Rohanis Charmeoffensive: Der Westen bleibt skeptisch

Vermittlung im syrischen Bürgerkrieg, Verzicht auf Massenvernichtungswaffen und Briefverkehr mit Obama: Der neue iranische Präsident Hassan Rohani zieht alle Register. Doch der Westen fordert Taten, statt Worte.

Porträt von Hassan Rohani.

Bildlegende: Rohani: «Das sind kleine Schritte in eine wichtige Zukunft.» Keystone

Vorbei sind die Zeiten, als Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad vor der UNO-Vollversammlung regelmässig die USA und Israel beschimpfte und mit Hohn und Spott überschüttete. Der neue Machthaber Hassan Rohani schlägt gegenüber dem Westen versöhnliche Töne an – bei Experten ist von einer regelrechten Charmeoffensive die Rede.

Jetzt will Rohani sogar im syrischen Bürgerkrieg vermitteln. Die «Washington Post» veröffentlichte einen Gast-Beitrag des iranischen Machthabers mit der Überschrift «Warum sich der Iran konstruktiv beteiligen möchte». Rohani erklärt darin, was er für wichtig hält, um die Konflikte im Nahen Osten zu lösen. «Statt uns darauf zu konzentrieren, wie die Situation schlechter wird, sollten wir darüber nachdenken und reden, wie wir die Situation verbessern können», schreibt Rohani.

Der Westen staunt

Die Charmeoffensive startete am Mittwoch, als der iranische Machthaber in einem Interview mit dem US-Sender NBC beteuert hatte, sein Land werde niemals den Besitz von Atombomben anstreben. Das Atomprogramm diene nur friedlichen Zwecken. Zudem entliess Rohani überraschend mehrere politische Gefangene aus der Haft.

Der Westen staunte und zeigte sich vorsichtig verhandlungsbereit – US-Präsident Barack Obama soll mit Rohani jüngst sogar schriftlich direkt Kontakt gehabt haben. Ist nun ein Ende der diplomatischen Eiszeit zwischen dem Westen und Iran in Sicht?

«Auf Worte sollen Taten folgen»

Israel bleibt äusserst skeptisch und wirft Rohani absichtliche Täuschung vor. «Man darf sich nicht von den betrügerischen Worten des iranischen Präsidenten hinters Licht führen lassen. Er verdreht alles, damit sich die Zentrifugen weiter drehen können», sagte Regierungschef Benjamin Netanjahu.

Für Atomverhandlungen mit der Islamischen Republik sei es zu spät, sagte Strategieminister Juwal Steinitz in der israelischen Tageszeitung «Hajom». Der Iran könne schon in den kommenden sechs Monaten über eine Atombombe verfügen.

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Einschätzung von SRF-Nahost-Experte Ulrich Tilgner

2:23 min, aus Tagesschau vom 19.9.2013

Auch die USA bleiben zurückhaltend. Der Sprecher Obamas sagte bloss, der Präsident habe Rohani wissen lassen, die USA seien daran interessiert, den Konflikt um Irans Nuklearprogramm zu beseitigen. Bis zu einer Beruhigung im Atomkonflikt müsse Rohani noch wesentlich mehr bieten als nur freundliche Rhetorik.

«Rohani meint es sehr ernst»

SRF-Nahost-Experte Ulrich Tilgner hingegen ist zuversichtlich: «Rohani meint seinen angekündigten Kurswechsel sehr ernst». Er sei davon abhängig, dass er gegenüber dem Westen erfolgreich ist, sagte Tilgner in der «Tagesschau».

In der kommenden Woche werden sich sowohl Obama als auch Rohani in New York aufhalten, wenn die Generalversammlung der Vereinten Nationen zusammentritt. Das «Wall Street Journal» berichtete, das Weisse Haus kläre ab, ob eine Begegnung auf höchster Ebene möglich sei.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Der neue iranische Präsident Hassan Rohani.

    Hoffnung auf grössere Freiheiten in Iran

    Aus Echo der Zeit vom 19.9.2013

    Der neue iranische Präsident Hassan Rohani sagt einem US-Fernsehsender, Iran werde niemals Atomwaffen bauen, er tauscht Briefe mit US-Präsident Obama aus, und eben sind eine bekannte Frauenrechtlerin und weitere politische Gefangenen frei gekommen.

    Gespräch mit Ulrich Ladurner, Journalist der deutschen Wochenzeitung «Die Zeit».

    Roman Fillinger