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International Putins Einfluss wirkt in der Ost-Ukraine

Glückliches Ende für die OSZE-Beobachter: Nach einwöchiger Geiselhaft kehren die Militärs wohlbehalten heim. Putin hatte zuvor einen Sondergesandten geschickt. Im Osten und Süden der Ukraine eskaliert allerdings die Gewalt.

Legende: Video Wanner: Die Fronten sind weiter verhärtet abspielen. Laufzeit 2:19 Minuten.
Vom 03.05.2014.

Nach acht Tagen Geiselhaft sind die in der Ost-Ukraine festgesetzten OSZE-Militärbeobachter wieder frei. Die Männer landeten an Bord einer deutschen Bundeswehr-Maschine in Berlin. Es habe keine Bedingungen für die Freilassung gegeben, sagte der selbsternannte Bürgermeister von Slawjansk, Wjatscheslaw Ponomarjow.

Doch so ganz freiwillig habe Ponomarjow seine Geiseln wohl doch nicht ziehen lassen, meint SRF-Korrespondent Christoph Wanner. «Vermutlich wurde in Moskau ein Machtwort gesprochen», ist er sich sicher. Erst dann hätten die pro-russischen Kräfte klein beigegeben und die sieben OSZE-Beobachter auf freien Fuss gesetzt, so Wanner.

Zu der Gruppe gehörten vier Deutsche, ein Däne, ein Pole und ein Tscheche. Ein Schwede war aus gesundheitlichen Gründen bereits zuvor freigelassen worden. Die Milizen in Slawjansk hatten auch vier ukrainische Offiziere gefangengenommen.

Die internationale Diplomatie bemühte sich in den vergangenen Tagen unter Hochdruck für eine Freilassung der Geiseln.

Moskau gibt Schwarzen Peter an Kiew ab

Die russische Regierung gab inzwischen bekannt, sie habe den Einfluss auf die Milizen im Südosten der Ukraine verloren. Russland könne die Situation nicht allein lösen, sagte ein Sprecher von Präsident Wladimir Putin.

Der Regierung in Kiew wirft der Sprecher vor, an den «Verbrechen» in Odessa direkt beteiligt gewesen zu sein. Dort waren bei einem Gebäudebrand nach Zusammenstössen über 30 Personen ums Leben gekommen.

Timoschenko besucht Odessa

In Kiew sieht man das erwartungsgemäss anders. Die ukrainische Regierung hat die frühere Führung des Landes für die Toten in Odessa verantwortlich gemacht. Von ihrem Exil in Russland aus hätten Mitarbeiter des entmachteten Präsidenten Viktor Janukowitsch die Zusammenstösse organisiert, sagte Jekaterina Kossarewa vom Geheimdienst SBU in Kiew.

Beweise zeigte der SBU nicht. Die ukrainische Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko machte Russland für die Krise im Osten der Ex-Sowjetrepublik verantwortlich. Moskau versuche einen Keil zwischen die Bevölkerung zu treiben, sagte Timoschenko bei einem Besuch in Odessa.

«Die Ukraine wird sich spalten»

Insgesamt bleibt die Lage als trotz der nun freien OSZE-Beobachter heikel. «Die Menschen sind hier voller Hass und die Fronten sind verhärtet», fasst SRF-Korrespondent Wanner seine Eindrücke aus Slawjansk zusammen.

Und auch die Vorgänge im Rest des Landes böten wenig Anlass zur Hoffnung. «Wenn jetzt keine der Seiten deeskalierend einwirkt, dann wird sich die Ukraine spalten», blickt Wanner wenig optimistisch in die Zukunft.

Burkhalter dankt Beteiligten

Der OSZE-Vorsitzende Didier Burkhalter hat allen an der Befreiung der Militärbeobachter beteiligten Staaten für ihre Bemühungen gedankt. Burkhalter war vom ukrainischen Aussenminister Andrej Deschtschiza telefonisch über die Freilassung der OSZE-Leute informiert worden.

OSZE-Mission in der Ukraine

Die OSZE unterhält mehrere Missionen in der Ukraine. Die grösste und von allen 57 OSZE-Staaten mitgetragene Operation ist die «Special Monitoring Mission». Bei den festgehaltenen OSZE-Beobachtern handelt es sich um ein «Military Verification Team». Es ist nicht offiziell von der OSZE entsandt, sondern auf Einladung der Regierung in Kiew im Land.

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27 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Koblet, Rickenbach
    Besser wenn die Timoschenko nach Miami auswandert und sich raushält aus dieser Sache. Der Einfluss von Moskau war sicherlich Voraussetzung für die Freilassung, ebenso spielt Geld, viel Geld eine Rolle, wer wieviel bezahlt? Keine Ahnung aber für Geld machen Leute wie Ponomarjow ALLES!! Diese "Seperatisten" werden gut bezahlt, von wem auch immer!? Auch die Pro-Ukraine Bewegung wird finanziert, von wem auch immer?! Ohne harte Währung läuft in der Ukraine nicht viel, so oder so!!
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    1. Antwort von E.Jakob, Zürich
      @Koblet: Nun diese Erkenntnis ist nichts neues. Aber Sie haben recht. Nur, das gilt für alle Länder. Auch für die Schweiz.
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  • Kommentar von U.E. Romer, Zuerich
    Die Ukraine ist weltweit nur einer von vielen Brennpunkten. Bereits vergessen haben wir Nordafrika, Afganistan, Zentralafrika etc. Immer das gleiche Schema: Korrupte, unfähige Regierungen, hoffnungsvolles Volk, politische Hitzköpfe mit unterschiedlichen Ansichten über Demokratie, Volksstämme und Religionen, die sich gegenseitig vernichten möchten. Der Rest der Welt schaut zu und ist macht- und hilfslos.
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    1. Antwort von A.Käser, Zürich
      U.E.Romer/Meinten Sie damit von Drogen verseuchte"Führungseliten"im Dienste grösserer Mafiaorganisationen?Ich teile Ihre Ansicht.König zum Papst:"Schau zu dass sie dumm bleiben."Papst zum König:"Schau zu,dass sie arm bleiben."Da haben doch sowohl König wie auch Papst ihre Ziele bestens erreicht.Sie können sich getrost einen Bonus"ausschütten".Sie haben es immerhin gut gemeint und dazu erst noch die"volle Verantwortung"übernommen.Hauptsache die devoten"Schäfchen"und"Kühe"grasen schön weiter.
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  • Kommentar von m.mitulla, wil
    Ich finde die Lage in der Ostukraine ist unübersichtlich und menschenverachtend. Die Militärbeobachter aus OSZE Ländern waren nur von der Übergangsregierung und vom "Westen", also bilateral eingesetzt gewesen. Da diese Übergangsregierung aber im Osten des Landes nie akzeptiert war und es vermutlich auch in Zukunft nicht sein wird, hatten sich die Separatisten dagegen gestellt. Dieser Bürgerkrieg hat mindestens zwei Aggressoren und dazwischen ist die ganz normale Bevölkerung, die den Preis zahlt!
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