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Rebellen in Lateinamerika Zentrale Guerilla-Gruppierungen – und was aus ihnen geworden ist

FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia), Kolumbien:
Mit bis zu 18'000 Aktivisten war die kolumbianische Gruppierung die grösste und aktivste Guerillaorganisation in Lateinamerika. Sie finanzierte sich über Entführungen, Erpressungen der lokalen Drogenkartelle, Goldabbau und den Schmuggel illegaler Drogen wie Kokain. Über 50 Jahre lang stellte sie sich gegen den Staat, die rechte paramilitärischen Gruppen und einige Drogenkartelle. Ein Bürgerkrieg herrschte. Dabei kamen geschätzt 220'000 Menschen ums Leben – grösstenteils Zivilisten. Millionen Menschen flüchteten. Erst im Juni 2016 kam es zu einem Waffenstillstand zwischen der marxistischen Organisation und dem kolumbianischen Staat. Zu diesem Zeitpunkt zählt die FARC zirka noch 8000 Mitglieder.

Die FARC gab über 7000 Waffen ab. Dafür sprach der Staat deren linken Partei «Fuerza Alternativa Revolucionaria del Común» für zwei Legislaturperioden insgesamt zehn Sitze im Senat und in der Abgeordnetenkammer zu. Ab 2026 müssen sie diese aber bei Wahlen gewinnen. Im Dschungel bleiben noch einige Friedensverweigerer, die sich nun mit anderen Gruppierungen um Coca-Anbaugebiete Kämpfe liefern.

Demonstrant geht auf Streitkräfte zu.
Legende: Im aufgeheizten Wahlkampf kommt es immer wieder zu Protesten. Keystone

EZLN (Ejercito Zapatista de Liberacion National), Mexiko: Die Organisation aus der Armenregion Chiapas besteht überwiegend aus Indigenen. In einem bewaffneten Aufstand 1994 machte die EZLN erstmals auf sich aufmerksam. Seither setzt sie sich mit politischen Mitteln für die Rechte der indigenen Bevölkerung ein. Im Gegensatz zu anderen Guerillabewegungen versuchen die Zapatisten nicht die Macht im Staat zu übernehmen, sondern fordern Selbstbestimmung und rufen dazu auf, die aus ihrer Sicht kapitalistische Globalisierung zu bekämpfen. Konkret fordern sie zudem, dass auf kommunaler, munizipaler und regionaler Ebene autonome Strukturen aufgebaut werden.

Maria de Jesus Patricio Martinez, neue Präsidentschaftskandidatin und Vertreterin der EZLN), im Vordergrund und im Hintergrund vermummte Menschen
Legende: Maria de Jesus Patricio Martinez (links) kandidiert als Vertreterin der EZLN für die kommenden Präsidentschaftswahlen. Reuters

FSLN (Frente Sandinista de Liberacion Nacional), Nicaragua: In den 60er Jahren war die heutige Partei noch eine Guerillaorganisation. Sie stellte sich gegen die Diktatur der Familie Somoza, Oppositionelle foltern und verschwinden liess. Im Jahr 1979 schaffte die FSLN als Spitze einer ganzen Widerstandsbewegung, die Somoza-Dynastie zu stürzen. Darauf wurden Hunderte hingerichtet, Tausende inhaftiert.

Die FSLN formte eine Regierung und führte diverse Reformen durch. Zum Beispiel wurden die Meinungsfreiheit und die Schulpflicht eingeführt und die grösste Alphabetisierungskampagne des Landes durchgeführt. Dazu kam auch eine Agrarreform, von der auch landlose Bauern profitieren konnten. Noch heute erreicht die FSLN als linke Regierungspartei in den meisten Gemeinden des Landes die Stimmen-Mehrheit. Sie wird von aussen aber stark wegen ihrer Intransparenz kritisiert. Das Land allgemein schneidet auf dem Korruptionsranking von Transparency International schlecht ab: Nicaragua ist nach Venezuela und Haiti das korrupteste Land in Lateinamerika.

Frau strahlt aus einem Bus
Legende: Die Befreiung von der Militärdiktatur wird noch heute gefeiert. Keystone

Sendero Luminoso, Peru: Die Guerillaorganisation ist Ende der 60er-Jahre aus einer Studentenbewegung entstanden. Über zehn Jahre löste die Gruppierung blutige Konflikte in Peru aus. Es ging darum, die Macht im Land zu erobern, ohne Rücksicht auf nichts und niemanden. Über 30'000 Menschen kamen dabei ums Leben. Vor allem Angehörige der indigenen Landbevölkerung. Die marxistisch-leninistische und maoistische Guerillagruppierung nennt sich auch «Kommunistische Partei Perus – auf dem Leuchtenden Pfad José Carlos Mariateguis».

Nach einer Militär-Offensive in den 90er-Jahren und der Festnahme ihres damaligen Führers Abimael Guzmán schrumpfte der Mitgliederbestand stark. Die Terror-Organisation konzentriert sich heute mit geschätzten 350 Mitgliedern und 80 Kämpfern auf den Drogenhandel und auf Gewaltattacken auf Streitkräfte. Sie ist in einer abgelegen Region in der Mitte des Landes präsent, in der es grossflächige Coca-Anpflanzungen gibt.

Kind auf weissem Sarg
Legende: Der Sendero Luminoso verursachte den Tod vieler Menschen. Gedenkfeiern erinnern daran. Keystone

FMLN (Frente Farabundo Marti para la Liberacion Nacional), El Salvador: Über 12 Jahre lang kämpfte die Organisation in den 80er-Jahren gegen die damalige Militärdiktatur im Land. Dabei entfachte sie einen Bürgerkrieg, bei dem fast 70'000 Menschen ums Leben kamen. Vor allem Zivilisten. Erst 1992, als ein Waffenstillstand vereinbart wurde, wandelte sich die FMLN in eine politische Partei um.

Der Bürgerkrieg ist zwar seit über 25 Jahren beendet, das Land ist aber immer noch tief gespalten. Die eine Hälfte unterstützt die FMLN, die andere die rechte Oppositionspartei Arena, die aus einer rechten Gewaltgruppierung hervorgegangen ist. Die letzten Wahlen zeigen: Die Zustimmung für die FMLN nimmt ab. Trotzdem bleibt sie aber die zweitstärkste Partei des Landes. Siege verzeichnet weiterhin die rechte Arena.

Bewaffnete FMLN-Rebellen empfangen 1991 am Strassenrand UNO-Vertreter im Konfliktgebiet Chalatenango
Legende: FMLN-Rebellen empfangen 1991 UNO-Vertreter im Konfliktgebiet Chalatenango. Der Krieg endet ein Jahr später. Keystone