Prügelvideo sorgt für Empörung

In Hongkong sind mehrere Polizisten suspendiert worden. Ihnen wird vorgeworfen, einen wehrlosen Demonstranten misshandelt zu haben.

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Proteste in Hong Kong (unkommentiert)

0:43 min, vom 15.10.2014

Die Sicherheitskräfte setzten in Hongkong offenbar immer mehr auf Gewalt. Mit Schlagstöcken und Tränengas wurde ein besetzter Strassentunnel in der Metropole geräumt.

Dabei kam es zu teils chaotischen Szenen. Zahlreiche Demonstranten wurden zu Boden gerungen und weggetragen. 45 Menschen wurden festgenommen. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie mehrere Polizisten minutenlang auf einen in Handschellen am Boden liegenden Demonstranten einprügelten.

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Polizisten schlagen auf einen Demonstranten ein (unkommentiert)

0:21 min, vom 15.10.2014

Das Opfer wurde später als Ken Tsang, Mitglied der oppositionellen, prodemokratischen Bürgerpartei, identifiziert. Abgeordnete der Partei veröffentlichten Fotos von seinen Prellungen und Abschürfungen am Körper und im Gesicht. Er wurde im Krankenhaus behandelt. Sicherheitschef Lai Tung-kwok berichtete, die beteiligten Beamten seinen «vorübergehend vom Dienst suspendiert» worden.

Nach einer Beschwerde wegen Polizeibrutalität wurde eine formelle Untersuchung eingeleitet. Die Polizei zeigte sich «besorgt» über das Video mit den Beamten, «die verdächtigt werden, heute Morgen übermässige Gewalt eingesetzt zu haben», wie es hiess.

Auf eigene Faust gehandelt

Für die Besetzung des Strassentunnels sind laut Studentenführern nicht die Studentenvereinigung und die Schülergruppe «Scholarism» verantwortlich, die hinter der Demokratiebewegung stehen. Nach der Räumung mehrerer Barrikaden durch die Polizei hätten einige Demonstranten auf eigene Faust gehandelt und die wichtige Verkehrsader blockiert.

Drei Aktivistinnen sitzen hinter Regenschirmen auf der Strasse und werden von einer Polizeieinheit hinter einer Abschrankung beobachtet.

Bildlegende: Am Dienstag räumten Polizisten mehrere Blockaden der «Regenschirm-Revolutionäre». Reuters

Die Proteste in der autonom regierten Sonderverwaltungsregion Chinas begannen vor zwei mehr als Wochen. Sie richten sich gegen einen Beschluss Pekings, wonach die Hongkonger künftig zwar direkt wählen, aber keine Kandidaten frei nominieren dürfen. Die Wahlreform geht vielen Bewohnern von Hongkong nicht weit genug. Bisher verliefen die Proteste weitgehend friedlich. Wegen ihrer Schirme, die die Demonstranten gegen Pfefferspray und zum Schutz vor der Sonne benutzen, wird die Demokratiebewegung «Regenschirm-Revolution» genannt.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Übergriffe auf Demonstranten

    Aus Tagesschau vom 15.10.2014

    Seit zwei Wochen besetzen Studenten die Strassen Hongkongs. In der Nacht auf heute hat die Polizei eingegriffen und Barrikaden geräumt. Dabei kam es zu heftigen Zusammenstössen. Mehrere Personen wurden verletzt.

  • Wut und Gewalt gegen Studenten in Hongkong

    Aus Tagesschau vom 13.10.2014

    Die Demokratie-Bewegung in Hongkong verliert zusehends an Unterstützung. Die Blockade der Innenstadt verursacht Einnahmeausfälle für Taxifahrer und Ladenbesitzer. Erneut haben Schläger die Protestlager angegriffen.

  • Ein Mitglied der Demokratiebewegung wird von einem Mann angegriffen, der mit den Zielen der «Occupy Central»-Bewegung nicht einverstanden ist.

    Hongkong: Mit Gewalt gegen die Demokratiebewegung

    Aus Rendez-vous vom 13.10.2014

    Die Protestbewegung in Hongkong ist bislang auffallend friedlich. Nun scheint es allerdings im Stadtzentrum zu Zusammenstössen zwischen Demonstranten und zum Teil maskierten Unbekannten gekommen zu sein.

    Zuvor hatte die Polizei begonnen, die von der Demokratiebewegung errichteten Barrikaden abzubauen.

    Urs Morf