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Referendum in Katalonien Nationalpolizei verletzt mindestens 38 Menschen

Spanische Polizei geht mit Gewalt gegen Menschen vor Abstimmungslokalen vor. Bis jetzt drei Schwerverletzte.

Legende: Video Polizei bricht in Abstimmungslokale ein (unkommentiert) abspielen. Laufzeit 1:16 Minuten.
Aus News-Clip vom 01.10.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nachdem sich die katalanische Polizei auf Kontrollgänge beschränkte, greift nun kurz vor 9 Uhr die Nationalpolizei bei einigen Abstimmungslokalen ein. Sie beschlagnahmt Urnen und Stimmzettel.
  • Die Polizisten drängen Wähler zurück und setzen teilweise sogar Gummigeschosse ein, wie Medien berichten. Rettungskräfte sprechen von mindestens 38 Verletzten. Davon drei Schwerverletzte.
  • Die spanische Regierung will die Abstimmung verhindern. Polizisten haben bereits am Samstag die Software für die geplante Abstimmung zerstört und Wahlmaterial beschlagnahmt.
  • Der Chef der katalanischen Regionalregierung, Carles Puigdemont, verurteilt schwer die Brutalität, mit welche die Nationalpolizei vorgeht. Er selber wurde gehindert abzustimmen, als die Polizei ins Abstimmungslokal einbrach.

Mit einem umstrittenen Referendum über die Loslösung von Spanien fordert die Region Katalonien die Zentralregierung in Madrid heraus. Die von der Regionalregierung ausgerufene und vom Verfassungsgericht verbotene Abstimmung werde trotz der Gegenmassnahmen der Staatsbehörden stattfinden, beteuerte gestern Abend der katalanische Regierungssprecher Jordi Turull.

Mehr als 5,3 Millionen Menschen sind aufgerufen, ab 9 Uhr in einem der 2315 Wahllokale ihre Stimme abzugeben. Am frühen Morgen bildeten sich vor den Wahllokalen in Barcelona lange Schlangen. Tausende haben sich vor den Gebäuden versammelt, um ein Eingreifen der Polizei zu verhindern.

Die auf Schiffen im Hafen von Barcelona untergebrachten Angehörigen der Polizeieinheit Guardia Civil brachen am Morgen in grösseren Fahrzeugkolonnen auf. Die Generalstaatsanwaltschaft hat sie angewiesen, die Wahllokale abzusperren und die Stimmabgabe der Bevölkerung zu verhindern.

Blumen und Applaus für die katalanischen Polizisten

Vor den Abstimmungslokalen in Barcelona haben sich im Morgengrauen lange Schlangen gebildet. Bereits um 7 Uhr war die katalanische Polizei vor Ort und kontrollierte die Lokale, ohne dabei aber Material zu beschlagnahmen. Sie beschränkten sich darauf, die anwesenden Leute zu zählen und Sicherheitskontrollen durchzuführen. Dafür ernteten sie von den Besetzern teilweise sogar Applaus.

Abstimmungszettel zuhause ausdrucken

Gemäss Lokalmedien rief die katalanische Regierung dazu auf, wo auch immer möglich abstimmen zu gehen. Demanch können die Befürworter auch Abstimmungslokale benutzen, die ihnen ursprünglich nicht zugeordnet worden waren. Zudem könne man den Abstimmungszettel auch zuhause selber ausdrucken.

Schulen statt Abstimmungslokale

Legende: Video Katalanische Separatisten besetzen Schulen abspielen. Laufzeit 2:09 Minuten.
Aus Tagesschau vom 30.09.2017.

Die Guardia Civil hatte am Samstag das Stimmenauszählungssystem der Region ausser Betrieb gesetzt. Die illegale Abstimmung sei somit endgültig «annulliert» worden, sagte ein Sprecher der Zentralregierung in Madrid. Doch Turull entgegnete: «Alle können beruhigt sein. Morgen wird abgestimmt, und es wird ausgezählt und nochmals ausgezählt».

Ministerpräsident Mariano Rajoy beteuerte mehrfach, das Referendum werde nicht stattfinden. In ganz Katalonien besetzten deshalb Politiker, Lehrer und Eltern zum Teil mit ihren Kindern Schulen und weitere öffentliche Gebäude, die als alternative Wahllokale dienen sollen.

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61 Kommentare

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  • Kommentar von Ida Fischer (Ida Fiischer)
    Zur Erinnerung Auf auf der Krim wurde demokratisch entscheiden. Damals als sie verschenkt wurden NICHT. Man spricht trotz allem von Annexion. Weshalb verwehrt man den Katalanen dass sie unabhängig sein wollen. In der Charta der vereinten Nationen steht im Artikel 1 : 2. und SELBSTBESTIMMUNG DER VOELKER beruhende Beziehungen zwischen den Nationen zu entwickeln und andere geeignete Maßnahmen zur Festigung des Weltfriedens zu treffen; Sonst zitieren die Politiker gerne das Völkerrecht.
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  • Kommentar von E. Waeden (E. W.)
    Was schliessen wir daraus? Der Kitt, welcher die EU einst zusammen gehalten hat, ist durch die Grossmachtgelüste brüchig geworden. Die heutige EU trennt Länder & Menschen, statt sie zusammen zu bringen. Die Römer, Napoleon, Hitler sind an einem vereinten Europa, einen Grossreich Europa schon gescheitert. Die Menschen wollen das nicht. Die EU in heutiger Form ist der Untergang von Europa. Man sollte sie auflösen.
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  • Kommentar von M. Berger (Mila)
    Wolfgang Borsch - ja, es ist schwerverständlich! Mir scheint, es geht wohl vorwiegend um nationalistische Tendenzen, um Egoismus und schliesslich um finanzielle Ausgleich mit den ärmeren Regionen, an dem man sich nicht mehr beteiligen möchte. Katalonien als 4.grösster Teilstaat von Spanien wurde, was die Wirtschaft betrifft, vom spanischen Staat besonders ausgezeichnet. SEAT, Chemie, die 1. Autobahn in Spanien, Infrastruktur, Olympiade in Barcelona, etc.
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    1. Antwort von M. Berger (Mila)
      Ergänzung: Katalonien ist die 4.grösste Wirtschaftsregion nach Madrid, Baskenland und Navarra.
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    2. Antwort von max baumann (phönix)
      Nein, darum geht es nicht. Die alte spanische Regierung hat Katalonien weitgehende Autonomie zugesprochen aber die neue (jetzige) Regierung hat dies sofort wieder zurückgenommen. Würden Sie sich dies auch gefallen lassen ?
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