Rechtsrutsch in zwei weiteren deutschen Bundesländern

Die rechtsnationale Alternative für Deutschland feiert in Thüringen und Brandenburg weitere spektakuläre Erfolge. Die FDP hingegen scheidet nun auch aus diesen beiden Landtagen aus.

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Rechtsnationale AfD zieht in weitere zwei deutsche Landtage ein

1:04 min, aus Tagesschau Spätausgabe Wochenende vom 14.9.2014

Ganz rechts in der deutschen Parteienlandschaft bewegt sich etwas: Die Alternative für Deutschland (AfD) kommt im Bundesland Thüringen auf erstaunliche zehn Prozent und in Brandenburg auf spektakuläre zwölf Prozent der Wählerstimmen. Sie hatte bereits grosse Erfolge in der Europawahl und bei der Wahl vor zwei Wochen in Sachsen gefeiert.

Spitzenkandidat Alexander Gauland vor dem AfD-Wahlplakat mit dem Motto «Mut zur Wahrheit»

Bildlegende: AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland. Reuters

Mit populistischen Themen gepunktet

Der Brandenburger AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland erklärt seinen enormen Erfolg mit den Themen, die er angesprochen hat: «Grenzkriminalität, innere Sicherheit, zu wenig Polizisten, aber natürlich auch die Problematik Flüchtlinge und Zuwanderung.»

Die AfD trat mit Parolen zu Themen auf, die von allen anderen Parteien als klar fremdenfeindlich und äusserst polemisch bezeichnet worden waren. Aber sie haben gewirkt. Begünstigt von der sehr schlechten Wahlbeteiligung, die kleinen und radikalen Parteien immer hilft, hat die AfD allen anderen Parteien Wähler abgezogen.

FDP aus Landtagen ausgeschieden

Die seit langem erfolglose alte Traditionspartei FDP ist erneut aus zwei Landtagen ausgeschieden. Ihr ironisch gemeinter Wahlkampfslogan «Wir sind dann mal weg» hat sich mit erschreckend schlechten Ergebnissen bewahrheitet. In Thüringen brachte sie es auf gerade noch eineinhalb Prozent.

Dort hofft die Linkspartei, erstmals einen Ministerpräsidenten stellen zu können. Aber es wird extrem eng. Alle denkbaren Koalitionen können höchstens mit einer Stimme Mehrheit rechnen. Hier hat die starke AfD deutlichere Mehrheiten verhindert.

Weites Feld für AfD offen

Die Frage ist jetzt, welche Rolle diese Rechtspartei auf längere Frist in Deutschland spielen wird. Nachdem die CDU in den letzten Jahren immer weiter in die Mitte gerückt ist und die rechtsextreme NPD auch bei diesen Wahlen keinen Erfolg hatte, steht der neuen Rechten jedenfalls ein weites Feld offen.

Landtagswahlen Thüringen Landtagswahlen Thüringen Vorläufig amtliches Endergebnis 22.39 Uhr

Landtagswahlen Brandenburg Landtagswahlen Brandenburg Vorläufig amtliches Endergebnis 22.51 Uhr

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Landtagswahlen in Deutschland

    Aus Tagesschau vom 14.9.2014

    In Thüringen und Brandenburg wurde ein neues Parlament gewählt. Die Alternative für Deutschland AfD ist zum ersten Mal angetreten und wurde prompt deutliche Wahlsiegerin, während die FDP sich aus den Parlamenten verabschieden muss. Einschätzungen von SRF-Korrespondent Adrian Arnold aus Berlin.

  • Wahlen in Thüringen: Phänomen Bodo Ramelow

    Aus Tagesschau vom 13.9.2014

    Zum ersten Mal in der Geschichte Deutschlands könnte an diesem Wochenende ein Mitglied der Partei der Linken zum Ministerpräsidenten gewählt werden. Der Favorit ist Bodo Ramelow.

  • Bodo Ramelow bei einer Veranstaltung, an der ein Buch über ihn selber vorgestellt wird.

    Thüringen und Bodo Ramelow - der Linke aus dem Westen

    Aus Echo der Zeit vom 9.9.2014

    In Thüringen finden am Wochenende Landtagswahlen statt. Erstmals könnte ein Vertreter der Linkspartei, der Nachfolgeorganisation der DDR-Staatspartei, Ministerpräsident werden.

    Bodo Ramelow heisst der Mann, und er hat zwei Vorteile: Er gilt als zäh und verlässlich - und er hat keine DDR-Vergangenheit.

    Casper Selg