«Ruby»-Prozess: Berlusconis Anwälte schiessen gegen die Justiz

Die Rechtsanwälte von Silvio Berlusconi unterstellen den Richtern Voreingenommenheit. Im Prozess um Amtsmissbrauch und sexuelle Vergehen mit der Marokkanerin Karima El Marough alias «Ruby Herzensbrecherin» stützen sie ihr Plädoyer auf erstaunliche Beweise.

Bild mit Berlusconi und dessen Anwalt Nicoló Ghedini. Berlusconi hält sich ein Taschentuch vors Gesicht.

Bildlegende: Der Cavaliere und sein Advokat: Anwalt Gheldini unterstellt dem Gericht im Berlusconi-Prozess Voreingenommenheit. Keystone / archiv

Er will die marokkanische Escort-Dame Karima «Ruby» El Marough für eine Verwandte des ägyptischen Ex-Präsidenten gehalten haben. Darum hat der italienische Ex-Premiers Silvio Berlusconi sie nach einem Diebstahl aus den Fängen der Justiz befreit.

Amtsmissbrauch und Sex mit Minderjährigen

Ein Gespräch anlässlich eines Dinners mit Mubarak im Jahr 2010 soll den Beweis für diese These liefern. Berlusconi habe an diesem Essen über «Ruby» gesprochen, was zeige, dass er sie für eine Ägypterin gehalten habe, argumentierte Berlusconis Anwalt Nicoló Ghedini im Rahmen seines Plädoyers in der Schlussphase des sogenannten «Ruby»-Prozesses in Mailand.

Für diesen mutmasslichen Amtsmissbrauch hat die Mailänder Staatsanwältin Ilda Boccassini vor drei Wochen einen lebenslangen Ausschluss Berlusconis aus allen öffentlichen Ämtern und fünf Jahre Haft gefordert. Ein weiteres Jahr beantragte die Staatsanwaltschaft wegen angeblich bezahltem Sex mit der damals noch minderjährigen Marokkanerin.

Auch im Plädoyer Ghedinis wurde wie schon in früheren Prozessen der Ruf laut, die Staatsanwaltschaft sei Berlusconi gegenüber voreingenommen. Mit einem Urteil indem seit April 2011 laufenden Verfahren ist am 24. Juni zu rechnen.