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International Pussy Riot kapitulieren nicht: «Jetzt fängt alles erst an»

Mit Nadeschda Tolokonnikowa ist das dritte und letzte Mitglied der inhaftierten Punk Band Pussy Riot freigekommen. Kaum in Freiheit, kommen die Musikerinnen richtig in Fahrt: Der Kampf gegen Putin soll nun erst richtig beginnen.

Legende: Video Pussy-Riot-Mitglieder in Freiheit abspielen. Laufzeit 1:37 Minuten.
Aus 10vor10 vom 23.12.2013.

Die beiden Aktivistinnen der Punkband Pussy Riot, die anderthalb Jahre in russischer Haft sassen, sind wieder frei. Nachdem heute zuerst Maria Aljochina aus dem Gefängnis entlassen wurde, ist nun auch ihre Bandkollegin Nadeschda Tolokonnikowa frei. Das sagte ihr Anwalt Pjotr Saikin der Nachrichtenagentur RIA Nowosti. Ihr kam ein kürzlich verabschiedetes Amnestiegesetz zugute. Die beiden Frauen sollten planmässig erst im März 2014 aus der Haft entlassen werden.

Kurz nach ihrer Freilassung trat die 24-Jährige bei Dunkelheit ins Scheinwerferlicht der Medien. «Mit meiner Entlassung fängt alles erst an, weil die Grenze zwischen Freiheit und Unfreiheit sehr eng ist in Russland, in diesem autoritären Staat», sagte Tolokonnikowa. Sie wolle weiter gegen Kremlchef Putin kämpfen.

Nach der Freilassung telefonierte Nadezhda Tolokonnikova ihrer Kollegin Masha Alyokhina – es ist das erste gemeinsame Gespräch nach langer Zeit.

Als «PR-Trick» kritisiert

Das zweite Bandmitglied, die 25-jährige Maria Aljochina, bezeichnete die Amnestie der russischen Regierung als «PR-Trick»: «Das ist kein humanitärer Akt», sagte die Aktivistin gegenüber einem russischen Fernsehsender. Hätte sie eine Wahl gehabt, so hätte sie die Amnestie abgelehnt, erklärte Aljochina weiter.

Eine ihrer Anwältinnen erklärte, ihre Mandantin habe das Straflager in einem schwarzen Wagen der Gefängnisverwaltung verlassen. Das sei zweifellos geschehen «um der medialen Aufregung» zu entgehen, sagte die Verteidigerin.

Pussy Riot lehnten Gnadengesuch ab

Die drei Mitglieder der regierungskritischen Punkband Pussy Riot waren im vergangenen Jahr nach einem Anti-Putin-Protest in der Moskauer Christi-Erlöser-Kathedrale verhaftet worden. Eine der Frauen, Jekaterina Samuzewitsch, kam später auf Bewährung frei, während die anderen zwei Musikerinnen weiterhin in Lagerhaft bleiben mussten.

Die Frauen von Pussy Riot – beide junge Mütter – hatten sich stets geweigert, ein Gnadengesuch beim Präsidenten zu stellen. Denn der Kreml werte solche Bitten um Gnade als Schuldeingeständnis.

Die nun entlassene Aljochina verbüsste ihre Lagerhaft in Nischni Nowgorod, 450 Kilometer östlich von Moskau. Ihre Kollegin Tolokonnikowa befand sich in Sibirien in Haft.

Charme-Offensive Putins

Russlands Präsident Putin betreibt aktuell eine Charme-Offensive und zeigt sich nachsichtig gegenüber seinen politischen Gegner. So hat der Präsident am Freitag ein Gnadengesuch seines langjährigen Widersachers Michail Chodorkowski unterschrieben. Dieser wurde nach über zehn Jahren aus der Haft entlassen.

Die Amnestie zum 20. Jahrestag der russischen Verfassung wird von vielen als ein Versuch Putins gewertet, vor den olympischen Spielen in Sotschi Kritiker im Westen zu besänftigen. Sowohl der Prozess und die Verurteilung von Pussy Riot wie auch der von Michail Chodorkowski standen international als politisch motiviert in der Kritik.

Gnade bei Rowdytum

Die Massenamnestie wurde vergangene Woche vom russischen Parlament verabschiedet. Unter den Erlass fallen Personen, die zu weniger als fünf Jahren Haft verurteilt wurden. Das Gesetz erwähnt insbesondere Frauen mit minderjährigen Kindern und Menschen, die wegen Rowdytums verurteilt worden sind.

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22 Kommentare

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  • Kommentar von E. Waeden, H
    Nun ja, in der Ukraine kämpft ein Ex-Boxer für Gerechtigkeit & in Russland sind es "Sängerinnen", welche sicher mit ihre Musik wieder möglichst viel Geld verdienen wollen. Jetzt sind sie wenigsten weltweit bekannt geworden! Irgendwie ja auch ein PR-Gag! Wahre Kämpfer für Gerechtigkeit wirken im Stillen. Die "Lauten" tun es immer aus Eigennutz!
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  • Kommentar von Urs Schmidlin, Riehen
    „Nadeschda Tolokonnikowa sagte: «Straflager und Gefängnisse sind das Gesicht des Landes», fügte sie hinzu“ (nach Tagesanzeiger online). Das ist eine starke Aussage und sie ist sicherlich nicht gänzlich falsch, auch wenn man zum Beispiel an die VR China oder an Nordkorea usw. denkt.
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  • Kommentar von V. Humbert, Carouge
    Weiter so Mädels. Auf alle Fälle habt Ihr mehr in der Hose als dieser Chodorkowski. Der hat "nur" noch ein paar schlappe hundert Millionen auf der Bank und Angst, dass Putin ihm die auch noch nimmt. Na ja, korrumpiert bleibt halt korrumpiert.
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