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International Putin: «Militäreinsatz bisher nicht notwendig»

Russlands Präsident ist immer für eine Überraschung gut. So zeigte er Verständnis für die Demonstranten auf dem Maidan – nannte den Umsturz aber verfassungswidrig und sprach sich für Janukowitsch als rechtmässigen Präsidenten aus. Einen Militäreinsatz lehnt Putin allerdings ab.

Legende: Video Putin hält an seinem Kurs fest abspielen. Laufzeit 1:19 Minuten.
Aus Tagesschau vom 04.03.2014.

Trotz der explosiven Lage auf der Halbinsel Krim, hat die neue ukrainische Regierung nach den Worten des amtierenden Ministerpräsidenten Arseni Jazenjuk Konsultationen mit Russland aufgenommen. Die Kontakte fänden auf Ministerebene statt, sagte Jazenjuk vor Journalisten.

Der Regierungschef bekräftigte die Forderung, dass sich die russischen Soldaten auf der Krim in ihre Kasernen zurückziehen müssten.

Zuvor hatte Kremlchef Wladimir Putin den Machtwechsel in der Ukraine als verfassungswidrigen Umsturz und bewaffnete Machtergreifung bezeichnet. Er habe zwar grundsätzlich Verständnis für den Wunsch nach Veränderung im Nachbarland, befürworte aber die Art und Weise nicht. «Ich denke, der Coup in der Ukraine war gut vorbereitet – unter anderem auch durch westliche Ausbilder», so Putin.

Legende: Video «Putins Worte nehmen dem Ganzen die Explosivität – vorerst» abspielen. Laufzeit 1:47 Minuten.
Vom 04.03.2014.

Der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch habe bei den Verhandlungen mit europäischen Aussenministern am 21. Februar allen Vorschlägen der Opposition zugestimmt. Er sei der legitime Präsident. Allerdings gehe er davon aus, dass Viktor Janukowitsch realistisch gesehen keine politische Zukunft mehr habe.

Putin sieht nach eigenen Angaben bisher keine Notwendigkeit für einen Militäreinsatz im Nachbarland. Russland habe aber die Möglichkeit, dies zu tun. Er halte sich alle Optionen offen, sollte in der Ostukraine Anarchie ausbrechen.

Der russische Präsident verteidigte zudem das bisherige Vorgehen und sprach von einem notwendigen Schutz der Militärobjekte auf der Krim.

«Gefahr eines Militär-Einsatzes bleibt bestehen»

Laut SRF-Korrespondent Christof Franzen entschärfen Putins Aussagen die momentan angeheizte Situation, zumindest im Vergleich zu den letzten Tagen. Eine definitive Wende sei dies allerdings nicht. Denn die Gefahr eines militärischen Eingreifens von Russland bestehe nach wie vor, sagte Franzen in der «Tagesschau».

Vorwürfe machte Putin auch in Richtung USA und Westen. Diese hätten den Konflikt in Kiew befeuert. Allerdings hätten sie ihn auch völlig falsch eingeschätzt und seien demzufolge für die derzeitige Instabilität mitverantwortlich.

Er warnte den Westen vor der Verhängung von Strafmassnahmen wegen der eskalierten Lage auf der Krim. Wer über Sanktionen nachdenke, müsse sich auch der Konsequenzen bewusst sein, sagte Putin. Ein Abzug des Botschafters aus den USA, wie vom Föderationsrat vorgeschlagen, sei aber das letzte Mittel.

Putin offen für Bildung einer Kontaktgruppe

Auf die Zukunft der Krim angesprochen sagte Putin, dass die Bewohner selbst entscheiden müssten, was deren künftiger Status sei. «Nur die Bürger können und sollen über ihre Zukunft in einer freien und sicheren Willensentscheidung bestimmen», sagte der russische Präsident. Derzeit sei kein Anschluss an Russland vorgesehen.

Putin zeigte sich offen für den deutschen Vorschlag einer internationalen Kontaktgruppe im Ukraine-Konflikt. «Im Prinzip ist das möglich», sagte er den Journalisten.

Russisches Gas fliesst weiter

Die Krise in der Ukraine bedeutet nach Ansicht von EU-Kommissar Günther Oettinger bis auf weiteres keine Gefahr für Europas Energieversorgung. Wegen des milden Winters seien die EU-Gasspeicher gut gefüllt. Er habe Vertrauen in die russischen Vertragspartner. «Trotz der Krise fliesst in diesen Minuten Gas aus Russland in die europäischen Märkte.»

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40 Kommentare

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  • Kommentar von E. Waeden, Kt. Zürich
    Der Mann aus Luxemburg hat kommuniziert, dass mit Sanktionen gegenüber Russland zu drohen der falsche Weg ist. Damit stelle man Putin auf dieselbe Ebene wie Syriens Präsidenten usw. Doch er sprach sich gleichzeitig für Konsequenzen aus. Da frage ich mich: Was ist der Unterschied zwischen Sanktionen & Konsequenzen? Doch für mich gilt immer noch: "Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen."
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  • Kommentar von E. Waeden, Kt. Zürich
    Fakt ist, dass sich die Grenzen der EU immer weiter gegen Osten verschieben. Verständlich, dass jetzt Russland auf die Revolution in der Ukraine empfindlich darauf reagiert. Man stelle sich die EU vor, wenn Russland die "alten" Grenzen zur Zeit des Kalten Krieges wieder herstellen wollte. Doch Fakt ist auch, dass Russland diese Grenzen bisher akzeptiert hatte & gute Handelsbeziehungen mit der EU & anderen Ländern entstanden sind.
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  • Kommentar von Johannes Koller, Schweiz
    Was mich sehr beunruhigt, ist, dass das CH Fernsehen eigentlich unfähig ist, objektiv und ausgewogen über die Ereignisse in der Ukraine zu berichten. Das Gesagte kam für mich voreingenommen und sehr russophob herüber. Da sind die Beiträge bei ARD schon auf einem andern Niveau.
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    1. Antwort von A.Käser, Zürich
      Wäre nicht das Schlechteste für die Schweiz,wenn sich Russland die Ukraine"unter den Nagel"reissen würde.Das Gleiche gilt für etliche andere Staaten in Europa.Damit würde wieder die Möglichkeit bestehen,auch ausserhalb der PFZ,"normale"Handelsbeziehungen mit Ländern zu führen,Aufzubauen.Würde die EU schwächen und div.Staaten hätten die Möglichkeit,einen Teil ihrer Autonomie(weniger Verstrickungen;Schulden)zurück zu erlangen.Somit hätten auch"ehrliche"demokratische Entwicklungen eher eine Chance.
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