Schottland nach Brexit Regierungschefin will Brexit-Gegner ins Land locken

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Schottland will erneut die Unabhängigkeit

1:59 min, aus Tagesschau vom 18.3.2017

Das Wichtigste in Kürze

  • Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon fordert britische Brexit-Gegner auf, nach Schottland zu kommen.
  • An ihren Plänen für ein Unabhängigkeitsreferendum hält sie fest.
  • Der britische Ex-Premier Gordon Braun macht sich indes für eine andere Lösung stark: Schottland soll trotz Brexit Verträge mit EU-Staaten abschliessen dürfen.

Die britische Regierung zofft sich wegen des Brexits mit Schottland. Der Streit nimmt an Schärfe zu. Ein neuer Vorschlag erntet Spott.

Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon hat britische Brexit-Gegner zu einem Umzug nach Schottland aufgerufen. «Kommt hierher, um zu leben, zu arbeiten, zu investieren oder zu studieren», sagte sie unter grossem Beifall auf dem Frühlingsparteitag der Schottischen Nationalpartei SNP in Aberdeen. An ihren Plänen für ein Unabhängigkeitsreferendum hält sie fest.

Trennung vom Königreich wäre ein Risiko

Beim Austritt Grossbritanniens aus der EU will Schottland im Europäischen Binnenmarkt bleiben. Das lehnt die britische Premierministerin Theresa May strikt ab. Sturgeon strebt daher das Referendum an und will das Parlament in Edinburgh nächste Woche dafür um ein Mandat bitten. Das Unabhängigkeitsreferendum soll zwischen Herbst 2018 und Frühjahr 2019 stattfinden – also vor dem Brexit.

Der britische Ex-Premierminister Gordon Brown heizte unterdessen mit einem als Kompromiss gemeinten Vorschlag den Streit an. Seine Idee: Schottland sollte weiter dem Königreich angehören und trotz Brexits eigene Verträge mit anderen Ländern der Europäischen Union abschliessen dürfen. Schottland müsse die Kontrolle etwa über Landwirtschaft und Fischerei bekommen, sagte der Labour-Politiker.

Die Trennung vom Vereinigten Königreich wäre ein zu grosses Risiko für den Arbeitsmarkt und Handel. «65 Prozent unseres Handels ist mit dem Rest von Grossbritannien – und nur 15 Prozent mit der Europäischen Union», sagte Brown bei einer Veranstaltung in Kirkcaldy bei Edinburgh. Der Schotte war von 2007 bis 2010 Premierminister.

Schottland als einziges Land gegen Brexit

Der Vize-Chef der Schottischen Nationalpartei, Angus Robertson, wies diesen Vorschlag umgehend zurück. Er nehme die Äusserungen nicht ernst. «Die Labour-Partei ist derzeit noch nicht einmal in der Lage, eine Pizza zu liefern», sagte er dem Nachrichtensender BBC.

Schottland votierte bei dem Brexit-Referendum im Juni 2016 für den Verbleib in der EU, war aber von England und Wales überstimmt worden.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Brexit und Schottland

    Aus Tagesschau vom 13.3.2017

    Heute beschäftigt sich das britische Unterhaus erneut mit dem Gesetz, das den Austritt aus der EU regeln soll. Und just heute meldet sich Schottland. Die Chefin der schottischen Regionalregierung, Nicola Sturgeon, will ein neues Unabhängigkeitsreferendum abhalten. Einschätzungen von SRF-Korrespondent Urs Gredig.

  • Brexit ohne Schotten

    Aus Tagesschau vom 10.9.2016

    Die Brexit-Abstimmung hat in Schottland die Abspaltungsdebatte erst recht angefeuert. Doch finanziell würden es die Schotten ohne Grossbritannien schwer haben. Aus Grossbritannien: Urs Gredig.

  • Schottland: wie weiter?

    Aus Tagesschau vom 29.6.2016

    Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon betonte in Brüssel, dass Schottland auf jeden Fall in der EU bleiben wolle. Die Parteiführerin der schottischen Nationalisten traf sich mit EU-Parlamentspräsident Martin Schulz.