Brasilien in Aufruhr Proteste und Rücktritte wegen «Brasilien-Gate»

Video «Druck auf Temer nimmt zu» abspielen

Druck auf Temer nimmt zu

1:14 min, aus Tagesschau am Mittag vom 19.5.2017

  • Das oberste Gericht Brasiliens hat Ermittlungen gegen Präsident Michel Temer eingeleitet.
  • Darauf sind im ganzen Land Massendemonstrationen ausgebrochen.
  • Temer will aber nicht zurücktreten, mehrere Minister dagegen schon.

In ganz Brasilien forderten am Donnerstag Hunderttausende von Demonstranten Temers Rücktritt. In Rio de Janeiro kam es zu schweren Ausschreitungen.

Mehrere Minister erklärten ihren Rücktritt. Nun kommt es darauf an, ob die Sozialdemokraten (PSDB) als wichtigster Koalitionspartner in der Regierung bleibt. Präsident Temer lehnt seinen Rücktritt ab. Bleibt er dabei, scheint ein Amtsenthebungsverfahren unausweichlich.

Wirtschaftsaufschwung in Gefahr

Die Börse in São Paulo ist wegen der politischen Krise zeitweise um über zehn Prozent eingebrochen; erstmals seit 2008 musste der Handel ausgesetzt werden. Der Dollar gewann stark an Wert im Vergleich zur Landeswährung Real.

Das politische Beben trifft die neuntgrösste Volkswirtschaft der Welt in einer Phase, als sie langsam aus der bisher tiefsten Rezession wieder herauskommt. Nun droht eine wochen- oder monatelange Lähmung mit vielen Ermittlungen.

Der Hintergrund

  • Nach Enthüllungen um Schweigegeldzahlungen und der Behinderung von Justizermittlungen in einem Korruptionsskandal bangt der Präsident um sein Amt.
  • Temer war erst von einem Jahr als Vizepräsident von Dilma Rousseff an die Macht gekommen.
  • Er hatte mit ihr gebrochen, ein Bündnis mit der Opposition geschmiedet und so die Mehrheiten für die umstrittene Absetzung der linken Politikerin erreicht.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Brasiliens Präsident Michel Temer.

    Brasiliens Regierungschef im Korruptionssumpf

    Aus Echo der Zeit vom 18.5.2017

    Ein neuer Skandal erschüttert Brasilien. Mitten drin steckt Staatspräsident Michel Temer. Er hat sich offenbar dabei erwischen lassen, wie er Schweigegeldzahlungen guthiess. Mit welchen möglichen Folgen?

    Ulrich Achermann