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International Reger Soldaten-Austausch in der Ostukraine

Die Ukraine hat die russischen Fallschirmjäger wieder an Russland übergeben. Im Gegenzug hat Russland 60 ukrainische Soldaten ausgehändigt. Und die pro-russischen Separatisten sagen, sie hätten zudem über 200 ukrainische Soldaten freigelassen – und berichten gleichzeitig von neuen Gefangenen.

Legende: Video Russische Fallschirmjäger sind wieder in der Heimat abspielen. Laufzeit 0:24 Minuten.
Vom 31.08.2014.

Wenige Tage nach der Festnahme von zehn russischen Soldaten hat die Ukraine die Männer wieder in ihre Heimat entlassen. Die Soldaten seien ihrem Kommandostab übergeben worden, teilte der russische Generalmajor Alexej Ragosin mit. «Die Verhandlungen waren nicht sehr einfach», sagte er der Staatsagentur Itar-Tass.

Auch Russland habe mehr als 60 ukrainische Soldaten übergeben, die nach Kämpfen im Konfliktgebiet Donbass die Grenze überschritten hatten. Moskau und Kiew hatten den Austausch der Soldaten angekündigt.

Die Ukraine hatte die russischen Gefangenen in den Medien als Beweis dafür präsentiert, dass im Konfliktgebiet Soldaten des Nachbarlandes im Einsatz seien. Dagegen hatte Kremlchef Wladimir Putin betont, die Uniformierten seien durch einen Irrtum über die kaum markierte grüne Grenze im Gebiet Rostow in die Ostukraine gelangt. Die Fallschirmjäger hatten dort angeblich an einer Übung teilgenommen.

Auch ukrainische Soldaten waren in der Vergangenheit bei Kämpfen im Konfliktgebiet über die nicht gesicherte Grenze auf russisches Territorium gelangt. Vor allem aber hatten immer wieder ukrainische Militärangehörige nach den Kämpfen Zuflucht in Russland gesucht und waren dann an ihre Heimat übergeben worden.

Separatisten lassen Regierungssoldaten gehen

Zudem entliessen die pro-russischen Separatisten nach eigener Darstellung mehr als 200 Angehörige der Regierungstruppen aus ihrer Gewalt. Die Gefangenen im Gebiet Donezk seien der ukrainischen Seite übergeben worden, teilte die von Separatisten gegründete «Armee Noworossija» (Neurussland) mit.

Konkret soll es sich um 223 Soldaten sowie Angehörige der Nationalgarde handeln. Eine Bestätigung der ukrainischen Regierung dafür gibt es nicht.

Neue Kriegsgefangene in der Gewalt der Separatisten

Gleichzeitig sagten die Separatisten, an mehreren Orten in dem Konfliktgebiet seien Stellungen ukrainischer Soldaten umzingelt.

In Starobeschewo hätten Angehörige der Nationalgarde versucht, mit Waffen und Technik aus einem Kessel auszubrechen. Bei Gefechten sei Militärtechnik zerstört worden. Zudem seien sechs Panzer erbeutet und fast 200 Angehörige der Regierungstruppen entwaffnet worden, hiess es.

Die Soldaten würden als Kriegsgefangene festgehalten. Bei Kämpfen auch an anderen Stellen habe es zahlreiche Tote und Verletzte gegeben.

Hilfskonvoi mit geheimer Marschroute

Derweil stehen an der Grenze zu Ostukraine erneut rund 280 russische Lastwagen mit Hilfsgütern für die notleidenden Menschen im Konfliktgebiet bereit. Der Konvoi warte in der Region Rostow auf die Einfahrt in das Krisengebiet Donbass. Das berichtete das russische Staatsfernsehen.

Die Hilfsgüter, darunter Lebensmittel, Trinkwasser und Medikamente, seien mit Zügen angeliefert und dann auf die Lastwagen umgeladen worden, hiess es. Der Zeitpunkt des Grenzübertritts und die Marschroute würden geheim gehalten.

Die neue Hilfslieferung hatten Kremlchef Wladimir Putin und der ukrainische Präsident Petro Poroschenko Medien zufolge bei ihrem Treffen am vergangenen Dienstag in Minsk vereinbart.

Zuvor hatte Russland begleitet von internationaler Kritik mit den Lastwagen rund 2000 Tonnen humanitärer Hilfe in die Ostukraine gebracht. Die Ukraine hatte dem Nachbarland daraufhin eine Invasion vorgeworfen, weil die Lastwagen ohne Zustimmung der Behörden die Grenze überquert hatten.

Russischer Verleger verprügelt

Russland dementiert, dass seine Soldaten in der Ukraine im Einsatz sind. Doch Begräbnisse von Soldaten, die möglicherweise dort gefallen sind, werfen Fragen auf. Ein russischer Lokalpolitiker und Zeitungsverleger wurde nach einem Bericht über ein mysteriöses Begräbnis von zwei Soldaten spitalreif geprügelt worden.

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26 Kommentare

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  • Kommentar von H. Frühling, Bern / Zürich
    Schon erstaunlich, dass russische Gefangene ausgetauscht werden können, die angeblich gar nie in der Ukraine waren. Es wird aber auch berichtet, dass sich die russische Armee "verirrt" habe. Oder ist etwa die ukrainische Armee daran, Russland zu erobern? Das Ganze wertet natürlich die CH-Armee: Die verlaufen sich auch ab und zu, haben aber dabei noch kein fremdes Gebiet "erobert".
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    1. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Nun, wo keine wirkliche Grenze vorhanden ist, kann man(n) (Ukrainer & Russen) sich auch mal leicht verirren. Und ist ja positiv, sind die Grenzen da so offen. So kann wenigsten die Bevölkerung in der Ost-Ukraine, welche unter Dauerbeschuss der Armee aus Kiew steht nach Russland flüchten. Doch Poroschenko will sie ja dicht machen. Armes Volk der Ost-Ukraine!
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  • Kommentar von Lily Baumann, Ortschwaben
    In diesem Konflikt geht es nicht um Menschen sondern um Ressourcen. Die Ukraine ist nach wie vor die Kornkammer Europas und dieses Privileg weckt bei Putin Eroberungsgelüste. Nicht von ungefähr träumt er von seinem Neurussland. Weiss der Teufel, was er sonst noch für Träume hat .....
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    1. Antwort von N.Belg, Luzern
      Er "muss" ja gar nicht "träumen" oder "Gelüste" haben, Westen serviert alles auf dem Tablett bereit... Putin kann einfach richtig reagieren und zwar clever.
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    2. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Bisher agierte hauptsächlich der Westen & jetzt reagiert Putin darauf. Logische Folge. Das hat sich jetzt der Westen selber zuzuschreiben. Wären sie nicht so aggressiv in der Ukraine vorgegangen, gäbe es jetzt diese Abspaltung nicht. Unter dieser Regierung in Kiew wird das nichts mehr mit einer Vereinigung der Ukraine.
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  • Kommentar von Juha Stump, Zürich
    Arme Kerle sind sie alle, ganz gleich auf welcher Seite sie kämpfen. Das ist auf den Gesichtern deutlich abzulesen, so wie bei allen Berichten über diesen Krieg. Es ist halt etwas Besonderes, gegen solche zu kämpfen, die Brüder, Cousins oder enge Freunde sein könnten. Trotz allem, was bisher geschehen ist, sind die Russen und Ukrainer immer noch eng verwandte Brudervölker. Das unterscheidet sie von vielen Kriegern im Nahen Osten oder in Afrika, die nach Massakern ungeniert jubeln.
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    1. Antwort von N.Belg, Luzern
      Sehr gutes Kommentar! Spricht mir aus dem Herzen. Danke.
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