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International Rückeroberung von Mossul stockt – Massaker an Zivilbevölkerung

Seit einer Woche versucht die irakische Armee, Mossul von der Terrormiliz IS zurückzuerobern. Der IS verübt offenbar Massaker an der Zivilbevölkerung. Irakische Eliteeinheiten haben ihre Offensive gestoppt und warten auf Verstärkung.

Gepanzerter Wagen der irakischen Eliteeinheit CTS.
Legende: Irakische CTS-Eliteeinheiten (hier im befreiten Bartella) haben ihre Offensive gegen den IS vor Mossul unterbrochen. Keystone

Beim Kampf um die irakische Stadt Mossul verübt die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) offensichtlich Massaker an der Zivilbevölkerung. Rund 70 Leichen von Zivilisten seien am vergangenen Donnerstag im Dorf Tulul Naser unweit von Mossul von irakischen Sicherheitskräften entdeckt worden. Das teilte die UNO-Menschenrechtskommission in Genf mit. Die Menschen wiesen Schusswunden auf.

Am Sonntag seien auch 50 ehemalige irakische Polizisten in der Nähe von Mossul vom IS umgebracht worden. Sie hätten sich in Gefangenschaft der Terrormiliz befunden. In Mossul sollen sich 6000 IS-Kämpfer aufhalten.

Angst und Schrecken verbreiten

Der Sprecher des UNO-Hochkommissariats für Menschenrechte, Rupert Colville, sagte in Genf, es sei schwierig, die Berichte zu verifizieren. Nach UNO-Informationen wurden im Dorf Safina südlich von Mossul 15 Zivilisten getötet und ihre Leichen in einen Fluss geworfen, um Angst und Schrecken zu verbreiten.

Laut Colville gibt es auch Berichte, wonach IS-Kämpfer drei Frauen und drei Mädchen erschossen und vier weitere Kinder verletzten. Sie sollen bei einer Vertreibung nicht schnell genug mitgekommen sein, weil eines der Kinder behindert war.

Die IS-Miliz hatte bereits auf seinem Vormarsch vor zwei Jahren Gräueltaten an der Bevölkerung begangen. So wurden viele Angehörige von Minderheiten getötet, versklavt oder vertrieben.

Rückeroberung stockt – Verstärkung nötig

Seit einer Woche versucht die irakische Armee, Mossul von der IS-Miliz zurückzuerobern. Die Eliteeinheit CTS der irakischen Armee hat nun aber ihre Offensive gegen den IS kurz vor der Grossstadt Mossul unterbrochen.

Irakische Offiziere stehen bei einem gepanzerten Fahrzeug.
Legende: Irakische Truppen auf dem Vormarsch auf die IS-Hochburg Mossul. Keystone

Die Truppen warteten am Dienstag östlich der Stadt auf Verstärkung. Ein Kommandant der Anti-Terror-Einheit CTS sagte, der Vorstoss sei angehalten, bis andere Truppenteile ähnliche Fortschritte erzielten und die Front begradigt werden könne.

Die irakische Armee und kurdische Peschmerga-Kämpfer hatten vor einer Woche ihre Offensive begonnen. Die 30‘000 Mann starke Truppe wird dabei von einer internationalen Koalition unter Führung der USA unter anderem mit Luftangriffen unterstützt.

Rund 80 Orte im Umland der zweitgrössten Stadt des Irak seien bereits befreit worden, sagte ein Armeesprecher.

Häuserkampf bereits in Mossuls Vororten

Im Osten sind die Soldaten nur noch wenige Kilometer von Mossul entfernt, während es im Süden 30 Kilometer sind. Bei ihrem Vormarsch mussten sich die CTS-Elitetruppen offenbar von Haus zu Haus kämpfen.

Ein Korrespondent von Reuters sah im Dorf Chasen ausgebrannte Gebäude. Weitere Kämpfe gegen den IS gibt es auch in der Wüstenstadt Rutba, rund 450 Kilometer von Mossul entfernt. Dort versucht der IS, die Angriffe abzuwehren, konnte aber seine Position halten. Darum entsendet die irakische Regierung Verstärkung. Rutba liegt an der Strasse, die Bagdad mit der jordanischen Hauptstadt Amman verbindet.

Legende: Video «Die Blackbox Mossul» abspielen. Laufzeit 3:58 Minuten.
Aus 10vor10 vom 25.10.2016.

17 Kommentare

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  • Kommentar von Bruno Hochuli (Bruno Hochuli)
    Die IS hat ihr ehemaliges Ziel, "Freiheit* total mit Füssen getreten und ist zu einer Mörderbande verkommen. Vielleicht sehen langsam die IS Sympatisanten ein, wen sie da Unterstützt haben. Mann muss moralisch sehr tief gesunken sein um noch Sypatien zu empfinden. Hoffentlich wird dieses Geschwür bald ausgerottet. (auch Brutal, aber wenn einfach Kinder und Frauen so als Rache getötet werden, kenne ich auch kein Mitleid)
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  • Kommentar von Jacqueline Zwahlen (Jacqueline Zwahlen)
    Und was ist mit dem Luftangriff durch ein US-Militärflugzeug am 21. Oktober auf eine Mädchenschule im Süden von Mossul? In drei Tagen sollen über 60 Zivilisten durch Angriffe der US geführten Koalition ums Leben gekommen sein. Anders als in Ost-Aleppo wird hier freilich nicht darüber berichtet. Kollateralschäden halt.
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  • Kommentar von Felix von Wartburg (felitsche)
    Früher ging es in den meisten Kriegen um Land-, Macht- und Einfluss-Erweiterung. Was sich in Syrien und dessen weitem Umfeld abspielt ist aber ein Krieg der Religionen. Die Türkei zielt neu auch dahin. Menschen töten nicht, um sich materiell zu bevorteilen, sondern um andersgläubigen ihren Glauben aufzuzwingen. Das ist die unterste Schublade des Humanismus. Wer nicht gleichen Glaubens ist wie ich, den darf ich umbringen. Kann ich dieses Ansinnen in der Schweiz schon morgen umsetzen? Wohl kaum.
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    1. Antwort von Jacqueline Zwahlen (Jacqueline Zwahlen)
      Mag sein, dass es den einen um Religion geht. Den andern, die die Region ins Verderben gestürzt haben, geht es allerdings um Öl und die Einflusssphäre des US-Dollars.
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