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International Regierung statuiert ein Exempel an der Oper in Rom

Die Oper in Rom ist in die roten Zahlen gerutscht. Eine Folge von Schlendrian, Ineffizienz, wilden Streiks und wenig Produktionen. Doch nun hat der Staat das Musikensemble mitsamt dem Chor auf die Strasse gestellt. Das hat es noch nie gegeben. Das Beispiel könnte auch anderswo Schule machen.

Mehrgeschossiger Saal der Oper in Rom, Zuschauer auf den Balkonen.
Legende: Das Geld für die Oper in Rom versickert. Das ist nichts Neues unter der italienischen Sonne – im Gegenteil. Reuters

Ende Dezember wurde Carlo Fuortes Intendant der Oper in Rom. Damals habe er ein Haus in tiefster Krise angetroffen, sagt er. Innerhalb eines einzigen Jahres habe das Teatro dell'Opera di Roma 13 Millionen Euro Defizit eingefahren – neben den 53 Millionen Euro, welche die Oper bereits als Subventionen erhalte.

Als Fuortes alle Budgetposten durchging, entdeckte er Beraterhonorare von jährlich 10 Millionen Euro, die durchs Band überflüssig waren. Er kündigte die Beraterverträge – nicht ohne damit Proteste auszulösen. Denn die Nutzniesser dieser Aufträge waren fast alles politische Freunde der vergangenen Regierungen.

Über 900 Anträge auf «kreative Pause»

Das schwierigste Kapitel aber seien die Arbeitsverträge für die 92 Musiker gewesen, sagt Fuortes: «Ich habe feststellen müssen, dass ein festangestellter Musiker von theoretisch 250 Arbeitstagen im Jahr nur 125 Tage wirklich arbeitete. Das heisst, die Produktivität der Musiker liegt um die 50 Prozent.»

Der Grund für die tiefe Präsenz: Ein Musiker kann mehrere Male im Jahr eine kreative Pause beantragen. Ob er in dieser Zeit dann wirklich kreativ ist, oder einfach nichts tut, hat nie jemand überprüft. Die 92 festangestellten Musiker stellten allein im letzten Jahr 912 Anträge auf kreative Pausen.

Hinzu kommt, dass Musiker, die in einer Oper gespielt haben, laut Römer Arbeitsvertrag für die nächste Oper nicht wieder aufgeboten werden dürfen. Das führt zu absurden Situationen. Demnächst ist «Rigoletto» programmiert. Dafür braucht es 72 Musiker, 92 hat die Römer Oper, also eigentlich genügend. Aber wegen des Verbots muss Fuortes 32 externe Musiker aufbieten – und bezahlen.

Gewerkschaft verhindert Sanierungsplan

Um das galoppierende Defizit in den Griff zu kriegen, hatte Fuortes zwei Möglichkeiten: «Wir hätten die Anzahl Aufführungen reduzieren können, um zu sparen. Dann hätten wir aber weniger Subventionen vom Staat bekommen. Also blieb nur dies: Die Musiker mussten mehr arbeiten, sonst drohte die Entlassung.»

In einer Umfrage sprachen sich 92 Prozent der Musiker für Mehrarbeit aus. Aber eine kleine Gewerkschaft sperrte sich gegen den Sanierungsplan. Leider gibt das italienische Arbeitsgesetz auch der kleinsten Gewerkschaft das Recht, alles zu blockieren. Da riss dem Verwaltungsrat der Oper der Geduldsfaden und er entliess alle Musiker mit Hinweis auf den drohenden Konkurs.

Zahlreiche andere Opernhäuser am Abgrund

Das hat es in Italien noch nie gegeben. Denn festangestellte Musiker in den staatlichen Opernhäusern gelten als Halbgötter. Doch Rom ist freilich kein Einzelfall. Auch in Parma steht die Oper vor dem Bankrott.

Misswirtschaft und ausufernde Gewerkschaftsrechte für die Musiker haben dafür gesorgt, dass das Opernhaus im vergangenen Jahr mit nur einem sehr schmalbrüstigen Programm aufwarten konnte. Dabei hätte es Kasse machen können, ist es doch die Heimstätte von Giuseppe Verdi, dem Nationalkomponisten, der letztes Jahr 200 Jahre alt geworden wäre.

Kaum mehr über die Runde kommt auch die Oper in Genua. Unter kommissarischer Verwaltung steht das San Carlo in Neapel, das älteste noch bespielte Opernhaus Europas. Die Negativliste liesse sich beliebig verlängern. Ausser die Fenice in Venedig und die Scala in Mailand haben alle Opernhäuser Schlagseite.

Defizit seit einem Jahr nicht mehr erlaubt

Jahrzehntelang zahlte die öffentliche Hand die Defizite neben den ohnehin schon üppigen Subventionen. Seit letztem Oktober dürfen die Opernhäuser aber nicht mehr defizitär sein. Prompt zeigen sich die meisten unfähig, die nötigen Anpassungen durchzuführen. Sie sind verwöhnt durch ewig sprudelnde öffentliche Gelder und erpresst durch masslose Gewerkschaften. Und dies im Ursprungsland der Oper.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Jens Ingo Lehminger, Schaffhausen
    Sklaven- und Fließband-Arbeit muss es-auch bei gewissen Härten des Musikerberufs-nicht auch im Konzertgraben unbedingt geben.
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  • Kommentar von p.keller, kirchberg
    Genügend Steuergeld für Einsätze der Polizei gegen Fussball-Fans ist offenbar immer vorhanden.
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  • Kommentar von Peter Flückiger, Kt. Zürich
    Schaffen wir die Pauschalsteuer ab und führen die die Sponsoring Steuervergünstigung ein für Kultur, Forschung, Sportförderung ohne Fussball und Millionären-Sport, Bildung und Nachbarshilfe, Behindertenhilfe, und soziale Institutionen. Es müssen bei allen Veranstaltungen bei dehnen Eintritte verkauft werden (z.B. Opernhaus) immer ein Kontingent von mindestens 30% Eintritte zur Verfügung stehen unter CHF 100.- Dies ist eine veritable Entlastung der öffentlichen Budgets der Steuerzahler allgemein.
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