Retourkutsche für Österreich in der Flüchtlingskrise

Die Spannungen zwischen Griechenland und Österreich verschärfen sich. Die österreichische Innenministerin ist in Griechenland nicht mehr erwünscht. Derweil versucht das Land immer verzweifelter, den Anstrom an Flüchtlingen zu bewältigen.

Frau vor Zelten eines provisorischen Flüchtlingscamps an der griechischen Grenze zu Mazedonien

Bildlegende: An der Grenze zu Mazedonien stauen sich die Flüchtlinge. Reuters

Österreichs Innenministerin Johanna Mikl-Leitner wollte sich in Griechenland selbst ein Bild machen von der Situation der Flüchtlinge. Athen habe diesen Wunsch jedoch abgelehnt, sagte ein Sprecher des griechischen Aussenministeriums.

Am Vortag hatte Athen bereits seine Botschafterin in Österreich zu Konsultationen nach Griechenland zurückbeordert. Griechenland macht Österreich für die Schliessung der mazedonischen Grenze mitverantwortlich. Zudem kritisiert Athen, dass kein Vertreter Griechenlands zum Treffen der Westbalkanstaaten nach Wien eingeladen war.

Fünf neue Auffanglager entstehen

Nach der Teilschliessung der mazedonischen Grenze versucht Griechenland immer verzweifelter, den Rückstau der vielen Flüchtlinge zu bewältigen: In Athen campieren Tausende unter freiem Himmel. Und an der Grenze zu Mazedonien kommt es zu Schlägereien.

Nahe Mazedonien werden fünf neue Aufnahmelager gebaut; zudem sollen viele Flüchtlinge zunächst auf den Inseln in der Ost-Ägäis bleiben. Fähren sollen in den kommenden Tagen weniger Migranten als bisher von den Inseln abholen.

Appelle an Reisebüros und Reedereien

Um die Inseln nicht zu überlasten, sollen die registrierten Migranten schliesslich auf drei grossen Fähren untergebracht werden, die in den Häfen der Inseln Lesbos, Chios und Samos angelegt haben. Die Regierung forderte Reedereien und Reisebüros auf, weniger Migranten aufs Festland zu bringen.

Weil sie auf der Balkanroute nicht mehr weiterkommen – auch Serbien lässt auf diesem Weg nur noch 500 Migranten pro Tag durch – sitzen mittlerweile fast 20'000 Menschen in Griechenland fest. Zudem harren mehr als 4000 Migranten an der Grenze zu Mazedonien bei Idomeni aus. Dort soll es in der Nacht zu Schlägereien und Messerstechereien unter Flüchtlingen gekommen sein, wie das griechische Staatsradio berichtete.

Wieder mehr Überfahrten über das Mittelmeer

Je mehr sich die Balkanroute schliesst, desto mehr rückt die zweite wichtige Reiseroute wieder in den Fokus. Gemäss den UNO-Migrationsbehörden hat die Zahl der Flüchtlingsunterkünfte über das Meer einen neuen Spitzenwert erreicht.

Die UNO ist noch wegen aus einem anderen Grund in Sorge. Inzwischen sind 60 Prozent der Flüchtlinge Frauen und Kinder. Aus diesem Grund richten die Vereinten Nationen nun 20 Anlaufstellen mit Schlafplätzen eigens für Familien und unbegleitete Kinder ein.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Griechenland empört über Balkanpolitik

    Aus Tagesschau vom 25.2.2016

    Der griechische Premierminister Alexis Tsipras zeigt kein Verständnis für die restriktive Flüchtlingspolitik der Balkanstaaten. Er droht, die Entscheide der EU künftig zu blockieren.