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International Richard Lugner wills nochmal wissen

Richard Lugner will heute Sonntag österreichischer Bundespräsident werden. 1998 trat er schon einmal an und holte immerhin zehn Prozent der Stimmen. Der Gastgeber schöner Filmstars am Opernball ist zwar berühmt, aber chancenlos. Trotzdem könnte seine Kandidatur wahlentscheidend sein.

Lugner in Frack und Zylinder mit zwei Filmschönheiten am Opernball.
Legende: Als Gastgeber schöner Filmstars am Opernball ist er weltbekannt geworden: der frühere Baumeister Richard Lugner. Keystone

Volksmusik, Weinverkostung, Grillwurst: Das Steirerfest auf dem Wiener Rathausplatz zieht Tausende an. Es ist der ideale Ort für Richard Lugner, sich seiner möglichen Wählerschaft zu präsentieren. Der Baumeister, genannt «Mörtel», kennt keine Berührungsängste, probiert hier und dort ein Glaserl und posiert hunderte Male für ein Foto mit irgendeinem Festbesucher.

Er geniesst seinen Auftritt, seine Bekanntheit und denkt schon an seine künftige Rolle als Bundespräsident: «Mich kennt jeder. Ich bin ein bunter Hund. Ich bin einer, der halt auch lustig unterwegs ist. In Österreich ist man der Meinung, der Bundespräsident darf nur im Keller lachen, woanders ist es nicht erlaubt.»

Fertig mit Rot-Schwarz in Österreich

Lugners Botschaft ist einfach: Das Machtkartell der Roten und Schwarzen zerschlagen, sei es im ORF, der ihn zu den TV-Duellen der Kandidaten nicht einmal einlud, sei es in der Sozialpartnerschaft oder in den Bundesländern, wo sich Sozialdemokraten und Konservative auch alle Pfründen teilten. «Man muss die Roten und Schwarzen trennen. Die streiten nur. Nach 70 Jahren haben sie sich in so vielen Positionen eingenistet. Ein roter Präsident steht dem roten Kanzler nicht auf die Zehen. Aber der Bundespräsident müsste der Regierung einmal richtig den Marsch blasen», ereifert sich Lugner.

Ich wollte es ja nicht machen, dann meinte meine Frau, ich solle es probieren.
Autor: Richard LugnerBundespräsidentschaftskandidat in Österreich

Wenn Lugner Präsident wird, will er nicht nur einen Englischkurs besuchen, um auch auf dem internationalen Parkett auftreten zu können, sondern auch gleich die Regierung entlassen. Die neue müsste dann das Steuerrecht unternehmerfreundlicher gestalten, die Musikkapellen des Heeres aufstocken und an der Grenze zu Ungarn einen Zaun bauen.

Zu alt?

Das Programm überzeugt auf dem Steirerfest nicht alle. «Nein, er hat mich leider nicht überzeugt. Aber er ist ein sehr sympathischer Mensch», sagt eine Frau. Ein Mann meint: «Nichts gegen ihn. Er hat sehr gute Argumente, nur ist er schon etwas sehr alt.» Ein anderer findet, im Grunde könne es den Österreichern egal sein. «Wir brauchen einen, dann nehmen wir halt den Burli do.»

Im Herbst wird Richard Lugner 84 Jahre alt, aber das Bad in der Menge scheint für ihn ein Jungbrunnen zu sein. Er kandidiere ja nicht wegen seiner Eitelkeit, sondern wegen dem Land: «Ich wollte es ja nicht machen, dann meinte meine Frau, ich solle es probieren. Es geht doch darum, dass man Österreich auch etwas weiterbringt. Wir haben seit 70 Jahren fast immer eine rot-schwarze Regierung.»

Chancenlos aber wahlentscheidend

Präsident wird Lugner nicht, aber er nimmt vor allem dem Kandidaten der rechtsgerichteten Freiheitlichen und dem sozialdemokratischen Kandidaten, die beide die sogenannt kleinen Leute ansprechen, Stimmen weg. Und so könnte es am Sonntag sein, dass der Grüne Alexander van der Bellen und die unabhängige Irmgard Griss in die Stichwahl vom Mai kommen, während die Vertreter der grossen Parteien SP, Konservative und Freiheitliche und auch Lugner selbst das Nachsehen haben.

Das wäre ein Ausgang, der ihm nicht gefallen kann, und den er auch noch nicht glaubt: «Die Umfragen sind zum Teil gefärbt, zum Teil nicht auf dem neusten Stand. Es gibt verschiedene Medien, die mich schneiden. Man kanns nicht sagen!»

7 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Zangerl (Thomas Zangerl)
    Man kann nur hoffen, dass der Grüne nichzt drankommt. Da ist ja noch die Haiderpartei heilig Tag dagegen was der nicht alles verbreitet. Klar, SPÖ und ÖVP sind nun einmal fossile Strukturen und die sollten sich von innen heraus modernisieren wie eben auch in so manch anderen EU-Staaten. Man muss ja nur nach DE schauen, da wird einem schlecht... Von Polen ganz zu schweigen.
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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Beschämend, das SRF so einen Artikel in der Spalte "International" über Lugner bringen muss. Der Bundespräsident in OE hat rein repräsentative Aufgaben und die Hauptaufgabe, politisch nichts zu sagen. Es gibt wahrlich wichtigere Themen. Aber leider ist das zur Taktik geworden, Konsumenten mit Banalem einzudecken. Das in OE in vielen Bereichen der Parteienfilz regiert, gilt auch für etliche andere Staaten und ist nichts Neues.
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    1. Antwort von Karl Müller (KaMü)
      Überhaupt nicht mit Ihrem Kommentar einverstanden. Auch Politclowns gehören zum politischen Leben und die Öffentlichkeit verdient es, darüber informiert zu sein.
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    2. Antwort von Christian Szabo (C. Szabo)
      Lugner "Geschichten" gehören in die Rubrik Kultur im weitesten Sinne. Er ist ein Vertreter von Reichen, die ihre tolles Leben öffentlich präsentieren wollen/dürfen.
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    3. Antwort von Thomas Zangerl (Thomas Zangerl)
      Da muss ich Ihnen leider widersprechen. Der Bundespräsident Österreichs hat einiges mehr Macht als z.B. der deutsche Amtskollege. Er ist der oberste Heeresführer, kann Gesetze blockieren, kann auch Regierungen entlassen, also weit mehr als nur Repräsentanz. Parteienfilz hat aber die Schweiz auch, ist aber nur versteckter. Welche Posten werden denn in der CH nur mit Militärs besetzt, mmmh... Ist nur ein Beispiel. Dass der Mörtel (Lugner) ein Clown ist wissen alle u8nd gehört auch dazu.
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  • Kommentar von Urs Heim (Ursus)
    Alter schützt vor Torheit nicht. Nicht nur das amerikanische Präsidialamt ist vor Demagogen sicher,nun triffts scheinbar auch die Österreicher. ->Diese betagte Skandal-Cervelat soll gefälligst die Finger von diesem würdevollen Amt lassen, das hat unser Nachbarland nicht verdient!
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    1. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      Der Lugner schwirrt schon unzählige Jahre durch die Klatschpressen. Ich glaube, das sehen die Österreicher nicht so ernst. jetzt spielt er hält den Politclown. Alter schützt vor Torheit nicht, aber das ist auch schon alles.
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