrufs zum Staatsstreich» auf.

9 Kommentare

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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    3) Den Absturz Venezuelas primär auf den implodierten Ölpreis zu schieben, würde an den Realitäten vorbeigehen, wenn man bedenkt, dass vergessen wurde, den Petrodollar-Goldesel als wichtigstes linkspopulistische Herrschaftsinstrument am Leben zu halten. Venezuelas staatliche Ölindustrie gilt nach 17 Jahren Sozialismus als Schrotthaufen, da die für die Erhaltungsinvestitionen notwendigen Milliarden anderswo aufgebraucht wurden. Der unglaubliche Absturz unter N. Maduro ist fast schon lehrbuchhaft.
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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    2) Im marxistischen "blame game" galten die üblichen Verdächtigen wie "US-Imperialismus", Konzerne, "innere Reaktion", die inländische bürgerliche Opposition, Wirtschaftssabotage etc, als Sündenböcke real existierender Unzulänglichkeiten. Der Chavismo profitierte lange von der Ölindustrie, die als Goldesel ambitionierter Umverteilung den Massen Brot und internationalen "Freunden" von den Castros bis zu den Kirchners, von Ortega bis zu den FARC-Terroristen umfangreiche Wohltaten bescherte
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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    1) Der Abgesang auf das grösste lateinamerikanische Sozialismus-Experiment seit der Kubanischen Revolution könnte nicht schmachvoller daherkommen. Dass der Chavismo, auf dem Ölboom basierend, keinerlei ökonomische Nachhaltigkeit besass, blieb bei vielen wohlwollenden "Antiimperialisten" und "Antikapitalisten" in aller Welt lange Zeit ausgeblendet.
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