Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Inhalt

International Putins neue Freunde

Der Feind meines Feindes ist mein Freund – nach diesem Credo scheint momentan die russische Aussenpolitik zu funktionieren. Neben Ungarn und Griechenland umgarnt der Kreml aktuell auch Nordkorea. Alles nur Provokationen ohne ernsten Hintergrund? Jein, meint der Experte.

Gestern Ungarn, heute Griechenland, morgen Nordkorea? So sieht derzeit der russische Fahrplan bei der Neuordnung der diplomatischen Beziehungen aus.

Aktuell umgarnt der Kreml vor allem Griechenland. Noch letzte Woche bot Moskau Hilfe bei der Zahlung der Schulden an. Nachdem die neue Regierung mit dem Angebot eine Weile kokettiert hatte, kam gestern allerdings das Dementi aus Athen. Man werde nur mit den europäischen Partnern verhandeln.

Auch wenn dem tatsächlich so sein sollte, erste Spuren hat Putins Charmeoffensive bei Regierungschef Tsipras schon hinterlassen. Dass die jüngsten Sanktionen gegen Russland äusserst milde ausfielen, hing auch mit dem angedrohten Veto aus Athen zusammen. Weitere Sanktionen seien kontraproduktiv, so der offizielle Tenor.

Ungarns Energie hängt am russischen Tropf

Mit dieser Meinung stand und steht Athen allerdings nicht alleine da. Einer der wichtigsten pro-russischen Fürsprecher innerhalb der EU, ist Ungarns Staatschef Viktor Orban. Immer wieder hatte er im Vorfeld die Sanktionen der EU kritisiert. Die EU habe sich damit bisher nur «ins eigene Bein geschossen».

Orbans Worte kommen nicht von ungefähr. Wie Putin ist auch der Ungar ganz offen kein Freund der liberalen Demokratie. Hinzu kommen neuerdings aber auch wirtschaftliche Verflechtungen – vor allem im Energiebereich.

So bezieht Ungarn 80 Prozent seines Gases aus Russland. Zudem sollen im ungarischen Paks zwei neue Reaktoren gebaut werden – finanziert vom russischen Atomkonzern Rosatom, unterstützt mit einem Kredit aus Russland.

Keine Lösung der Sicherheitsfragen ohne Moskau

Zu Griechenland und Ungarn gesellt sich neuerdings auch Nordkorea – ausgerechnet Nordkorea. Am 9. Mai ist es so weit. Dann darf Kim Jong-Un an den Siegesfeierlichkeiten zum 70. Jahrestag des Ende des Zweiten Weltkriegs in Moskau teilnehmen.

Dass Nordkorea nach dem Strohhalm greift, erscheint verständlich. Warum allerdings Putin sein ohnehin ramponiertes Image der Gefahr weiterer Dellen aussetzt, erschliesst sich dem Laien bestenfalls auf den zweiten Blick. Für den Experten hingegen ist klar: «Da haben sich zwei Outcasts (Ausgestossene) der Weltpolitik gefunden», so Hanns Hilpert.

Der Nordkorea-Experte von der Berliner Stiftung für Wirtschaft und Politik ist sich sicher, dass beide Seiten von der Zusammenarbeit profitieren. «Russland will in Nordasien im Spiel bleiben und den anderen Ländern zeigen: Ihr könnt die Sicherheitsfragen der Region nicht ohne uns lösen.»

Pjöngjang winkt Anerkennung

Auch für Nordkorea läuft es derzeit auf diplomatischer Ebene alles andere als rund. Die Beziehungen zu China haben sich dramatisch verschlechtert. Seitdem befinden sich nicht nur die diplomatischen Beziehungen auf dem absteigenden Ast.

Auch die «wirtschaftlichen Projekte entwickeln sich nicht mehr so gut und so ist Nordkorea gezwungen, seine Beziehungen zu diversifizieren – vorerst jedoch mit wenig Erfolg». Denn sowohl Südkorea als auch Japan seien auf Kims Kontaktversuche bisher nicht eingegangen.

«Die nun anstehende Auslandsreise nach Moskau wäre für Kim Jong-Un der erste Schritt in die internationale Diplomatie und ein Erfolg auf aussenpolitischem Parkett.»

Möglichkeiten der Einflussnahme in Asien steigen

«Ungarn und Griechenland sind kurzfristige Projekte Putins, die nur den einen Zweck haben, nämlich die EU zu spalten», sagt Hilpert. Die neue Ausrichtung Moskaus in Richtung Asien dagegen habe eine andere Dimension. «Sie ist nicht kurzfristig, sondern auf einen längeren Zeithorizont ausgerichtet.»

Das wirtschaftliche Schwergewicht der Welt verlagere sich schon seit geraumer Zeit nach Asien. Vor diesem Hintergrund mache die diplomatische Neuausrichtung Moskaus durchaus Sinn. «Der kürzlich mit China geschlossene Erdgasdeal ist diesbezüglich mehr als ein deutlicher Fingerzeig.»

Käme künftig mit Nordkorea noch ein weiterer – Moskau wohlgesonnener Player – ins Spiel, würden sich die russischen Einflussmöglichkeiten in Nordasien noch einmal vergrössern, so Hilpert.

Hanns Hilpert

Hanns Hilpert

Der Doktor der Politikwissenschaften arbeitete nach seinem Studium an Instituten in Tokio und München. Seit 2002 ist er für die Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik tätig. Hier leitet er unter anderem die Forschungsgruppe Asien. Der Schwerpunkt seiner Arbeiten liegt auf Nordkorea sowie den Wirtschaftsbeziehungen zwischen Europa und Ostasien.

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

72 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    Ohne Donbass gibt es keine IWF Milliarden, das wissen alle seit Monaten. Deshalb hatte die ukrainische Regierung auch nie einen echten Friedenswillen, ausser der Donbass kapituliert bedingungslos. Das ganze Verhandeln und telefonieren ist nur noch Hinhaltetaktik um das Gesicht zu wahren und die Armee auf vordermann zu bringen. Alle Seiten haben sich neu positioniert. Das Ergebnis steht ohnehin fest, ausser Westeuropa will noch zum Hauptaustragungsort des WorldWar III werden.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Hans Weiler, St. Gallen
    Wenn es den Hütern der einzigen Weltordung gefällt, Russland aufgrund nachweislich gelogener Behauptungen (russ. Truppen in der Ukraine, was vom Generalstabschef, General Viktor Muzhenko, selber offiziell verneint wird) international mit Wirtschaftssanktionen zu belegen, dann würde ich mich als Russe auch schleunigst nach verlässlicheren Partnern umsehen. Die despektierliche Art der Beschreibung der "neuen Freunde" zeugt exakt vom arroganten Geist der Lügner.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von M. Pestalozzi, Zürich
      Na dann, viel Glück bei der Suche nach aufrichtigen, senkrechten, nicht lügenden Partnern. Gottseidank kann Russland aus eigener Kraft in den Weltraum vorstossen. Putin oder Lawrow auf eine Mars-Mission schiessen? Vielleicht keine schlechte Idee.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Nun, sich mittlerweile ja auch die Amerikaner mit ehemaligen Feinden verbünden, zeigt uns ja auch einen arroganten Geist von Lügnern. Russland mag ein polternder Bär sein, aber die falsche Schlange ist Amerika. Und wer hat die Menschen im Buch aller Bücher aus dem Paradies verstossen & damit Gewalt, Krankheiten, Tod usw. über die Menschheit gebracht? Die Schlange war es, indem sie die erste Frau im Paradies verführte! Betreffend Ukraine Konflikt sind also Parallelen durchaus da.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von N.Belg, Luzern
    EUSA sind Kriegsverbrecher, haben den Konflikt in der Ukraine angezettelt. Und Teil von Europa langsam, aber sicher erwacht, Europa braucht in ihre Politik Change, das kann nicht so weiter gehen, Heuchlerei, Doppelstandarte, Zynismus, Arroganz, Menschenrechts Verletzung.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      ....vielleicht sollten wir uns auch mit Kim Jong-Un anfreunden :-)
      Ablehnen den Kommentar ablehnen