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Puigdemonts Rede Erst der Dialog – Katalonien verschiebt Unabhängigkeit

Legende: Video Katalonien verschiebt Unabhängigkeit abspielen. Laufzeit 3:32 Minuten.
Aus 10vor10 vom 10.10.2017.
  • Der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont hält zwar grundsätzlich an der Unabhängigkeit Kataloniens fest, doch eine einseitige Unabhängigkeitserklärung machte er nicht.
  • Stattdessen will Puigdemont den Prozess aussetzen, um in den nächsten Wochen einen Dialog und eine Vermittlung mit Madrid einzuleiten.
  • Eine erste Reaktion aus Madrid ist allerdings zurückweisend: die «implizite» Unabhängigkeitserklärung sei unzulässig.

Puigdemont schlug in seiner Rede am Dienstagabend vor dem Regionalparlament in Barcelona vor, dass das Parlament die Auswirkungen einer Unabhängigkeitserklärung aussetzt, um zunächst Gespräche zu führen. Puigdemont betonte die Notwendigkeit, im Katalonien-Konflikt «die Spannungen zu reduzieren».

Hoffen auf internationale Vermittlung

Der katalanische Regierungschef rief die spanische Zentralregierung zum Dialog auf und sprach sich erneut für eine internationale Vermittlung aus. Er sei überzeugt, dass der Konflikt mit Spanien auf dem Verhandlungsweg gelöst werden könne.

Als Zeichen des Dialogs wechselte Puigdemont mitten in seiner Rede von Katalanisch auf Spanisch. Dies sei eine Botschaft der Besonnenheit und des Respekts.

Puigdemont bat um Verständnis für den Unabhängigkeitswunsch vieler Katalanen. «Wir sind keine Verbrecher, keine Verrückten, keine Putschisten». Und man habe nichts gegen Spanien und die Spanier.

Wir sind keine Verbrecher, keine Verrückten, keine Putschisten.
Autor: Carles PuigdemontKatalanischer Regierungschef

Die Rede wurde in Spanien und ganz Europa mit grosser Spannung verfolgt, da erwartet wurde, dass Puigdemont einseitig die Unabhängigkeit Kataloniens erklären werde. Dies tat er jedoch vorerst nicht.

Zwei Bilder, die auf Twitter kursierten, zeigen den historischen Moment: Nach den ersten Worten von Puidgemont herrscht Euphorie, kurz darauf bittere Enttäuschung, als der Regierungschef die Unabhängigkeit vertagte.

Legende: Video Erwin Schmid in Barcelona abspielen. Laufzeit 1:52 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 10.10.2017.

Druck aus dem In- und Ausland

Bei dem von der spanischen Zentralregierung und Justiz als rechtswidrig eingestuften Referendum hatten sich am 1. Oktober 90 Prozent der Abstimmenden für eine Unabhängigkeit Kataloniens ausgesprochen.

Die Beteiligung lag allerdings bei lediglich 43 Prozent, viele Gegner einer Unabhängigkeit boykottierten die Abstimmung.

Zuletzt war der Druck aus dem In- und Ausland auf die Regionalregierung gewachsen, von einer Unabhängigkeitserklärung abzusehen. Die Zentralregierung in Madrid richtete kurz vor der Rede einen eindringlichen Appell an Puigdemont, auf einen solchen Schritt zu verzichten.

Madrid ist pikiert

Die spanische Regierung hat die Erklärung des katalanischen Regionalpräsidenten Carles Puigdemont zurückgewiesen. Die «implizite» Erklärung der Unabhängigkeit Kataloniens sei «unzulässig», erklärte ein Regierungssprecher in Madrid.

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28 Kommentare

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  • Kommentar von M. Berger (Mila)
    Unterschiedliche Kleinparteien, unter sich zerstritten, nehmen Einfluss in die derzeitige katalanische Regierung. Die linksradikale CUP (Kandidatur der Volkseinheit), die sich für Puigdemont als M'präsident einsetzten, drängen darauf, dass er die Unabhängigkeit erklärt. Mas, der frühere Ministerpräsident ermahnt ihn, davon abzusehen. Die Pleite Kataloniens wäre nicht aufzuhalten, da etliche Firmen und Banken, einen Wegzug ins Auge fassen und zudem Schulden in Höhe von 75 Milliarden bestehen.
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  • Kommentar von M. Berger (Mila)
    In den Schulen werden die Kinder systematisch indoktriniert mit gefälschter Historie und Rassismus und schliesslich mit Hass. So behauptet Oriol Junqueras, der katalanische Vizepräsident neben Puigdemont, die Katalanen seien den übrigen Spanier genetisch überlegen. Der Nationalismus der Separatisten wird zum Religionsersatz. Dies alles zum Leidwesen derjenigen Katalanen, welche, wenn sie sich für ein geeintes Spanien einsetzen, schikaniert werden und keinen öffentlichen Job bekommen.
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  • Kommentar von M. Berger (Mila)
    Von massivem Polizeieinsatz ist die Rede und 1000 Mal wird das abgeschrieben und schliesslich sind alle überzeugt davon.Die Polizei hatte, wie zuvor von der Regierung angekündigt, die Aufgabe, die Lokale zu schliessen und die Urnen zu entfernen. Die Polizei hat sich Zugang geschaffen und musste dazu die "Sit-in" Leute entfernen, wie es bei jeder Demo vorkommt. In der Folge wurden nachweislich gefakte Fotos und Videos ins Netz gestellt. Dass 33 Polizisten verletzt wurden dabei, wird nicht erwähnt
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