Retourkutsche: Russland veröffentlicht seine Boykott-Liste

Nach den Sanktionen gegen Russland zieht Moskau seinerseits nach. Es verbietet den Import von Obst, Gemüse und Fleisch aus dem Westen. Damit will der Kreml den Agrarsektor treffen. Der Preis dafür könnte jedoch hoch sein.

Gemüsestand mit mehreren verschiedenen Gemüsen.

Bildlegende: Die Boykott-Liste als Chance für die Agrarwirtschaft: Hochwertiges Gemüse kam bisher nicht aus heimischer Produktion. Keystone

Video «Russland veröffentlicht Boykott-Liste» abspielen

Russland veröffentlicht Boykott-Liste

1:35 min, aus Tagesschau vom 7.8.2014

Nach der Ankündigung weitgehender russischer Importbeschränkungen von Produkten aus der EU und den USA hat Ministerpräsident Dmitri Medwedew Einzelheiten bekannt gegeben.

Es werde ein «komplettes Embargo» für Rind-, Schweine-, und Geflügelfleisch, Fisch, Käse, Milch, Gemüse und Obst aus den USA und der EU verhängt, sagte Medwedew. Die gleichen Vorschriften beträfen auch Einfuhren aus Australien, Kanada und Norwegen, sagte er bei einer im Fernsehen übertragenen Rede.

Schweiz nicht direkt betroffen

Wie die russische Botschaft gegenüber der «Tagesschau» bestätigte, ist die Schweiz vorderhand nicht direkt von dem Embargo betroffen. «Das offizielle Russland honoriert offensichtlich den eigenen Weg, den die Schweiz in Sachen Sanktionen geht», mutmasst SRF-Russlandkorrespondent Christoph Franzen.

Offiziell versuche die Schweiz, die Umgehung der Sanktionen gegen Russland über die Schweiz zu verhindern. Doch die Schweiz übernehme nicht alle Sanktionen der EU und den USA, beispielsweise im Finanzbereich – mit dem Argument, dass man ein neutrales Land sei und eine Vermittlerrolle im Ostukraine-Konflikt spielen könne und wolle.

Die Europäische Union kritisierte Russlands Vorgehen. «Das Verbot untergräbt das Ansehen Russlands als zuverlässigen Partner», sagte ein EU-Sprecher in Moskau. Bei der EU-Kommission in Brüssel hiess es, die EU behalte sich eine Antwort vor.

Video ««Engpässe? Die Meinungen gehen weit auseinander»» abspielen

«Engpässe? Die Meinungen gehen weit auseinander»

2:02 min, aus Tagesschau vom 7.8.2014

«Offiziell, fügen diese Sanktionen dem russischen Volk keinen Schaden zu. Im Gegenteil, die russische Landwirtschaft soll damit angekurbelt werden», sagt Christof Franzen.

Für den SRF-Russlandkorrespondent ist dieses Szenario sogar ein Stück weit realistisch. Allerdings habe man in der Vergangenheit gesehen, dass Russland zwar das Potenzial habe, es aber mit der Verteilung der Nahrungsmittel nicht so geklappt habe.

Probleme nur bei Ananas und Bananen?

Doch bei möglichen Engpässen gehen die Meinungen weit auseinander. Manche fürchteten Preisanstiege und Qualitätseinbussen, wenn man auf ausländische Produkte verzichten müsse, berichtet Franzen.

Doch laut den staatlichen Medien und Beamten werde die eigene Produktion und der Import aus anderen Ländern das Embargo kompensieren. «Ein ganz vifer Beamte sagte heute, Russland könne fast alle Nahrungsmittel selber produzierenden – ausser bei Ananas und Bananen könnte es Probleme geben.»

«Russland musste antworten»

Generell beschränken sich die Sanktionen aber nicht nur auf den Agrarmarkt. Darüber hinaus untersagt die russische Regierung auch Transitflüge ukrainischer Fluggesellschaften über ihr Hoheitsgebiet. Zudem erwägt Russland ein Überflugverbot für Fluggesellschaften aus den USA und der Europäischen Union auf dem Weg nach Asien.

Russland habe sehr lange gar nicht geantwortet auf die Sanktionen, sagte Medwedew der Agentur Interfax zufolge. Das Land habe bis zuletzt gehofft, dass der Westen begreife, dass seine Politik in die Sackgasse führe. «Jetzt mussten wir antworten.»

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Russland reagiert auf Sanktionen

    Aus Tagesschau vom 7.8.2014

    Die russische Regierung erläutert, welche Produkte und Staaten von einem einjährigen Importverbot betroffen sind. Zudem ist der russische Luftraum für Transitflüge der Ukrainischen Airlines gesperrt. Einschätzungen von Christof Franzen.