Putin plant internationale Anti-IS-Koalition

Russland will Regierungen in Nahost und im Westen im Kampf gegen die Terrorgruppe Islamischer Staat an einen Tisch bringen. Dafür wirbt Kreml-Chef Putin in Gesprächen mit US-Präsident Obama und weiteren Staatschefs.

Putin läuft an mehreren Männern vorbei.

Bildlegende: Russlands Präsident Putin schlägt dem Westen eine internationale Koalition im Kampf gegen die Terrormiliz IS vor. Keystone

Im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien und im Irak schmiedet Kremlchef Wladimir Putin Pläne für eine internationale Koalition. Darüber habe er unter anderem mit US-Präsident Barack Obama in einem Telefonat gesprochen, sagte der russische Präsident während eines Wirtschaftsforums in Wladiwostok.

«Wir wollen eine internationale Koalition im Kampf gegen den Terrorismus und Extremismus gründen», betonte Putin. Dafür habe er auch mit den Führungen in der Türkei, Saudi-Arabien, Jordanien und Ägypten gesprochen. Chefdiplomat Sergej Lawrow zufolge will Russland die Anti-Terror-Allianz mit einem Mandat des UNO-Sicherheitsrates ausstatten. Die USA sehen den Plan Lawrow zufolge mit Zurückhaltung.

Unterstützer Assads

Putin will neben Irakern und Kurden auch die syrische Armee an dem Bündnis gegen den IS beteiligen. Dies stösst vor allem bei der vom Westen unterstützten Opposition des Bürgerkriegslandes auf scharfe Kritik.

Russland gilt als enger Partner von Staatschef Assad. Putin verwies darauf, dass Moskau Damaskus im Bürgerkrieg mit Waffen und der Ausbildung von Soldaten unterstütze. Es handele sich um Rüstungsverträge, die bereits vor fünf bis sieben Jahren unterschrieben worden seien.

Assad gesprächsbereit?

Auch für eine Lösung der innersyrischen Krise sehen die Russen eine Chance: Putin zufolge ist Präsident Baschar al-Assad zu Neuwahlen und einer Beteiligung seiner Gegner an der Regierung bereit.

«Es gibt insgesamt ein Verständnis dafür, dass die Vereinigung der Anstrengungen im Kampf gegen den Terrorismus parallel mit einem gewissen politischen Prozess in Syrien einhergehen sollte», sagte er. «Das ist vor allem eine Frage der innersyrischen Entwicklung.»

Einsatz dementiert

Einen Kampfeinsatz von russischen Soldaten schloss Putin zwar nicht ausdrücklich aus, doch stehe das Thema noch nicht auf der Tagesordnung, betonte der Präsident der Agentur Interfax zufolge. Bislang sei es verfrüht, von einem Gefechtseinsatz russischer Soldaten gegen den IS zu sprechen, sagte Putin.

Der Kreml hatte zuvor israelische Medienberichte dementiert, wonach Russland die Absicht habe, Militärflugzeuge zur Bekämpfung des IS nach Syrien zu schicken.

Das Verhältnis zwischen Russland und dem Westen ist wegen des blutigen Konflikts in der Ostukraine auf dem tiefsten Punkt seit dem Ende des Kalten Krieges. Beobachter halten Putins Vorstoss in der Syrien-Krise für ein Signal an den Westen für mehr Annäherung.