Putin über Poroschenko: «Er gefällt mir»

US-Präsident Barack Obama, die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, der künftige Präsident der Ukraine Petro Poroschenko: Sie alle haben sich am Rande der D-Day-Gedenkfeier mit Russlands Präsident Wladimir Putin getroffen. Kommt nun Bewegung in den Ukraine-Konflikt?

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Diplomatie am D-Day

2:03 min, aus Tagesschau vom 6.6.2014

Der russische Präsident Wladimir Putin hat nach einem Treffen mit dem neu gewählten ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko ein Ende des Militäreinsatzes in der Ostukraine gefordert.

Putin fordert Waffenruhe

«Es sollte umgehend eine Waffenruhe eintreten», sagte Putin im französischen Deauville. Erst dann könne ein Verhandlungsprozess beginnen. «Die Verhandlungspartner in diesem Fall sollten aber nicht Russland und die Ukraine sein, weil Russland nicht an dem Konflikt beteiligt ist, sondern die Anhänger einer Föderalisierung im Osten», sagte Putin.

Das habe er auch seinen Gesprächspartnern am Rande der Feiern zum 70. Jahrestag der Truppenlandung der Alliierten im Zweiten Weltkrieg in der Normandie gesagt.

Putin und Poroschenko hätten vereinbart, in den kommenden Tagen über «die Modalitäten eines Waffenstillstandes» zwischen Kiew und den pro-russischen Separatisten im Osten des Landes zu beraten, verlautete aus dem Umfeld des französischen Präsidenten François Hollande.

Russland fürchtet Assoziierungsabkommen

Putin äusserte sich nach dem Treffen positiv über Poroschenko. «Er gefällt mir», sagte der frühere KGB-Offizier über den Oligarchen, der an diesem Samstag seinen Amtseid ablegen will. Poroschenkos Anhänger, die erbitterte Putin-Gegner sind, dürften das Lob des Kremlchefs über den Oligarchen weniger gern hören.

Zugleich warnte Putin die Ukraine erneut davor, mit der der EU das geplante Assoziierungsabkommen über eine enge wirtschaftliche Zusammenarbeit abzuschliessen. Der Kremlchef betonte, dass Russland in diesem Fall Schritte zum Schutz seiner Wirtschaft einleiten werde. Das habe er auch der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und EU-Vertretern erklärt.

Merkel und Putin beim Händedruck, beide schauen genervt.

Bildlegende: Gesten sagen mehr als Worte; grün waren sich Merkel und Putin bei ihrem Gespräch nicht. Keystone

Obama - Putin - Merkel

US-Präsident Barack Obama rief seinen russischen Kollegen während eines kurzen informellen Gesprächs auf, die Gelegenheit zu nutzen und die Spannungen zwischen Russland und seinem Nachbarland Ukraine zu mildern. Eine Deeskalation hänge davon ab, dass Russland Poroschenko als Präsident anerkenne, sagte der stellvertretende nationale US-Sicherheitsberater Ben Rhodes.

Russland müsse auch den Separatisten seine Unterstützung entziehen und aufhören, sie über die Grenze hinweg mit Waffen zu versorgen. Ohne eine «Deeskalation der Spannungen in der Ukraine» werde sich Russland auf internationaler Bühne «weiter isolieren», sagte Obama. Zur Atmosphäre während des 15-minütigen informellen Gesprächs der beiden Staatschefs wurden zunächst keine Details bekannt.

Auch die deutsche Kanzlerin traf am Rande der historischen Feierlichkeiten in der Normandie Russlands Staatschef zu einem Gespräch über die Ukraine-Krise. Bei der Unterhaltung appellierte Merkel an Putin, sich für eine «Stabilisierung der Lage insbesondere in der Ostukraine» einzusetzen.

Putins Sprecher Dmitri Peskow sagte der Agentur Interfax: «Putin und Merkel haben sich voll und ganz auf die ukrainischen Angelegenheiten konzentriert – auf die Suche nach einer ukrainischen Lösung.» Auf die Frage, ob es auch um Meinungsverschiedenheiten gegangen sei, sagte der bei dem Treffen anwesende Peskow: «Genau dem war das Gespräch gewidmet.»

Zur Begrüssung hatten sich Merkel und Putin kurz die Hand gegeben, die Atmosphäre wirkte kühl. Beide sassen vor den Flaggen ihrer Länder an einem kleinen Tisch, relativ weit voneinander entfernt.

Ukraine beschuldigt Russland

Der ukrainische Regierungschef Arseni Jazenjuk gibt Russland die Schuld an dem Blutvergiessen. Russland bezahle die Terroristen, die sich in der Ostukraine aufhielten, sagte er in einer Fernsehsendung. «Russland muss Verantwortung dafür übernehmen, dass ukrainische Staatsbürger durch russische Waffen und mit russischem Geld ermordet werden.»

Flugzeug abgeschossen

Prorussische Separatisten schossen nach Militärangaben ein ukrainisches Transportflugzeug im Osten des Landes ab. Augenzeugen berichten, die Piloten hätten sich vor dem Absturz mit dem Schleudersitz retten können. Nach dem Wahlsieg von Poroschenko hat die Armee ihr Vorgehen gegen die Separatisten verschärft. Dabei wurden Hunderte Menschen getötet.

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    Aus Tagesschau vom 6.6.2014

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  • Der russische Präsident Wladimir Putin im Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am 6. Juni an der 70. D-Day Gedenkfeier in Ouistreham, Frankreich.

    D-Day-Gedenkfeier: Plattform für Diplomatie

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    So traf Russlands Vladimir Putin auf Bundeskanzlerin Merkel und kurz sogar auf US-Präsident Obama. Eine erste Annäherung zwischen Ost und West?

    Sabine Wachs und Rudolf Balmer