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Corona in Asien – wie nachhaltig ist die Wende?
Aus Puls vom 23.03.2020.
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Rezepte gegen die Epidemie Mit Tests und Überwachung Corona in den Griff bekommen

Die Neuansteckungen in China und Südkorea sind rückläufig – durch unterschiedliche Massnahmen.

Die Bevölkerung in China kann aufatmen. Im Epizentrum der Pandemie scheint die Welle abzuebben, die Fallzahlen von Covid-19 nehmen ab.

Der Wendepunkt war im Februar. Im März sind die meisten Tage unter hundert Neuinfektionen. Und diese, so meldet das Land, kämen von Reisenden aus dem Ausland.

Erreicht wurde dies mit scharfen Quarantänemassnahmen. Nicht nur in Wuhan, von wo aus sich die Pandemie ausbreitete, auch im Süden, etwa in Shenzhen, direkt neben dem Handelszentrum Hongkong, stand das Leben still. Der öffentliche Raum war leer.

Das Leben kehrt auf die Strasse zurück

Knapp zwei Monate nach Beginn des Lockdowns hat die Regierung die strengen Massnahmen gelockert. Die Angst der Bevölkerung habe abgenommen, berichtet die Auslandschweizerin Fabienne Theler: «Kinder sind wieder auf der Strasse, was sehr lange nicht mehr der Fall war. Leute gehen wieder spazieren und der Verkehr ist wieder chaotisch.»

Auch das Sozialleben habe sich etwas verbessert. «Wir können uns wieder treffen», sagt Fabienne Theler.«Doch so wie vorher ist es noch nicht.»

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Auslandschweizerin Fabienne Theler: «Kinder sind wieder auf der Strasse»
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Totale Überwachung

Die Regierung setzt jetzt auf Fieber messen beim Betreten von Gebäuden – und auf totale Überwachung per Handy. Anhand der App «Antivirus-Code», einem Programm, das die Stadt Shenzhen extra für die Krise entwickelt hat.

«Zunächst muss ich ein paar Fragen beantworten. Etwa, dass ich kein Fieber habe, mich gut fühle und nicht huste», sagt Fabienne Theler. Sie erhält danach einen QR-Code, den sie beim Betreten des Gebäudes scannen muss. «Dann wissen sie, wer du bist und dass du im Gebäude bist.» So bleibt nachvollziehbar, wer angesteckt sein könnte, falls zu einem späteren Zeitpunkt ein neuer Covid-19-Fall auftritt. Diese Personen werden dann sofort kontaktiert und getestet.

Auch eine Option für die Schweiz?

Direkte Kommunikation via App mit einzelnen Personen, ist etwas, das würde sich Manuel Battegay auch für die Schweiz wünschen. Er ist Chefarzt der Abteilung Infektiologie und Spitalhygiene am Universitätsspital Basel: «Man weiss von Krisen sehr gut, dass jede aktive Rolle, die jeder Bürger und jede Bürgerin einnimmt, gut ist. Ich denke, die Akzeptanz wäre hervorragend.»

Dies sei nicht einfach eine totalitäre Massnahme, sondern helfe dem Einzelnen besser mit der aktuellen Situation umgehen zu können. «Man ist informiert, man kann einen aktiven Teil spielen», sagt Manuel Battegay. Eine Methode, die die Welle eindämmen kann.

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Infektiologe Manuel Battegay: «Das ist nicht einfach eine totalitäre Massnahme»
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Sinkende Zahlen auch ohne Lockdown

Einen anderen interessanten Ansatz verfolgt Südkorea. Auch dieses Land verzeichnet sinkende Neuinfektionen. Am Dienstag waren es noch 76 neue Fälle. Lokale Ausbrüche werden sofort bekämpft. Dies ohne grossflächigen Lockdown.

Die Doppelbürgerin Wohnie Lirgg gibt einen Einblick in ihren Alltag. Sie wohnt in Chuncheon, 100 Kilometer nordöstlich von Seoul. «Die Läden sind offen, allerdings wimmelt es nicht von Leuten.» Die Behörden empfehlen sogar, nicht bloss drinnen zu bleiben. Man soll sich schützen und raus zum Spazieren gehen.

Statt die Bevölkerung einzuschränken, setzt Südkorea auf massives Testen, um die Anzahl an Covid-19-Fällen einzudämmen. So wurden vor Krankenhäusern Boxen eingerichtet, in welcher der Abstrich gemacht wird. Ausserdem gibt es Drive-ins, bei denen man sich im Auto testen kann.

20'000 Tests täglich – das habe einen klaren Vorteil, sagt der Neurowissenschaftler Dong-Seon Chang, der diese Drive-ins mitgeplant hat: «Nimmt man ein Taxi oder einen Bus, gerät man unterwegs zum Test mit vielen Personen in Kontakt. Durch die Drive-ins kann man sich testen lassen, ohne andere zu infizieren.»

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Neurowissenschaftler Dong-Seon Chang ist von den Vorteilen der Drive-ins überzeugt
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Daten öffentlich einsehbar

Die Resultate werden gezielt beim Center of Disease Control gesammelt – einsehbar für jeden. Selbst wo sich die infizierte Person zuletzt aufgehalten hat. War man selbst in der Nähe einer erkrankten Person, erhält man eine Nachricht, man solle sich testen lassen.

«Das hilft, dass Personen sich freiwillig melden, wenn sie denken, dass sie am selben Tag am gleichen Ort waren», sagt Dong-Seon Chang. Dieses System verhindert, dass jemand andere infiziert, ohne es zu wissen.

Südkorea testet auf 100'000 Personen gesehen, sieben Mal mehr als die Schweiz. Dieses gezielte Testen, Ansteckungswege akribisch rückverfolgen und den öffentlichen Raum grossflächig desinfizieren – mit diesen Massnahmen hat Südkorea das neuartige Coronavirus im Griff.

SRF 1 Puls, 23.03.2020, 21:05 Uhr

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Eva Werle  (Eva Werle)
    Gibt es Kurven zur Ausbreitungsgeschwindigkeit, die über die ersten 35 Tage hinausgehen? Wäre interessant zu sehen, ob und wie sie sich verändert haben. Danke für Tipps.
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  • Kommentar von antigone kunz  (antigonekunz)
    Wir können es drehen und wenden wie wir wollen, dank dem Tempo, das digitalen Medien innewohnt, werden solche viralen Ereignisse dermassen monstruös, die Materialschlachten in Zeiten riesig, wo weniger das Gebot wäre, um was zu verhindern? Ein Grounding der Spitäler in der Äera neoliberaler Spar-und Gesundheitspolitik und die Eröffnung riesiger Märkte für Konsum von noch mehr toxischen Medikamenten und Vaccinen auf Kosten von Demokratie, Freiheitsrechten und wirtschaftlicher Destabilisierung.
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  • Kommentar von Peter Zuber  (Hä nuuh)
    Chinesische Zahlen sind mit grosser Vorsicht zu geniessen. Objektiv geht anders. Aber ob da noch ein par hindertausend mehr sterben oder diw schon ein Gegenmitel haben weiss keiner. Es sind einfach zu viele und berichtet wird das was gut für den lieben Führer ist.
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