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International Rätsel um Todesursache von 36 Gefangenen in Ägypten

Dutzende inhaftierte Islamisten kamen am Sonntag ums Leben. War es ein Fluchtversuch oder ein tragisches Unglück? Gleichzeitig bekräftigen die Machthaber ihr kompromissloses Vorgehen gegen Muslimbrüder – trotz internationalen Warnungen.

Sicherheits- und Justizkreisen zufolge sind 36 inhaftierte Unterstützer der Muslimbrüder ums Leben gekommen. Allerdings gab es unterschiedliche Versionen dazu, wie die Personen gestorben sind.

Häftlinge erstickt?

Das Innenministerium erklärte, dass mehrere Insassen versuchten, aus einem Gefangenentransport nahe Kairo zu entkommen.

Einige der Gefangenen hätten einen Polizisten überwältigt und ausbrechen wollen. Laut der Nachrichtenagentur Mena wurde der Transport von unbekannten Bewaffneten angegriffen, die den Gefangenen zu Hilfe kommen wollten. Bei den anschliessenden Kämpfen seien Menschen durch das Einatmen von Tränengas gestorben.

Eine Person aus dem Umfeld der Justiz sagte der Nachrichtenagentur Reuters hingegen, die Islamisten seien auf dem Weg zum Gefängnis in einem überfüllten Transportfahrzeug der Polizei erstickt.

Die Muslim-Bruderschaft des vom Militär gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi sprach von Mord an insgesamt 52 Gefangenen und machte die Behörden dafür verantwortlich.

Legende: Video Armeeführer zur Lage in Ägypten abspielen. Laufzeit 01:44 Minuten.
Aus Tagesschau Spätausgabe Wochenende vom 18.08.2013.

Armee kompromisslos

Zuvor hatte Armeechef Abdel Fattah al-Sisi klar gemacht, dass das Militär weiterhin hart gegen «gewaltbereite Islamisten» vorgehen wolle. «Wir werden niemals schweigend der Zerstörung des Landes zusehen», sagte er weiter. Die Muslimbrüder sollten ihren Protest aufgeben und sich wieder am politischen Prozess beteiligen.

Die Regierung verbot derweil bewaffnete Bürgerwehren, die sich vor allem in den Quartieren Kairos gebildet hatten und gegen Mursi-Anhänger vorgegangen waren. Diese «Volkskomitees» seien für illegale Handlungen benutzt worden, teilte das Innenministerium mit.

Versöhnliche Töne eher selten

In Ägyptens Regierung gibt es noch immer einzelne Stimmen, die nach dem Tod Hunderter Mursi-Anhänger versöhnliche Töne anklingen lassen. Vize-Ministerpräsident Siad Bahaa Al-Din forderte die sofortige Aufhebung des Notstandes. Alle Parteien sollten für eine Konfliktlösung einbezogen und die Menschenrechte geachtet werden.

Es war unklar, wie viel Unterstützung der liberale Politiker im Kabinett für seinen Vorstoss finden wird. Im Gegensatz zum gleichfalls liberalen Vizepräsidenten Mohamed El-Baradei war Bahaa al-Din nach der Zwangsräumung der Protestcamps von vergangener Woche im Amt geblieben.

Merkel: Waffenexport-Stopp

Angesichts der anhaltenden Gewalt in Ägypten hält die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel einen Stopp der Rüstungsexporte nach Ägypten für ein geeignetes Druckmittel.

Legende: Video Merkel zu Rüstungsexporten nach Ägypten abspielen. Laufzeit 00:52 Minuten.
Aus Tagesschau Spätausgabe Wochenende vom 18.08.2013.

Die Situation in Ägypten sei «ausserordentlich brisant, auch besorgniserregend». Rüstungsexporte könnten «Gegenstand von Massnahmen sein, mit denen man deutlich macht, wir sind sehr skeptisch gegenüber dem, was in Ägypten im Augenblick vorgeht», sagte Merkel am Sonntag im ZDF-«Sommerinterview».

Warnung vor politischem Druck

Saudi-Arabien hat den Westen dagegen vor politischem Druck auf die vom Militär gestützte Regierung in Ägypten wegen der blutigen Zusammenstösse mit den Anhängern des abgesetzten islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi gewarnt.

«Wir erreichen nichts durch Drohungen», sagte der saudi-arabische Aussenminister Prinz Saud al-Faisal während eines Besuchs in Paris. Zuvor hatte sich Al-Faisal mit dem französischen Präsidenten Francois Hollande getroffen.

Protestmärsche abgesagt

Die Mursi nahestehenden Muslimbrüder riefen nach den schweren Zusammenstössen am Freitag zu einer Woche des Protestes auf. Mehrere für Sonntag geplante Protestmärsche in Kairo sagten sie aber aus «Sicherheitsgründen» ab. Auf den Dächern der umliegenden Häuser seien «Schläger und Scharfschützen» gesichtet worden, hiess es zur Begründung.

Das gewaltsame Vorgehen der Sicherheitskräfte wurde international verurteilt. Ägyptens Aussenminister Nabil Fahmi rechtfertigte in einem Interview mit dem «Spiegel» jedoch die umstrittene Räumung der Lager, bei der rund 800 Personen getötet wurden.

Amnesty: Wahllos getötet

Den Muslimbrüdern sei genug Zeit gegeben worden um einzulenken. Durch die Räumung sei offensichtlich geworden, dass sie daran kein Interesse hätten. «Wir fanden Waffenlager und Munition. Die Muslimbrüder suchten die Konfrontation», sagte Fahmi.

Amnesty International hingegen sieht die Hauptschuld an den vielen Toten bei den Sicherheitskräften. Sie hätten wahllos getötet und offensichtlich keinen Unterschied gemacht zwischen gewalttätigen und gewaltlosen Demonstranten. Auch unbeteiligte Zuschauer seien getroffen worden.

US-Hilfen aussetzen

Angesichts anhaltender Gewalt fordern immer mehr US-Abgeordnete, dass die Militär- und Wirtschaftshilfe in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar für das Land ausgesetzt werden sollte. Die USA sollten die Gelder einbehalten, so der republikanische Senator John McCain. Auch die republikanische Senatorin Kelly Ayotte plädierte für eine Aussetzung.

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37 Kommentare

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  • Kommentar von M.Bracher, Bern
    @Albert Planta In Deutschland gewann vor 80 Jahren die National-SOZIALISTISCHE Deutsche Arbeiterpartei. Der grösste Teil der Leute wissen dies auch noch heutzutage, bis auf solche mit SP-Ideologie! 18:16 19.8.13 2.Versuch http://www.srf.ch/news/international/raetsel-um-todesursache-von-36-gefangenen-in-aegypten#main-comments
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    1. Antwort von Albert Planta, Chur
      Für Unbedarfte wäre es natürlich zu verlockend, den Faschismus den Linken in die Schuhe schieben zu können. Tatsache ist, die NSDAP wurde von der Wirtschaft unterstützt und die SPD wurde verboten.
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    2. Antwort von M.Bracher, Bern
      Interessant, da ist offenbar die Zensurbehörde wieder mal an der arbeit gewesen! Achille Casanova wird sich freuen!
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  • Kommentar von Urs Schmidlin, Riehen
    20Minuten berichtet unter dem Titel: “Überfälle auf Christen - Dutzende Kirchen in Ägypten niedergebrannt“ u.a. auch folgendes: „Fast 40 christliche Kirchen wurden in Ägypten geplündert und niedergebrannt, seit Sicherheitskräfte am Mittwoch mit Gewalt die Protestlager von Anhängern des gestürzten islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi räumten und blutige Unruhen ausbrachen. 23 weitere Gotteshäuser wurden angegriffen und schwer beschädigt. Mindestens zwei Christen sollen getötet worden sein“.
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    1. Antwort von SRF News Online
      Es werden nicht nur Kirchen geplündert – durch die Unruhen sind Kulturgüter in Gefahr. Wir haben dazu gestern folgenden Artikel http://www.srf.ch/news/international/die-schaetze-aus-dem-alten-aegypten-sind-in-gefahr gemacht. Viel Spass beim lesen. ^sw
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    2. Antwort von Urs Schmidlin, Riehen
      @SRF News Online Ich habe Ihre Artikel gelesen. Ja, es werden auch Kulturgüter usw. geplündert. Auch darüber berichten die Medien im In - und Ausland seit Tagen. Tagesspiegel, Berlin; "Kulturgüter in Ägypten: Sorge um Plünderungen" Focus: „Unruhen: Wissenschaftler sieht Kulturgüter in Ägypten gefährdet usw.
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  • Kommentar von Franz NANNI, Nelspruit SA
    Die Mehrheit des Volkes will keine Diktatur des Islams, notabene eines Islams der aehnlich dem "Alten Testament" auf altmodischen und oft unverstaendlichen, fuer JEDEN nach seinem Gusto interpretierbaren Phrasen besteht. Man will keine Scharia, will frei sein in seiner persoenlichen Entscheidung ohne Einmischung irgendwelcher fanatischer Religionisten. KEINE Relgion der Welt sollte das Recht haben, ueber Menschen Macht auszuueben, weder mit Worten noch mit Taten.
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    1. Antwort von Tamer Aboalenin, Bern
      Von welcher Mehrheit reden Sie? Die Islamisten kamen überall mit deutlicher Mehrheit durch freie Wahlen an die Macht. Die Religion war, ist und bleibt ein Bestandteil des Lebens (sowohl in der Politik als auch in der Gesellschaft) in den islamischen Ländern.
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    2. Antwort von Franz Nanni, Nelspruit SA
      Ja Mr Tamer... Sie schreiben es... Die Religion war, ist und bleibt ein Bestandteil des Lebens (sowohl in der Politik als auch in der Gesellschaft) in den islamischen Ländern. DAS ist das Problem! Die Mehrheit des Volkes IST Islam... will aber keine Diktatur dieses Islams.. gschpuersch de Unterschied>>>!
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    3. Antwort von Albert Planta, Chur
      Die Mehrheit des Volkes wollte keinen Mubarak mehr, und damit keine Vetter- und Günstlingswirtschaft und keine Korruption. Ägypten ist nun mal ein islamisches Land, darüber können auch Religionskritiker nicht hinwegsehen.
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    4. Antwort von christian strahm, aarau
      Soviel ich weiss, gibt man die Kirchensteuer auch auf der offiziellen schweizer Steuererklärung an; dass man also Fragen der Religion auch in offiziellen Organen wieder findet, ist nichts Ungewöhnliches. Trotzdem haben wir individuelle Freiheit und reden auch nicht gleich von einer christlichen Diktatur.
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