Protestmärsche in Buenos Aires nach Tod von Staatsanwalt

Nach dem Tod von Staatsanwalt Alberto Nisman sind in Argentiniens Hauptstadt zahlreiche Menschen auf die Strasse gegangen. Sie forderten Aufklärung. Gemäss ersten Autopsieergebnissen war keine andere Person am Tod des Juristen beteiligt. Nisman hatte die Präsidentin wegen Verschleierung angeklagt.

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Kirchner in Erklärungsnot

1:25 min, aus Tagesschau vom 20.1.2015

Zahlreiche Menschen haben in Buenos Aires die Aufklärung des mysteriösen Todes von Staatsanwalt Alberto Nisman gefordert. Sie versammelten sich unter anderem am Plaza de Mayo und in mehreren Stadtvierteln der argentinischen Hauptstadt, wie lokale Medien berichteten.

Dabei trugen sie Plakate mit sich, auf denen «Yo soy Nisman» («Ich bin Nisman») zu lesen war. Oppositionspolitiker unterstützten die Aktionen, zu denen über soziale Netzwerke im Internet aufgerufen worden war.

Nisman war am Sonntag tot in seiner Wohnung gefunden worden. Er starb an einem Kopfschuss aus einer Waffe mit Kaliber 22. Neben seiner Leiche wurde eine solche Waffe sowie eine Patronenhülse gefunden.

Suizid aufgrund von Druck und Drohungen?

Nach einer ersten Autopsie gehen die Behörden von einem Selbstmord aus. Gerichtsmediziner hätten keine Anzeichen von direkter Fremdeinwirkung festgestellt, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Télam. Die Staatsanwaltschaft will aber prüfen, ob es Hinweise auf eine «Anstiftung zum Selbstmord» durch Druck oder Drohungen gibt.

Aufnahme des tot in seiner Wohnung aufgefundenen argentinischen Staatsanwalts Alberto Nisman.

Bildlegende: Alberto Nisman: Erhielt der Staatsanwalt Drohungen? Keystone/Archiv

Nisman hatte im Attentat von 1994 auf ein jüdisches Gemeindezentrum ermittelt, bei dem 85 Menschen ums Leben kamen. Argentiniens Gerichte sehen die Verantwortung beim Iran, der jegliche Verwicklung in den Anschlag zurückweist.

Schwere Vorwürfe gegen Kirchner

Vergangenen Mittwoch erklärte Nisman, Staatschefin Cristina Fernández de Kirchner habe versucht, die Ermittlungen gegen die tatverdächtigen Iraner de facto zum Erliegen zu bringen. Ihr Ziel sei es gewesen, die Beziehungen zum Iran zu verbessern und ein Ölgeschäft einzufädeln. Er erhob Anklage gegen die Präsidentin wegen Verschleierung.

Die Regierung hat die Anklage als «lächerlich» bezeichnet. Am Montag hätte Nisman im Parlament unter Ausschluss der Öffentlichkeit Einzelheiten seiner Anklage im Parlament erläutern sollen.