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Putin will im Kreml bleiben Der alte und neue Präsident hat gesprochen

Putin ist populär und «bestens vernetzt»: Sein Wahlsieg ist so gut wie sicher. Die Analyse unseres Korrespondenten.

SRF
Legende: David Nauer ist Korrespondent von Radio SRF in Russland. SRF

In anderen Ländern werden Wahlen dann spannend, wenn klar ist, wer alles antritt. Dann beginnt der Wahlkampf, das Werben um die Wähler – manchmal wird sogar die Stimmenauszählung noch zur Zitterpartie.

Nicht so in Russland: dort interessierte eigentlich nur, ob Wladimir Putin noch einmal kandidiert. Das ist nun bekannt – und die Spannung bereits raus aus dem Urnengang. Es ist klar, dass der bisherige Amtsinhaber gewinnen wird. Das hat mehrere Gründe.

Erstens ist Putin tatsächlich populär. Viele Russen halten ihm zu Gute, er habe das Land wieder gross gemacht – gross und mächtig. Zudem geht es den meisten Russen trotz Krise wirtschaftlich viel besser als in den 1990er-Jahren, und erst recht viel besser als zu Sowjetzeiten. Putin steht für Stabilität und bescheidenen Wohlstand.

Zweitens hat Putin den ganzen Staatsapparat hinter sich: die staatlichen Medien, die Wahlkommission, die Gerichte – und: die Geheimdienste. Diese «administrativen Ressourcen», wie die Russen sagen, helfen im Zweifel nach. Es muss nicht Wahlfälschung sein. Man kann auch einfach Millionen von Staatsangestellten bitten, an die Urne zu gehen – sie wissen schon, wo sie das Häkchen zu machen haben.

Drittens hat Putin so gut wie keine namhafte Konkurrenz. Er ist seit 17 Jahren an der Macht – und hat in dieser Zeit jede eigenständige politische Figur ausgeschaltet. Der Wirtschaftsliberale Titow oder der Nationalist Schirinowski sind reine Alibi-Kandidaten. Andere, wie der Demokrat Jawlinski, stecken politisch derart in einer Nische fest, dass sich der Kreml keine Sorgen machen muss.

Opposition unerwünscht

Wäre da noch der junge und energische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny. Er ist eine schillernde Figur – ein Populist, einst hat er selbst mit sehr rechten Kreisen geflirtet. Aber er ist populär bei den Jungen. Er ist ein Charismatiker und er will ernsthaft an die Macht.

Ihn aber lässt der Kreml mit grösster Wahrscheinlichkeit gar nicht erst antreten. Formal, weil er von einem russischen Gericht zu einer bedingten Haftstrafe verurteilt worden ist. Faktisch aber, weil der Kreml eben doch keine echte Wahl möchte.

So wird der Urnengang weder demokratisch noch spannend.

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23 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI (igwena ndlovu)
    Ob Putin oder sonstwer... auch ER hat ein Verfallsdatum!
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  • Kommentar von Luzius Brotbeck (LuziBrot)
    "Wenn man sich mit Russland beschäftigt, muss man sich die Frage stellen: Ist Putin wirklich so schlimm? Wenn man sich die Alternativen anguckt, haben wir vergleichsweise Glück." Interessant wie sich Richard David Precht dazu gegenüber "Jung & Naiv" äussert. Putin ist auf Ausgleich zwischen allen Machtblöcken (Ultranationalisten, Silowiki, Nationalliberalen, Silowiki, Oligarchen und Kommunisten) bedacht. Russische Politik/Gesellschaft ist komplexer als es von SRF dargestellt wird.
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    1. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      die menschliche gesellschaft hier wie drüben ist komplexer als es auf dem bildschirm erscheinen mag .... daher raten ja kluge köpfe, zu lesen, nach draußen in die wirkliche welt zu gehen und so manches gemeinsam machen ... spätestens am weihnachtsabend im trauten kreis der familie wird die komplexität des miteinanders so manche/n übermannen ... und verzweifelt nach der so glatten und pflegeleichten fläche des handys greifen lassen ...
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  • Kommentar von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
    Die Welt kann aufatmen. Putin hat mehrfach bewiesen, dass er sich nicht zu unüberlegten, zu grossem Leid führenden Handlungen provozieren lässt, Er kann zwar hart auftreten, aber bleibt trotz allem respektvoll zu seinen Gegnern. Er sucht nicht den Konflikt, sondern Konfliktlösungen. Man denke z.B. am Abschuss eines russischen Kampfflugzeuges über Syrien, an die vielen verbalen Angriffen (die z.T. einer Kriegserklärung entsprachen). Ob ein Nachfolger Putins solche Qualitäten aufzuweisen hätte?
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    1. Antwort von Martin Brunner (Frontal)
      @bernoulli: Es gibt Leute denen alles egal ist, ob es in Russland eine echte Demokratie gibt oder nicht, ob Oppositionelle oder sonst unbequeme verfolgt oder gar getötet werden kann man ja auch ignorieren gell? Und "Er sucht nicht den Konflikt sondern Konfliktlösungen" Man denke an den Abschuss von MH17! Und alle anderen Opfer in der Ukraine! An alle Lügen etc. etc. ja ein wahrer Held zu dem Sie da aufschauen und doch so verehren!
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    2. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      Man muss nicht mit allem einverstanden sein. Aber etwas zeichnet Putin aus, er lässt sich nicht provozieren. Seine Intelligenz und sein strategisches Denken. Und wenn er zu einem Thema etwas sagt, dann gibt es kein Zurück mehr und das macht ihn für das Riesenreich oft zu einem harten aber konsequenten Menschen
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    3. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      putin, frau wüstner, und seine leute lesen auch bücher, vielleicht nicht gerade, die, die so einige von uns lesen würden ...besonders mag er den ivan ilyin, der auch nicht jederfrau sache ist....
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    4. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      @ M.Brunner, warum sollten die Russen MH17 abgeschossen haben, was war das Motiv? Oder war es ein Versehen der Rebellen? Wie war das möglich, warum hatten sie plötzlich solch ein komplexes System zur Hand? Was hätte die Ukraine bzw. die USA für ein Motiv gehabt? Warum wurde schon wenige Stunden nach Abschuss penetrant Russland beschuldigt? Warum forderte Cameron sofort, man müsse den Moment der Empörung Nutzen für Vergeltungsmassnahmen gegen Russland?
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    5. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      Wieviel Menschen haben westliche Demokratien schon umgebracht durch völkerrechtswidrige Kriege, Drohneneinsätze usw? Wieviel demokratische Regierungen wurden schon von den USA gestürzt? Man sollte den Balken im eigenen Auge nicht vergessen.
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    6. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      Frau Kunz vielleicht hat er den Ausspruch von Ilyin in seinem Hinterkopf: Über die Staatsform schrieb er: die beste Regierung sei eine nationale, patriotische keineswegs tolallitäre jedoch autoritäre-zugleich erzieherische und aufweckende Diktatur....an der totallitären Form muss er aber noch etwas basteln.
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    7. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      Wie viele Menschen verschwinden in den USA ins Gefängnis? Die CIA unterhält zudem Geheimgefängnisse, etwas über 20'000 Menschen sollen dort festgehalten werden. Der Westen hat keine Legitimität, die zugegeben problematischen Seiten des Staatssystems in Russland oder irgendwo sonst zu verurteilen. Das muss den Bürgern im jew. Land überlassen werden.
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    8. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      frau wüstner, diese lektüre überlasse ich gerne ihnen oder anderen ... zu viel interessantes und weniger patriotisch-messianisches gibt es da zu lesen. die diktatur lässt sich wohl schwerlich aus ilyins werk herausextrahieren ohne, dass seinem werk etwas wesentliches verloren ginge..... doch eben, wahrscheinlich auch er ein schwieriger um mit arthur schnitzler zu reden, wie es so manche um diese zeit gab.
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    9. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      es ist auch nicht meine Leküre. Bin nur darauf eingegangen weil Sie ihn erwähnten. Ich kenne ihn, weil er auf die Hegelsche Philosophie aufbaut. Aber Putin scheint ihn zu verehren, er besuchte auch pers.sein Grab nach seiner Rückführung aus Zürich.
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