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Handschlag in Sotschi Putin und Erdogan verkünden normalisierte Beziehungen

Der Abschuss eines russischen Kampfflugzeugs durch das türkische Militär hatte das Verhältnis zwischen Moskau und Ankara in eine tiefe Krise gestürzt. Nun sehen die Präsidenten Russlands und der Türkei die Beziehungen wieder auf dem alten Stand.

Recep Tayyip Erdogan und Wladimir Putin in Sotschi strecken sichdie Grusshand entgegen.
Legende: Hand drauf nach einer langen Krise: Recep Tayyip Erdogan und Wladimir Putin in Sotschi. Keystone
  • Für Russlands Präsidenten Wladimir Putin sind die Beziehungen mit der Türkei wiederhergestellt.
  • Auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan äusserte sich zufrieden über den Stand der politischen Beziehungen.
  • Putin und Erdogan sprachen über die bilateralen Beziehungen an einer gemeinsamen Medienkonferenz in Sotschi anlässlich ihres Gipfeltreffen.

Nach einer langen Krise sieht Wladimir Putin die Beziehungen zur Türkei wieder zurück auf dem alten Stand: «Die Periode der Wiederherstellung ist abgeschlossen.» Auch Recep Tayyip Erdogan betonte die zahlreichen Kontakte beider Seiten und die guten politischen Beziehungen.

Ende der russischen Sanktionen

Die beiden Staatspräsidenten einigten sich auf einen Abbau der russischen Sanktionen. «Wir haben uns auf eine umfassende Lösung verständigt», sagte Putin. Die Sanktionen gegen türkische Waren und Dienstleistungen würden in naher Zukunft aufgehoben. Einen genauen Zeitraum nannte Putin nicht.

Bereits bei einem Treffen der Präsidenten im März wurde die Einfuhr einiger Gemüsesorten wieder erlaubt. Laut dem Kreml wird in naher Zukunft das Importverbot für russisches Getreide in die Türkei aufgehoben. Auch die Einfuhr türkischer Tomaten ist derzeit zum Schutz russischer Produzenten noch verboten. Putin sagte, er habe mit Erdogan über Möglichkeiten beraten, die Embargos weiter zu lockern.

Schutzzonen in Syrien notwendig

Ein wichtiges Thema war der Krieg in Syrien. An der Medienkonferenz sprach sich Erdogan für eine Durchsetzung der im Dezember vereinbarten Waffenruhe aus. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS), das Terrornetzwerk Al-Kaida, aber auch die syrischen Kurden-Milizen YPG bezeichnete Erdogan als «Vampire», die sich «von Blut und Tränen» ernährten.

Putin wie Erdogan wollen in Syrien mit Schutzzonen die Zivilbevölkerung schützen. Solche Zonen wären ein «Schlüssel», um das Blutvergiessen in Syrien zu stoppen, sagte Erdogan.

Putin stimme mit dem türkischen Präsidenten überein: «Wir müssen solche Mechanismen finden, die ein Ende des Blutvergiessens garantieren.» Er habe darüber auch am Vorabend mit US-Präsident Donald Trump gesprochen.

Giftgas-Angriff bestrafen

Erdogan und Putin waren sich auch einig, die Verantwortlichen des mutmasslichen Giftgasangriffs Anfang April in der nordsyrischen Stadt Chan Scheichun zur Verantwortung zu ziehen.

Die Türkei, aber auch die USA und andere Regierungen im Westen machen für diesen Angriff mit mehr als 80 Toten die syrische Regierung verantwortlich. Russland beschuldigt hingegen die Rebellen.

Wirtschaftssanktionen werden aufgehoben

Der Abschuss eines russisches Kampfflugzeugs durch die Türkei im Syrien-Krieg hatte 2015 die bilateralen Beziehungen zwischen Russland und die Türkei schwer belastet. Moskau reagierte daraufhin mit Sanktionen, hauptsächlich im Agrarbereich und mit einem Flugverbot für russische Touristen in die Türkei.

Inzwischen sei auh die Zahl russischer Touristen an der türkischen Küste wieder gestiegen, sagte Putin. Russland sei auch bereit, die Visa-Bestimmungen für türkische Staatsbürger zu lockern.

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Jacqueline Zwahlen (Jacqueline Zwahlen)
    Die "lange Krise", von der hier die Rede ist, dauerte anderthalb Jahre. Wobei die Krise sich seit Erdogans Brief an Putin im Juli 2016 und infolge verschiedener Gespräche Schritt für Schritt entschärfte. Trotz Meinungsverschiedenheiten hat man es also geschafft, binnen 18 Monaten wieder normale Beziehungen zueinander zu pflegen. Ein Sieg der Vernunft und Diplomatie im Sinne eigener Interessen. Da sei die (rhetorische) Frage erlaubt: Wem nützt der Starrsinn des westlichen Politkurses?
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