Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Video Separatisten beginnen mit Waffenabzug abspielen. Laufzeit 00:28 Minuten.
Aus Tagesschau vom 24.02.2015.
Inhalt

International «Putin fürchtet ein Eingreifen der Amerikaner»

Der russische Präsident Putin hat sich am Montagabend in einem Fernsehinterview zum Ukraine-Konflikt geäussert und dabei überraschend moderate Töne angeschlagen. So sprach er von «Chancen für eine Normalisierung». Wie ernst meint der Kremlchef seine Worte?

Russlands Präsident Wladimir Putin hat sich in einem TV-Interview am Montagabend zur Lage im Kriegsgebiet Ostukraine geäussert. Der Kremlchef sieht mehr als eine Woche nach den Ukraine-Friedensgesprächen in Minsk eine Chance für eine Normalisierung der Lage im Donbass.

«Apokalypse» wenig wahrscheinlich

Unabdingbar ist für Putin dabei, dass Kiew seine Waffen aus dem Gebiet abzieht. Wenn das Abkommen von Minsk und der Abzug schwerer Waffen von der Front «respektiert werden, ist das ein sicherer Weg hin zur Normalisierung der Lage in der Region», sagte Putin im staatlichen russischen Fernsehsender Rossija-1.

Russland sei wie Europa nicht an Krieg interessiert, betonte er. Ein «Szenario einer Apokalypse» in dem umkämpften Gebiet sei «wenig wahrscheinlich». «Ich hoffe, es wird nie passieren.» Laut Putin ist auch kein weiteres Gipfeltreffen mit Deutschland, Frankreich und der Ukraine erforderlich.

Seinen ukrainischen Kollegen Petro Poroschenko forderte Putin auf, mit der Ostukraine auf «zivilisierte Weise» ein Verhältnis aufzubauen und die Rechte und Interessen der Menschen im Donbass zu schützen. Zugleich warnte er vor «revanchistischen» Versuchen, die vor einem Jahr von Russland einverleibte Schwarzmeerhalbinsel Krim zurückzuerobern.

Wirkt die Drohung aus den USA?

Wie sind die bemerkenswert moderaten Töne Putins zu deuten? «Putin fürchtet ein Eingreifen der Amerikaner», sagt SRF-Moskau-Korrespondent Peter Gysling. Falls die strategisch wichtige Hafenstadt Mariupol von den Separatisten eingenommen werde, könnten die USA ihre Drohung wahr machen und Kiew tatsächlich Waffen liefern, so Gysling. Dies habe Putin zum Einhalten veranlasst und «deshalb hat er jetzt einen eher versöhnlichen Ton angeschlagen».

Das Minsker Abkommen sieht Gysling deshalb noch nicht ganz gescheitert. Wenn auch der Abzug der schweren Waffen von der Front nicht so recht vorankomme, so sei doch bereits ein Teil der Gefangenen zwischen den Separatisten und den ukrainischen Streitkräften ausgetauscht worden.

Donbass: Ein Stachel im ukrainischen Fleisch

Welche Zukunft sieht Gysling für die von Separatisten beanspruchten Gebiete in der Ostukraine? «Es wird keinen wirklich einvernehmlichen Frieden geben können mit den Separatisten», ist der Korrespondent überzeugt. «Am besten wäre für die Ukraine deshalb wohl, wenn der Donbass von Russland annektiert würde», sagt Gysling und betont, dass das seine ganz persönliche Einschätzung sei. Eine Abtretung des Donbass an Russland komme für Kiew allerdings nicht in Frage. «Wenn dies Präsident Poroschenko sagen würde, würde er damit politischen Selbstmord begehen», so Gysling.

Sowieso sei eine Annektion des Donbass auch für Putin kein Thema, allein schon aus wirtschaftlichen Gründen. Zudem sei Putin daran interessiert, in der Ukraine eine schwelenden Konflikt am Leben zu erhalten. Damit könne er Kiew daran hindern, näher an die EU und die Nato heranzurücken, so Gysling.

Stockender Waffenabzug

Die prorussischen Separatisten in der Ostukraine haben laut eigenen Angaben mit dem Abzug der schweren Waffen von der Front begonnen. Trotzdem seien, vor allem im Gebiet von Mariupol, aber immer noch Schüsse zu hören, sagt Gysling. Die Ukraine wolle deshalb ihre Artillerie erst abziehen, wenn die Waffen mindestens 24 Stunden geschwiegen haben.

Peter Gysling

Porträt von Peter Gysling.

Peter Gysling arbeitet seit 1980 als Journalist für SRF. Während des Mauerfalls war er Korrespondent in Deutschland. Von 1990 bis 2004 und erneut seit 2008 ist er Korrespondent in Moskau.

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

131 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Weber Jean-Claude , Zinal
    Ergreifende Reportage in den heutigen Mittagsnachrichten im westschweiz. TV über die beginnende Verfolgung der Krimtararen auf der Krim. Es beginnt ein Exodus dieses Volkes Richtung Ukraine. Der einzige tatarische TV-Sender wurde mundtot gemacht, als er eine proukrainische Demonstration auf der Halbinsel filmte. Das ist Demokratie auf russisch für alle die glauben, dass dort freie Meinungsbildung möglich sei. Ich stelle den Bericht rein, sobald er erhältlich ist.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Weber Jean-Claude , Zinal
      Für diejenigen die Französisch verstehen: http://www.rts.ch/play/tv/le-12h45/video/crimee-les-tatars-sont-exclus-par-le-nouveau-gouvernement?id=6574217. Den anderen sollten die Bilder genügen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Weber Jean-Claude , Zinal
    London will der RF den SWIFT-Account sperren. Damit wird die RF vom internationalen Zahlungsverkehr abgenabelt. Ein solcher Schritt habe ich erwartet nach den dauernden Lügen, die von Moskau aus publiziert werden. Das wird weh tun, denn dann kann nur noch mittels Kurier und Bargeld bezahlt werden. Es trifft leider nicht nur die Regierung, sondern auch alle anderen russischen Kunden, die mit dem Westen Geschäfte treiben. Der Westen kauft ja sozusagen nichts in der RF, ausser Erdgas.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von H. Bernoulli , Zürich
      Das wollte Obama schon letzten Sommer (Deutsche Wirtschafts Nachrichten). Am WEF stand dies auch zur Diskussion. Da fiel die Aussage, damit würde der Westen die wirtschaftliche A-Bombe gegen Russland zünden. Wenn der Westen dies tut, ist dies nicht mehr eine Kriegserklärung an Russland sondern dann ist es Krieg. Und das wegen angeblicher Lügen aus Moskau? Wann wird den USA der SWIFT-Account gekündigt?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von peter müller , zürich
      Diese Swift Gerüchte schaden mittlerweile Swift mehr als Russland. Die Russen haben eine Alternative in der Schublade und wenn diese gezogen wird hat der Westen auf Jahrzehnte seine Chance verspielt. Russen, Chinesen und alle Brics Ländern werden dann die Alternative wählen und die Kontrolle des Westens über den Zahlungsverkehr ist dann Geschichte. Ganz zu schweigen von den 400 Mia investiert in Russland von Westfirmen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Weber Jean-Claude , Zinal
      @Bernulli und Müller Putin hat dem Westen bereits den Krieg erklärt. Also was wollen Sie noch mehr. Es ist so, dass er auch schon grossspurig erklärte, er würde sein eigenes Kartensystem aufbauen und von dem hört man auch nichts mehr. Den Swift zu umgehen, geht auch nicht so einfach. Das System hat eine jahrzehnte lange Entwicklung hinter sich. Mehr als Vernichtungswaffen bringt die RF nicht hervor Vielleicht hilft auch nur schon die Drohung als Abschreckung.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    4. Antwort von E. Waeden , Kt. Zürich
      Aber in Ländern der EU leidet der Export sehr darunter. Vor allem betreffend Technologien, Landmaschinen usw. Die Russen würden gerne kaufen, dürfen aber nicht. Die Exporteure im Westen würden gerne verkaufen & liefern, dürfen aber nicht. Auf beiden Seiten leidet die Wirtschaft mittlerweile unter diesen blödsinnigen & abstrusen Sanktionen gegen eine NICHT Konfliktpartei nur auf Verdacht hin, ohne Beweise & die Amis lachen sich in die hohle Hand. Wer diese Vorgehensweise goutiert ist "na ja".
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    5. Antwort von m.mitulla , wil
      @J-C Weber. Ihre Worte "Putin hat dem Westen bereits den Krieg erklärt" kann ich - ausser in Ihrem Kommentar - nirgends nachlesen. Bitte verraten sie die Quelle. Danke.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Franz NANNI , Nelspruit SA
    Es sprechen viele fuer Krieg gegen Putin gegen USA. Schuldvorwuerfe an beide Seiten.. aber praktisch nichts Gesichertes, Sollte es zu einer Eskalation kommen gibt es nur EINEN Verlierer, die ganze Welt, wenn der Wahnsinn auflodert werden Wahnsinnige, mit Titel wie Praesident etc Befehle erteilen und die vorhandenen Arsenale einsetzen, Motto, wir haben nichts zu gewinnen aber die Anderen alles zu verlieren das ist sicher!!! Dann brennt auch der unterste Zipfel von Afrika mit mir und den Meinen..
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Weber Jean-Claude , Zinal
      @Nanni Eigentlich will keiner Krieg. Haben Sie bereits Berlin vergessen? Da genügten ein paar Panzer, die an der Demarkationslinie standen um der UdSSR-Dominanz Einhalt zu gebieten. Von diesem Moment an wusste die UdSSR-Führung, dass der Einmarsch ohne Blutvergiessen nicht möglich sein würde. Jetzt geht es darum Putin zu zeigen, dass er die rote Linie bereits überschritten hat. Nur so wird er zu stoppen sein.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen