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Deutsch-russische Beziehungen «Putin und Merkel könnten unterschiedlicher nicht sein»

Legende: Audio Frostige Stimmung in Sotschi abspielen. Laufzeit 02:35 Minuten.
02:35 min, aus Info 3 vom 02.05.2017.
  • Bundeskanzlerin Angela Merkel ist ans Schwarze Meer gereist, um mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über die Themen des G20-Gipfels zu beraten. Dieser soll im Juli in Hamburg stattfinden.
  • Weitere Themen waren unter anderem Syrien, der Ukraine-Konflikt, der internationale Terrorismus und die Homosexuellenverfolgung in Tschetschenien.
  • Russland und Deutschland haben in diesen Punkten deutlich mehr Differenzen als Gemeinsamkeiten.

SRF News: Gab es irgendwo einen Konsens?

David Nauer: Nein, es gab nicht wirklich eine Annäherung. In strittigen Fragen haben sich weder Merkel noch Putin auch nur einen Millimeter aufeinander zubewegt. Es war eindrücklich zu sehen, wie die Kanzlerin und der russische Präsident bei strittigen Fragen – wie etwa solchen zu Syrien, der Ukraine oder den Menschenrechten in Russland – die Probleme jeweils völlig gegensätzlich beurteilen. Letztlich war man sich nur darin einig, dass man weiter miteinander reden muss.

Putin sagte bei der gemeinsamen Medienkonferenz, es sei ein «offenes, geschäftsmässiges Treffen» gewesen. Was heisst das übersetzt?

In der Diplomatensprache heisst das, die Stimmung war richtig mies. Normalerweise werden die Dinge an solchen Pressekonferenzen ja eher schöngeredet. «Offen und geschäftsmässig», wie Putin sich ausdrückte, klingt sehr kühl. Man kann es aber auch positiv sehen: Putin sagt quasi, er und Merkel seien hart aber ehrlich zueinander; sie sagen sich die Meinung. Das ist immerhin etwas.

In der Diplomatensprache heisst das, die Stimmung war richtig mies.

Mögen sich Putin und Merkel auch persönlich nicht besonders?

Natürlich spielt das Persönliche auch eine Rolle. Putin ist eher der Macho-Typ, der sehr emotional werden kann. Merkel ist im Vergleich dazu eine kühle, sehr rationale und zurückhaltende Frau. Mit anderen Worten: Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein. Das ist sicher ein Grund, weshalb die beiden Mühe haben, sich zu finden. Der Hauptgrund für die grossen Probleme in der Beziehung sind aber sicher eher politische als persönliche Differenzen.

Das Gespräch führte Danièle Hubacher.

David Nauer

David Nauer

David Nauer ist Korrespondent von Radio SRF in Russland. Von 2006 bis 2009 hatte Nauer für den «Tages-Anzeiger» aus Moskau berichtet, anschliessend aus Berlin.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Roland Gadient (Roland Gadient)
    Frau Zwahlen sehr gute Analyse, ich gehe noch einen Schritt weiter der Mann ist nicht der wie man im Westen hinstellt, diese sieht man auch am Besten wenn er die Grossen Auftritte in Russland gibt, er fühlt er sich in dieser Zwangsjacke nicht wohl, ich vermute, dass er ein ruhiger, überlegter und gradliniger Typ ist und ein Glaubwürdiger. In diese Punkten habe ich mit Merkel und Obama meine Zweifel, Trump ist für mich ein Clown, aber solche Typen haben die Fähigkeit sich zu ändern.
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    1. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      "Sie möge einfach solche Macho-Typen nicht" hat es auch geheissen. Was dann aber korriegiert werden müsste in:" Sie mag vermutlich Macho-Typen, welche ihr schon durch ihre Körpergrösse auf Augenhöhe begegnen nicht. Sie schaut halt lieber zu "grösseren" Macho-Typen wie Obama auf.",-)
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    2. Antwort von Joel Busch (Joel)
      Dass Obama ein Macho sei ist ja mal ein neuer Vorwurf, während seiner Präsidentschaft wurde er ständig angegriffen weil er nicht hart genug rüber kam. Er wurde "girly", "sissy boy", "not macho enough", "weak Obama", "not manly enough to fight terrorism" und so weiter genannt.
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  • Kommentar von E. Waeden (E. W.)
    "Putin & Merkel könnten unterschiedlicher nicht sein", stimmt Herr Nauer! Was für eine erhellende Feststellung. Logisch sie unterschiedlich sind. Sie eine Frau, er ein Mann, sie rein optisch schon ganz unterschiedlich sind!;-)
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  • Kommentar von Roland Gadient (Roland Gadient)
    Was ich gar nicht glauben kann, dass die Stimmung frostig war, sonst hätten sie sich gar nicht getroffen, denn beiden Seiten.war der Standpunkt des jeweiligen Anderen vor diesem Treffen klar.
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    1. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      Glaube ich auch nicht, die haben sich früher sehr gut verstanden und Merkel hat ihn oft kritisiert, was er angenommen hat.
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    2. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Genau! Die haben sich einst sehr gut verstanden & sie hat ihn schon als junge Politikerin in Russland besucht. Es gibt da ein gutes Bild, wo sie sich bei einem Fototermin fast schon an ihn kuschelt & sie damit deutlich Abstand vom damaligen US-Präsidenten Bush an ihrer anderen Seite signalisiert. Und das bis Obama kam.
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