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Legende: Audio Hintergründe zur Protestwelle in Honduras abspielen. Laufzeit 01:41 Minuten.
Aus HeuteMorgen vom 09.08.2019.
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Protestwelle in Honduras Der Fisch stinkt vom Kopf her

Im zentralamerikanischen Staat Honduras fordern seit Dienstag Tausende von Menschen den Rücktritt des Präsidenten Juan Orlando Hernandez. Sicherheitskräfte antworten mit massiver Repression.

Auslöser der Proteste sind Gerichtsunterlagen aus den USA. In diesen wird der honduranische Präsident beschuldigt, mit Drogenkartellen gemeinsame Sache zu machen und seinen Wahlkampf mit Drogengeldern finanziert zu haben.

Mehrere Menschen recken Arme in die Höhe
Legende: Trotz anhaltender Proteste gibt sich Präsident Hernandez inmitten von Anhängern siegesgewiss. Keystone

Der Fisch stinkt vom Kopf her. Das vermuten die Menschen in Honduras schon seit langem. Dokumente eines Bundesgerichts in New York bestärken sie nun in dieser Vermutung.

Wahlkampfgelder von Kokain-Kartellen

Laut diesen Dokumenten soll Präsident Juan Orlando Hernandez Drogengelder über 1,5 Millionen Dollar für seinen Wahlkampf vor sechs Jahren eingesetzt haben. Das Geld soll von honduranischen Kokain-Kartellen stammen, die sich damit Schutz vor staatlicher Verfolgung sicherten.

Demonstrant mit Transparent vor brennender Barrikade
Legende: «Fuera JOH» – «Raus mit Präsident Juan Orlando Hernandez» titeln Transparente an brennenden Barrikaden in der Hauptstadt. Keystone

Auch der Ex-Präsident Porfirio Lobo soll in seiner Amtszeit Drogengelder in Millionenhöhe kassiert haben. Dessen Sohn wurde bereits wegen Drogenhandels in den USA zu 24 Jahren Gefängnis verurteilt.

Verhaftung in Florida

Und das gleiche Schicksal droht auch dem Bruder des amtierenden Präsidenten Hernandez. Er wurde letztes Jahr in Florida verhaftet.

Deshalb wird in verschiedenen Städten Honduras «Raus mit den Drogenhändlern – raus mit Juan Orlando Hernandez» skandiert. Tausende Menschen gehen auf die Strasse, obwohl Polizei und Armee-Einheiten die Proteste mit Gewalt zu unterdrücken versuchen. Zudem werden Oppositionelle bedroht, verprügelt und in einzelnen Fällen auch gezielt getötet.

USA stützen Hernandez weiter

Ebendiese honduranischen Armee- und Polizei-Einheiten werden für den Kampf gegen Drogenhandel und Migration seit Jahren von der US-Regierung mit Millionenbeträgen unterstützt.

Die jüngst publik gewordene Verwicklung der honduranischen Regierung mit den Drogenkartellen hat daran bisher nichts geändert: der US-Botschafter in Honduras sicherte Präsident Hernandez diese Woche erneut volle Unterstützung zu. Die USA halten offenbar lieber die Nase zu, wenn der Fisch allzu sehr stinkt.

Matthias Kündig

Matthias Kündig

USA-Korrespondent, SRF

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Matthias Kündig berichtet seit Herbst 2018 aus Miami über die USA, Mexiko, Zentralamerika und die Karibik. Davor war er Produzent beim «Echo der Zeit» und Sonderkorrespondent in Ägypten. Kündig arbeitet seit 25 Jahren bei Radio SRF. Er studierte an der Universität Bern Geschichte und Politologie.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Drago Stanic  (drago stanic)
    In Venezuela muss Maduro weg weil paar hundert Menschen demonstrieren und in Honduras steht USA fest hinter Hernandez. USA ist Weltmeister in Doppelmoral Politik.
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  • Kommentar von T. H. Isaak  (cuibono)
    Zum Thema Honduras und Interessen der USA in ihrem "Hinterhof" empfehle ich das Video von Max Blumenthal, preisgekrönter amerikanischer Journalist und Autor, auf "The Grayzone" zu schauen. Die Amerikaner betreiben in Palmerola die grösste US-Militärbasis in Mittelamerika. Eine von etwas 400+ US-Basen weltweit.
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  • Kommentar von m. mitulla  (m.mitulla)
    Die Situation ist viel verworrener, als im Bericht dargestellt. Die Proteste dauern bereits seit April. Es geht dabei nicht nur um die Vorwürfe über Einsetzung von Drogengeldern, sondern auch um Privatisierung von Gesundheit und Bildung. Am 28. Juni jährte sich zum zehnten Mal der Staatsstreich gegen den linksliberalen Präsidenten Manuel Zelaya. Der Putsch läutete den neoliberalen Rollback in Lateinamerika und eine neue Ära der Einmischungspolitik durch die USA ein. Quelle: Amerika 21
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