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International Ruedi Küng: «Der Konflikt in Nigeria verschärft sich»

Die Opferzahlen eines Aschlags in Nigerias Hauptstadt Abuja gehen möglicherweise gegen die 200. Für den ehemaligen SRF-Korrespondenten Ruedi Küng ist klar: Die zunehmende Zahl der Anschläge bedeuten eine Verschärfung des Konflikts.

Legende: Video Dutzende Tote bei Anschlag in Nigeria abspielen. Laufzeit 1:40 Minuten.
Aus Tagesschau vom 14.04.2014.

Die Zahl der Opfer des Bombenanschlags auf einen Busbahnhof in Abuja ist möglicherweise viel höher, als bisher angenommen. Die Behörden sprachen zunächst von mindestens 71 Toten.

Eine Mitarbeiterin des National Hospitals lässt nun aber weit schlimmere Folgen befürchten. Sie habe über 200 Tote in der Leichenhalle gezählt.

Karte Afrikas
Legende: Nigeria, das bevölkerungsreichste Land Afrikas, leidet seit Jahren unter dem Terror islamistischer Gruppen. SRF

Gemäss Medienberichten brannten mindestens 30 Busse. Wer für die Tat verantwortlich ist, war zunächst unklar. Jedoch gilt es als wahrscheinlich, dass die radikalislamische Sekte Boko Haram den Anschlag verübt hat.

«Allein in diesem Jahr 1500 Todesopfer»

Auch für den ehemaligen SRF-Korrespondenten Ruedi Küng kommen als Urheber eigentlich nur die islamistischen Rebellen in Frage.

Denn: «Die zweite Organisation, die bisher auch Anschläge verübt hatte, eine Organisation im Süden, die steht derzeit in Friedensgesprächen mit der Regierung», so Küng.

Legende: Video Ruedi Küng: «Deutliche Verschärfung des Konflikts» abspielen. Laufzeit 1:27 Minuten.
Aus Tagesschau vom 14.04.2014.

Der Konflikt zwischen der Boko Haram und der Regierung habe sich klar verschärft, sagt der Afrika-Kenner. Nicht unbedingt, weil die Anschläge jetzt in die Hauptstadt getragen würden. Das habe es schon früher gegeben. «Es ist vor allem die Zahl der Anschläge. Allein in diesem Jahr sind es Dutzende mit vielleicht 1500 Todesopfern», sagt Küng.

Boko Haram sei seit 2002 aktiv. In dieser Zeit habe die Gruppierung schon tausende Todesopfer gefordert und Zerstörung angerichtet. «Aber diese Intensivierung in den letzten dreieinhalb Monaten, das ist schon eine Verschärfung.»

Reihe von Anschlägen

Der Norden Nigerias wird seit Jahren immer wieder von islamischen Terrorakten heimgesucht. Bei Anschlägen – wie aktuell in der Hauptstadt Abuja – wurden schon Tausende Menschen getötet.

  • 3. April 2014: In der Provinz Zamfara fallen islamistische Kämpfer auf rund 50 Motorrädern in zwei Dörfer ein und töten insgesamt mindestens 22 Menschen. Mehr als 50 Häuser werden dem Erdboden gleichgemacht.
  • 25. März: Selbstmordattentäter fahren in der Stadt Maiduguri mit einem mit Sprengstoff beladenen Auto in eine Polizeipatrouille und reissen acht Menschen mit in den Tod.
  • 23. März: Mindestens 17 Menschen werden bei einem Bombenanschlag im Bundesstaat Borno getötet. Unbekannte schleuderten laut Polizei eine Granate in einen Fischmarkt. Auch in diesem Fall verdächtigen die Behörden die Boko Haram als Urheber.
  • 3. März: Terroristen greifen ein Dorf nahe der Stadt Maiduguri mit Maschinengewehren, Sprengstoff und Raketenwerfern an. Mehr als 80 Menschen werden getötet.
  • 1. März: In Maiduguri explodieren zwei Autobomben, die 52 Menschen in den Tod reissen. Die meisten Opfer sind Fussballfans, die eine öffentliche Fernsehübertragung verfolgten. Am selben Abend überfallen Berichten zufolge Kämpfer der Boko Haram das Dorf Mainok, töten 39 Bewohner und zerstören die gesamte Siedlung.
  • 25. Februar: Etwa 50 Bewaffnete stürmen einen Schulkomplex in Buni Yadi im Bundesstaat Yobe und töten 43 Menschen. Vielen der meist jugendlichen Opfer schneiden die Angreifer die Kehlen durch, um nicht durch Schüsse aufzufallen. Das zu dem Schulkomplex gehörende Internat setzen sie in Brand, während die 11 bis 18 Jahre alten Schüler schlafen.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von m.mitulla, wil
    Diese Konflikte sind viel schlimmer als die "Ukrainekrise" - aber weder die USA noch die EU schauen wirklich hin. Auch von Verletzung von Menschenrechten spricht niemand... denn Menschenrechte sind in Nigeria offenbar inexistent. Diese Tragödie spielt sich auf unserem Nachbarkontinent ab, von dem Hundertausende Flüchtlinge zu uns unterwegs sind. Vor Nigeria kreuzt kein Flugzeugträger und es gibt keine Sanktionen... Die Brandherde Afrikas sollten uns viel intensiver beschäftigen.
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    1. Antwort von Björn Christen, Bern
      Es ist wie in Syrien - solange in Nigeria vorallem Christen abgeschlachtet werden, interessiert das im Westen kaum jemand. Aber was will man von einem Obama, der bei seiner allerersten Auslandsrede in Kairo die islamfaschistische Moslembruderschaft ermutigte, oder einem Barroso, dem als Nachwuchspolitiker Mao als Vorbild diente, schon gross erwarten? - Noch trauriger sind die Kirchen, vorallem die Evangelische - dort hat die Unterstützung der Islamisierung Europas erste Priorität.
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    2. Antwort von Marlene Zelger, 6370 Stans
      Unfassbar! Aber eben: Es geht er EU im Prinzip nur um die Ausweitung gegen Osten. Nach Afrika lässt sich die EU kaum ausweiten. Deshalb auch das Desinteresse am dortigen Konflikt. Es zeigt sich, dass Eigeninteressen eben vor Menschenrecht geht - ausser wenn der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte der Schweiz den Tarif durchgibt !!!
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  • Kommentar von Björn Christen, Bern
    @SRF - wie lange habt ihr redaktionsintern diskutiert, bis ihr euch dazu durchgerungen habt, endlich mal die beinahe täglichen Massaker an nigerianischen Christen aufzulisten? Diesbezüglich habt ihr euch bisher nicht mit Ruhm bekleckert. Aber wehe, die Christen in der ZAR wehren sich mit Gewalt gegen die islamistische Unterdrückung - dann funktioniert die Berichterstattung bestens.
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