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International Räumung von Idomeni: «Die Leute wissen nicht, was sie erwartet»

Die Route über den Balkan ist für Flüchtlinge geschlossen. Trotzdem harrten bis heute tausende an der griechisch-mazedonischen Grenze aus. In der Hoffnung, doch noch passieren zu können. Wie die griechische Polizei das Lager räumt, hat die Korrespondentin der ARD beobachtet.

SRF News: Wie muss man sich die Räumung in Idomeni vorstellen?

Karin Senz: Es ist so, dass heute Morgen die Polizei busweise in dieses Lager gekommen ist. Es waren sehr viele Einsatzfahrzeuge da. Bei Tagesanbruch sind sie dann ins Camp reingegangen. Es waren über 1000 Polizisten, die von Zelt zu Zelt gegangen sind. Sie haben die Flüchtlinge angesprochen und haben versucht, sie zu überzeugen, dass sie in einem anderen Lager besser aufgehoben sind, in einem der Auffanglager, die die Regierung eingerichtet hat.

Anscheinend hatten sie damit auch Erfolg, denn es gibt immer wieder Busse mit Menschen, die das Camp verlassen. Teilweise lachen die Kinder und winken uns zu, aber wir sehen auch sehr besorgte Mienen. Die Leute wissen nicht, was sie in den Auffanglagern der Regierung erwartet.

Man hört, es seien nur griechische Medien in das Lager eingelassen worden, weshalb?

Das weiss ich auch nicht so genau. Ich gehe davon aus, dass man keine Fotos haben möchte, wenn es zu Ausschreitungen kommt. Heute gibt es diese Bilder aber noch nicht. Was wir hören, läuft alles friedlich ab. Wir sind etwa zwei Kilometer entfernt. Wenn ich hinter mich blicke, sehe ich ein etwas grösseres Polizeiaufgebot, denn Aktivisten haben Transparente entrollt, auf denen sie Freiheit und ein Ende der Menschenrechtsverletzungen in Idomeni fordern. Die Polizei versucht jetzt, diese Aktivisten dazu zu bewegen, dass sie die Transparente wieder einrollen. Und wenn sie das nicht friedlich tun, könnte das heute tatsächlich der erste unruhige Moment sein in Idomeni.

Diese Menschen werden jetzt in diese neuen Camps gebracht. Es soll ja auch in diesen zum Beispiel keine Toiletten geben?

In den Lagern der Regierung gab es fliessendes Wasser und es gab warmes Essen.

Ich habe von diesen Camps nur eines gesehen, das war hier ganz in der Nähe auf einem stillgelegten Flugplatz. Da gab es tatsächlich keine Betten. Ob es Toiletten gab, weiss ich nicht. Aber es gab fliessendes Wasser und es gab warmes Essen. Natürlich kann man die Situation in diesen Auffanglagern nicht zum Beispiel mit deutschen Verhältnissen vergleichen. Flüchtlingsorganisationen sagen, dass es teilweise schlimmer sei als in Idomeni, aber wenn man die Zustände in Idomeni kennt, kann ich mir das sehr schwer vorstellen. Denn da haben die Menschen zum Teil über Wochen und Monate im Matsch gelebt, bei Regen und Kälte.

Die Menschen werden jetzt umgesiedelt. Was geschieht dann mit ihnen?

Sie werden erstmal erfasst und können wohl Asylanträge stellen. Aber das ist die grosse Frage, was wird mit diesen Menschen passieren? Auch die Hilfsorganisationen können nichts Verlässliches sagen. Es wird sich erst in den nächsten Tagen und Wochen klären.

Karin Senz

Karin Senz ist Auslandkorrespondentin der ARD. Sie ist zur Zeit in Idomeni und berichtet über das Leben der Flüchtlinge.

Räumung geht weiter

Die Räumung des Lagers in Idomeni ist am Mittwoch bei Tagesanbruch weitergegangen. Am Dienstag waren insgesamt 2031 der rund 9000 Flüchtlinge und Migranten in staatliche Auffanglager weggebracht worden. Nach Polizeiangaben verläuft die Aktion bisher problemlos.

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Michael Haab (Haab)
    Ich wünsche allen den Geflüchteten, dass sie bald Ruhe finden können und nicht mehr politisch Instrumentalisiert werden. Seit Jahren zettelt Amerika, Europa und Russland unter heuchlerischen Motiven Kriege im Nahen Osten an und zerstört das Leben vieler Menschen: Familie, Häuser, Infrastruktur, Landwirtschaft, das Gute... Vergleichsweise wenige kommen nach Europa und werden auch hier rumgeschoben, da Europa für ihre Missetaten nicht gerade stehen möchte.
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