Prozess: Bo Xilai hält seine Frau für «verrückt»

Schon jetzt steht das Urteil für Bo Xilai wohl fest. Trotzdem wehrt sich der chinesische Spitzenpolitiker – und unterstellt der Anklage schwache Beweise. Derweil haben Menschen protestiert. Die Polizei griff ein.

Die Polizei führt eine Demonstrantin ab.

Bildlegende: Vor dem Gericht greift die Polizei durch. Der Prozess soll möglichst wenig Aufsehen erregen. Reuters

Der Prozess gegen Spitzenpolitiker Bo Xilai ist am Freitag fortgesetzt worden. Am Vortag protestierten Menschen vor dem Gericht. Die Polizei nahm einige fest und verstärkte die Sicherheitsvorkehrungen.

Den zweiten Prozesstag begann die Staatsanwaltschaft zunächst mit weiteren Korruptionsvorwürfen gegen den früheren Politstar, der einst gute Chancen auf einen Aufstieg in die engste Führung hatte. Neben Korruption wird Bo Xilai auch Amtsmissbrauch vorgeworfen. Bo soll die Ermittlungen in dem Mordverdacht gegen seine Frau behindert haben.

Bo erwartet jahrelange Haft

Zum Prozessauftakt hatte Bo die Vorwürfe wegen Korruption zurückgewiesen und der Anklage eine schwache Beweisführung vorgeworfen. Seine Frau und ihre Anschuldigungen seinen «verrückt». Ein Geschäftsmann, der ihn bestochen haben will, verbreite Lügen; die Anschuldigungen seines engen Vertrauten seien «Geschwätz».

Für eine Parteizeitung sind die Fakten der Verbrechen «unumstösslich». Sie warf Bo ausweichende Antworten und «Wortspielereien» vor. Das Urteil soll im September verkündet werden. Der 64-Jährige muss mit Haft zwischen 15 Jahren und lebenslang rechnen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Polizeiwagen vor dem Gericht in Jinan, Provinz Shandong am, 23. August 2013, wo der Prozess gegen den ehemaligen chinesischen Politiker Bo Xilai stattfindet.

    Bo Xilai bleibt hartnäckig

    Aus Echo der Zeit vom 23.8.2013

    Auch am zweiten Prozesstag zeigt sich der ehemalige Spitzenpolitiker Bo Xilai widerborstig. Ein Schuldspruch scheint unabwendbar. Im Internet dagegen äussern viele ihre Sympathie für den Angeklagten. Gespräch mit ARD-Korrespondentin Ruth Kirchner in Peking.

    Roman Fillinger

  • Polizisten bewachen das Haupttor des Gerichts, wo der Prozess gegen den chinesischen Politiker Bo Xilai in Jinan, Provinz Shandong stattfindet am  22. August 2013.

    Der grosse Auftritt des Bo Xilai

    Aus Echo der Zeit vom 22.8.2013

    Der chinesische Politiker war populär und erfolgreich. Zwei Dinge, die in China nicht unbedingt Hand in Hand gehen. Doch jetzt steht er vor Gericht - wegen Bestechlichkeit, Unterschlagung und Amtsmissbrauch. Der Angeklagte wehrte sich vor Gericht allerdings erstaunlich selbstbewusst.

    Ruth Kirchner