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International Raketenabwehr der Nato: Ein Zankapfel mehr mit Russland

Ist zurzeit von den Spannungen zwischen Russland und dem Westen die Rede, geht es meist um die Ukraine-Krise. Doch auch ein anderer Konflikt, nämlich jener um die Raketenabwehr, ist vor allem aus Moskauer Sicht längst nicht ausgestanden. Das Risiko ist gross, dass er bald wieder hochkocht.

Für die Nato ist alles klar: Europa muss sich mit einem Raketenabwehrschirm gegen mögliche Raketenangriffe aus dem Iran und möglicherweise auch vom sogenannten Islamischen Staat schützen.

Aus russischer Sicht ist ebenfalls alles klar: Der westliche Schutzschirm richtet sich nicht gegen iranische, sondern gegen russische Raketen. Deshalb möchte Moskau eine Nato-Raketenabwehr unbedingt verhindern.

Mühsame Zusammenarbeit zu Ende

Auf dem Nato-Russland-Gipfel 2010 in Lissabon konnte man den Streit etwas entschärfen, indem man begann, in der Raketenabwehr ein bisschen zusammenzuarbeiten. Doch diese Kooperation war äusserst mühsam, sagte erstaunlich unverblümt Roberto Zadra, der Nato-Raketenabwehrchef, bei einem Auftritt am ETH-Zentrum für Sicherheitsstudien: «Das war schon schwierig, das war sogar verdammt schwierig.»

Nun hat Russland die Zusammenarbeit sogar ganz beendet. Es gibt also jetzt auf diesem extrem sensiblen Feld keinerlei regelmässigen Dialog, keinerlei Konsultationen mehr. Die Spannungen mit Moskau bei der Raketenabwehr dürften daher sogar noch zunehmen, fürchtet Zadra: «Wir rechnen im kommenden Jahr mit extrem schwierigen Diskussionen über dieses Thema und das Verhältnis zu Russland in dieser Frage.»

Stationierung von US-Truppen

Denn der Aufbau der Nato-Raketenabwehr kommt voran, wenn auch langsam. 2015 soll eine Basis in Rumänien operativ sein, 2018 eine weitere in Polen. Für die beiden Länder hat das den willkommenen Nebeneffekt, dass damit permanent US-Truppen auf ihrem Territorium stationiert sein werden. Das wiederum erbost Russland.

Es ist ein zusätzlicher Konflikt, neben jenem in der Ukraine. Ein Konflikt um etwas, was der Nato vielleicht gar nicht viel bringt. Denn dass Abwehrraketen wirklich rundum schützen, bezweifelt sogar der Nato-Mann.

Bisherige Tests verliefen mässig überzeugend, sagt Zadra: «Wenn man sich so ein bisschen die Geschichte der amerikanischen Tests mit Abwehrraketen anschaut, so muss man zumindest feststellen, dass es da ziemlich gehapert hat.»

Offen ist deshalb, ob ein Raketenabwehrschirm vor Raketen eines Landes, das davon nur wenige und kaum wirklich effiziente besitzt, einigermassen zu schützen vermag. Gegen ein riesiges und modernes Arsenal wie das russische wäre er ziemlich nutzlos.

47 Kommentare

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  • Kommentar von Christa Wüstner, Reinach
    Ein Auspruch aus dem braven Soldaten Schwejk , den sicher viele kennen: Als Schwejk zu seinem Vorgesetzten sagt " Es ist zum kotzen Herr Major, die ganze Front steht schief " Bei uns steht jetzt alles schief !
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  • Kommentar von H. Bernoulli, Zürich
    Nun sollte aber auch jedem ein Licht aufgehen "Gastbeitrag Dr. Ron Paul: Rücksichtsloser US-Kongress hat Russland gerade den Krieg erklärt". Wer dies liest, weiss warum man vor den USA nicht genug warnen kann. Immer mehr Menschen müssen gegen diese unverblümt daherkommende Kriegstreiberei aufwachen. Die USA wollen einen Krieg gegen Russland, das steht fest. Es wird noch an einer Begründung und Überzeugung der Massen gearbeitet. Es ist schwer zu fassen... Westliche, christliche Werte???
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    1. Antwort von Bendicht Häberli, Burgdorf
      Herr Bernoulli, jetzt übertreiben Sie aber wie ein Verblendeter: "Die USA wollen einen Krieg gegen Russland, ..."?. Was wollen die USA mit dem Riesenreich? Es geht rein darum, die Demokratisierung der Welt voranzutreiben und den totalitären Systemen auf dieser Welt Einhalt zu gebieten. Es waren immer Einzelpersonen, die Krieg machten oder Hororsysteme installierten: Napoleon,Hitler,Stahlin,Mussolini,Franco, Pinochet, Hussein,Gaddhafi, Assad usw. Putin??? und was kommt danach in RU???
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    2. Antwort von S. Meier, Adliswil
      @Bendicht Häberli: Seit wann muss man Demokratisierungsprozesse mit Raketenabwehr vorantreiben? Der ganze Konflikt entstand eben gerade wegen den Plänen zu diesem Abwehrsystem. Die USA ist sehr wohl daran interessiert in Russland wieder jemanden zu installieren wie Jelzin, der das Land ausverkauft und die Gelder wieder in die USA fliessen.
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    3. Antwort von C. Sigrist, Bern
      "..Es geht rein darum, die Demokratisierung der Welt voranzutreiben.." ja genau.Es geht um Demokratie. Es geht nicht um Geopolitik.Deshalb sitzt ja auch der Sohn des amtierenden Vizepräsidenten seit dem 12. Mai im Verwaltungsrat des grössten privaten Gasproduzenten in der Ukraine(wikipedia).Und US-NGO's haben auch ohne Grund seit 1991 5mrd dollar in der Ukraine investiert(Victoria Nuland,22.4.14)."Die Ukraine, ein neues und wichtiges Feld auf dem eurasischen Schachbrett"(Zbigniew Brzeziński) ;-)
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    4. Antwort von Bendicht Häberli, Burgdorf
      @Sigrist: Aber Herr Sigrist, Sie wollen mir nicht weismachen, dass Sie nicht wissen, dass nach dem Zerfall des Sozialmus der Kapitalismus auf dem Vormarsch ist. Und bekanntlich funktioniert der Kapitalismus nur in Demokratien EINIGERMASSEN SOZIAL. Dass schlussendlich ein sozialer Kapitalismus daraus geboren würde ist das ENDZIEL. Um dies zu erreichen, muss man sich halt vor totalitären Staaten mit Waffen schützen und in diesem Fall sind es eben Raketen-Abwehrsysteme.
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    5. Antwort von Christa Wüstner, Reinach
      Herr Häberli, erklären Sie uns doch mal bitte, was ein sozialer Kapitalismus ist, und wieso funktioniert Kapitalismus nur in Demokratien. Kapitalismus ist auch kein soziales System
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    6. Antwort von Bendicht Häberli, Burgdorf
      @Wüstner: Liebe Frau Wüstner, meine Interpretation: Sozialismus=Alles gehört Allen. Kapitalismus: Das Kapital (Geld) und Eigenbesitz sind die treibende Kraft zum Leistungsansporn. Der soziale Kapitalismus ist etwas dazwischen. Da dies auch bei uns in der Schweiz noch nicht funktioniert (die 300 Reichsten besitzen aktuell ca. 590 Mia CHF). Dies ist nicht sozial. Die Zeit wird kommen, wo der Staat hier regulierend einwirken wird. Dann haben wir einen SOZIALEN KAPITALISMUS.
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    7. Antwort von Christa Wüstner, Reinach
      Herr Häberli, den Ansatz im Sozialismus kann ich nur zustimmen. Aber wir .mussten auch zur Kenntnis nehmen, es gibt keine klassenlose Gesellschaft. Es war eine Ideologie von Marx und Engels. Somit wird es auch keinen sozialen Kapitalismus geben. Diese Gesellschaftsform ist eine Utopie.
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    8. Antwort von Bendicht Häberli, Burgdorf
      @Wüstner:Für mich ist dies KEINE Utopie Frau Wüstner. Aber eins nach dem andern. Das ist wie bei der Maslow-Pyramide: Zuerst muss das Fundament geschaffen werden, das Aufbauen von Demokratien. Die Schweiz wurde auch nicht in 100 Jahren erschaffen. Es braucht eben Zeit. Aber vorerst müssen die Diktaturen weg. Und das geht eben nur durch Kräfte von Innen (Revolution) mit Unterstützung der bestehenden Demokratien. Bildung/Wissensaufbau der Menschen ist das Wichtigste und dann die Geduld!!
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    9. Antwort von Christa wüstner, Reinach
      Herr Häberli, ich las erst jetzt Ihre Antwort. Ich glaube das sind unerfüllbare Idealvorstellungen. Es ist zu spät um diese Fundamente errichten zu können, Vielleicht versuchen es spätere Generationen nochmals.Aber es ist schon ein Schritt wenn man selbst mit diesen Werten lebt.
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  • Kommentar von Stanic Drago, Delemont
    Eine Theorie. In Bosnien gibt's Republika Srpska. Ihre Presidänten Dodik hat dieses Jahr 3 mal Putin getroffen. Was wenn, Republika Srpska erlaubt Stationierung Russische Truppe auf ihren Teritorium? Oder vielleicht eine Raketten Basis? RS werde dadurch ihre Zukunft sichern. Bosnier werden sich nie wagen RS anzugreifen, egal was ihnen USA dabei verspricht. Nicht ganz unmöglich. Öl Rafinerie in Bosanski Brod haben Russen schon gekauft, und haben Interessen viel mehr investieren.
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