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Reaktion auf US-Strafzölle Weltweite Kritik für Trumps Handelspolitik

Von China bis Brasilien wird der US-Präsident für seinen Protektionismus getadelt – die EU droht mit Gegenmassnahmen.

Legende: Video Die Welt protestiert über Trumps Zoll-Ankündigung abspielen. Laufzeit 03:01 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 02.03.2018.

Juncker will Vergeltung: Auf die angekündigten Strafzölle auf Stahl- und Aluminium-Importe durch die USA werde man «angemessen reagieren», sagte Jean-Claude Juncker am Donnerstag-Abend in Brüssel. Der EU-Kommissionspräsident will noch in den kommenden Tagen einen Vorschlag ausarbeiten lassen, wie im Einklang mit den Regeln der Welthandelsorganisation WTO zurückgeschlagen werden könnte. Es gehe nicht an, dass Trumps Strafzölle europäische Arbeitsplätze gefährden. EU-Experten arbeiten seit Monaten an einer Liste mit US-Produkten, die als Reaktion auf Abschottungsmassnahmen mit zusätzlichen Zöllen belegt werden könnten. Es droht ein amerikanisch-europäischer Handelskonflikt.

Juncker
Legende: «Die EU wird entschieden und angemessen reagieren, um ihre Interessen zu verteidigen»: Jean-Claude Juncker am Abend in Brüssel. Keystone

Harte Kante zeigen Deutschland und Österreich: Berlin stützt Juncker in seiner entschiedenen Reaktion - so viel geht aus einer ersten Stellungnahme des Bundesaussenministers Sigmar Gabriel hervor. Gabriel zeigt sich gegenüber deutschen Medien besorgt ob den Ankündigungen des US-Präsidenten und hofft, dass dieser seine Entscheidung überdenke. Auch der österreichische Bundeskanzler Kurz will «harte Gegenmassnahmen». Europa müsse eine «selbstbewusste Rolle einnehmen», sagte der konservative österreichische Staatschef weiter. Deutschland und Österreich fürchten die negativen Auswirkungen des US-Protektionismus, möchten aber offenbar gegenüber Washington harte Kante beweisen.

Mann schaut
Legende: Gabriel sieht die deutsche Exportwirtschaft durch die US-Strafzölle in Gefahr. Getty Images

Unverständnis der grössten US-Stahlimporteure: Brasilien ist der zweit-, Kanada der wichtigste Stahlimporteur der USA. Beide Regierungen reagieren besorgt über die Ankündigungen Trumps. Die kanadische Aussenministerin Chrystia Freeland bezeichnete die Ankündigung Trumps, Strafzölle auf Stahlimporte von 25 Prozent zu erheben, als «absolut inakzeptabel». Kanada und Brasilien schliessen Gegenmassnahmen beide nicht aus. Auch der Nachbar im Süden, Mexiko, immerhin viertwichtigster Stahlimporteur der USA, pocht auf sofortige Gegenmassnahmen, sollte Trump seinen Ankündigungen Taten folgen lassen.

Fabrik
Legende: Ein kanadisches Stahlwerk an der Grenze zur USA. Reuters

China sieht offenen Welthandel in Gefahr: Auch China, der grösste Stahlproduzent weltweit, hat Trumps Zoll-Pläne scharf kritisiert. Eine Sprecherin des Aussenministeriums mahnte die USA, sich mit protektionistischen Massnahmen besser zurückzuhalten und stattdessen «positive Beiträge» zum Welthandel zu leisten. Würden solche Abwehrmassnahmen Schule machen, hätte das schwerwiegende Konsequenzen für den Welthandel, heisst es aus Peking. Eine chinesische Regierungssprecherin sagte zudem in Richtung USA, dass die amerikanische Regierung mit den angekündigten Handelsbeschränkungen den Wohlstand der eigenen Bürger aufs Spiel setze. Regierungsnahe chinesische Wirtschaftswissenschaftler beschwören derweil vermehrt eine goldene Zukunft für den Handel zwischen China und der EU.

Stahlschiffe
Legende: Die chinesische Stahlindustrie ist stark durch die eigene Regierung subventioniert. Getty Images

Asiatische Börsen reagieren besorgt: Die Sorge um den Handelsstreit mit den USA drückt auf die Stimmung der Anleger. Neben den ohnehin schlechten Vorgaben aus den USA vom Vortag führte die Ankündigung Trumps zu weiter sinkenden Kursen an den asiatischen Aktienmärkten. In Hongkong schloss die Börse am Freitag bei über zwei Prozent im Minus - das schlechteste Ergebnis seit Wochen. In Tokio sackte der Nikkei um 2.5 Prozent ab - über die Woche summiert sich so ein Minus von 3 Prozent. Der breiter gefasste Topix gab 2,2 Prozent auf 1701 Zähler nach. Insbesondere Aktien von Stahlfirmen, Aluminiumkonzernen und Autobauern standen auf den Verkaufszetteln der Händler. Unter die Räder kamen beispielsweise Toyota-Aktien mit einem Abschlag von 2,6 Prozent oder Honda mit einem Minus von 3,9 Prozent.

Legende: Video Joseph Francois sieht keinen Handelskrieg abspielen. Laufzeit 01:25 Minuten.
Aus Tagesschau vom 02.03.2018.

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45 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Wieser (Walt)
    Seit 1975 hat die USA ein Handelsbilanzdefizit mit allen Handelspartner ueber sich ergehen lassen muessen. So gesehen hat die USA nichts zu verlieren, wir koennen nur noch gewinnen. Es wurde auch Zeit das ein Praesident endlich mal was unternimmt. Das der Rest der Welt davon nicht begeistert ist war wohl zu erwarten.
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    1. Antwort von Marcel Chauvet (xyzz)
      Das Handelsbilanzdefizit der USA,also mehr Importe als Exporte, liegt daran, dass die USA im Gegensatz zu anderen Nationen nicht wettbewerbsfähig ist. Selbst Ihr gelobter POTUS beliebte für seine Immobilien chinesisches Eisen einzusetzen. Im übrigen wird in den USA bei Wegfall von Arbeitsplätzen wie in der Stahlindustrie, so gut wie nichts für die Schaffung neuer Stellen getan, beispielsweise indem man in Infrastruktur und Berufsförderung investiert.
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  • Kommentar von Benjamin Knie (Beno)
    Willkommen beabsichtigte Wirtschaftskrise und schafft noch die Autos ab damit ihr euer Ziel schneller erreicht mit 75% Arbeitslosen der gesamten Weltbevölkerung. Die Umwelt als Sklaven dafür verwenden und die Welt damit blenden.
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  • Kommentar von Philipp Fischer (Fischer01)
    @ Herr Kleffel Vielleicht geht es den Leuten die gegen die ,,Globalisierung,, reden nicht darum zum Einzeller-leben zurückzukehren, sondern auf die Probleme der Globalisierung aufmerksam zu machen und es gibt definitiv Probleme, da wie schon erwähnt einige Nationen viel mehr profitieren als andere, und ich glaube diese Leute sind einiges sozialer als solche die nur ihre Errungenschaften sehen die ihnen die Globalisierung gebracht hat!
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    1. Antwort von Florian Kleffel (Hell Flodo)
      Ja, wir sind uns eigentlich einig, ich finde nur die Verwendung des Begriffes in dieser Art falsch und gefährlich, da man so Populisten von links und rechts in die Hände spielt. Darum möchte ich, dass man die konkreten Missstände und die Politik dahinter anprangert. Auf dass die Globalisierung in positive Bahnen gelenkt werde.
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