Putin-Gegner soll für sechs Jahre ins Arbeitslager

Im umstrittenen Strafprozess gegen Alexej Nawalny hat die Anklage sechs Jahre Haft gefordert. Sie will den Oppositionspolitiker in ein Arbeitslager stecken. Ohne Bewährung.

Der Vorwurf der Anklage gegen Alex Nawalny lautet auf Untreue: Der russische Oppositionspolitiker soll die Regionalregierung von Kirow durch zu billige Holzverkäufe geprellt haben. Es geht um knapp 500'000 Franken. Nawalny soll dafür seine Kontakte als damaliger Regierungsberater ausgenutzt haben.

Im Prozess gegen den 37-Jährigen hat die Anklage nun sechs Jahre Haft in einem Arbeitslager gefordert. Der Strafantrag der Ermittlungsbehörden sehe auch eine Geldbusse von einer Million Rubel (gut 28'600 Franken) vor. Das schrieb Nawalny auf Twitter.

«Politisch motiviert und konstruiert»

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Der Richter kann keinen selbstständigen Entscheid fällen

1:39 min, aus Tagesschau vom 24.4.2013

Seit April steht Nawalny vor Gericht. Der Prozess wird vom Westen und der Opposition heftig kritisiert. Sie sehen ihn als einen Versuch von Russlands Präsident Wladimir Putin, Nawalny als Galionsfigur der Protestbewegung auszuschalten. Der Angeklagte selbst sagte: «Der Fall ist komplett politisch motiviert und konstruiert.»

Nawalny deckte nicht nur mehrere Korruptionsfälle auf. Er gehörte auch den Anführern der Massenproteste gegen die Parlamentswahl Ende 2011 an. Im Falle einer Verurteilung verliert er das Recht auf eine politische Betätigung. Nawalny bestreitet sämtliche Vorwürfe.