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International «Protz-Bischof» bringt Papst in Zwickmühle

Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hat mit seiner Lebensweise nicht nur die Gläubigen gegen sich aufgebracht. Er bringt auch Papst Franziskus in eine schwierige Lage, wie ein Experte in der «Tagesschau» sagt. Die beiden Geistlichen halten derzeit eine Audienz im Vatikan ab.

Legende: Video SRF-Experte: «Der Papst ist in der Zwickmühle» abspielen. Laufzeit 2:40 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 21.10.2013.

Papst Franziskus hat den umstrittenen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst im Vatikan zu einer Aussprache empfangen. Einzelheiten des Gesprächs sind noch nicht bekannt. Kann die Audienz für den angeschlagenen Bischof das Aus bedeuten?

Im Prinzip ja – der Papst könnte Tebartz-van Elst seines Amtes entheben, weiss Norbert Bischofberger, Theologe und Religionsexperte SRF. «Er hat als Personalchef Gottes die Möglichkeit dazu.»

Entscheid lässt wohl auf sich warten

Die Vorwürfe gegen den «Protz-Bischof», wie er in der deutschen Öffentlichkeit schon genannt wird, werden jedoch derzeit noch untersucht. «Der Papst wird kaum an diesem noch ausstehenden Bericht vorbei einen Entscheid treffen», erklärt Bischofberger.

Doch Papst Franziskus muss nun Farbe bekennen: Er hat sich einerseits die Armut auf die Fahne geschrieben – er hat aber andererseits auch immer wieder die Barmherzigkeit betont. «Der Papst ist in der Zwickmühle», so Bischofberger.

Franz-Peter Tebartz-van Elst mit ausgebreiteten Armen in einer Predigt.
Legende: Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hat sich seit seinem Amtsantritt 2008 einigen Ärger eingehandelt. Keystone

Prunk, Protz und Lügen

Tebartz-van Elst wird bereits seit langem wegen seiner Amtsführung und seines teuren Bischofssitzes kritisiert. Mittlerweile steht er massiv unter Druck: Die Baukosten für seine neue Residenz belaufen sich inzwischen auf mehr als 31 Millionen Euro – statt fünfeinhalb Millionen, wie einst budgetiert.

Zudem hat die Staatsanwaltschaft Hamburg einen Strafbefehl beantragt. Man hatte den Bischof um Rechenschaft gebeten, als er zu einem Besuch der Ärmsten in Indien Erste Klasse geflogen war. Dabei soll er eine Falschaussage unter Eid gemacht haben.

Für die Gläubigen ist klar: Der Bischof muss weg. Rund 4400 Personen unterzeichneten im Limburger Bistum einen Protestbrief gegen den Bischof und seine Amtsführung.

17 Kommentare

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  • Kommentar von Kurt Knecht, Knechtingen
    Immer werden die Kleinen geknechtet.
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  • Kommentar von Nico Basler, Basel
    Mit solchem Bodenpersonal hat man buchstäblich sein Kreutz.
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  • Kommentar von Ursula Morf, Thun
    Es ist einfach lächerlich. Da sitzt ein Papst auf Milliarden von Dollars oder Euros und spielt den demütigen, bescheidenen Boss und Liebhaber der Armen (widerlich!). Und auf der anderen Seite ist da ein schlitzohriger Bischof, der von diesem Geldhaufen stibitzt und sich damit einen Palast baut. Die beiden passen gut zusammen. Aber warum diese Medienpräsenz? Die Kirchen sind doch alle unglaubwürdig. Meine Grossmutter sagte immer "tue recht und scheue niemand". Ich glaube ihr.
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    1. Antwort von M. Bolder, Muhen
      Naja, erwarten Sie vom Papst, dass er neu ins Amt kommt und zuerst kopflos allen Reichtum weggibt? Zudem gehört dieser Reichtum gar nicht dem Papst: Er kann damit nicht einfach machen, was er will. Etwas mehr Auseinandersetzung mit der Sache wäre nicht schlecht. Ich finde zum Beispiel recht glaubwürdig, dass Franziskus in seiner Heimat jeweils mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs war und auf einen Privatchauffeur verzichtete. Zudem ist niemand absolut perfekt, auch kein Papst.
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