Rumäniens Polizei lernt jetzt Romani

Die rumänischen Behörden nehmen einen neuen Anlauf, um das schwierige Verhältnis zur Roma-Minderheit zu verbessern. Rund 200 Polizisten sitzen zurzeit im Sprachlabor und lernen Romani. Das von der Schweiz finanzierte Projekt in der Kleinstadt Slatina löst positive Reaktionen aus.

Rumänische Polizisten lernen Romani

Bildlegende: Rumänische Polizisten lernen Romani. Keystone/Archiv

20 rumänische Polizisten sitzen in Uniform an Tischen und lernen zusammen mit ihrem Sprachlehrer büffeln sie Romani, die Sprache der Roma. «Woher kommst du? Wie alt bist du? Was machst du?» Solche Fragen können die Polizisten inzwischen in Romani, der Roma-Sprache, beantworten. Die Polizisten sprachen bisher nur Rumänisch und ein wenig Englisch.

Dass sie jetzt mit den Roma in deren Muttersprache reden könnten, sei wichtig, sagt ein junger Polizist. Die Polizeiarbeit sei dadurch einfacher geworden. Zum Beispiel, wenn er in ein Dorf gerufen werde, um einen Streit zwischen Roma zu schlichten. Da sei es sehr hilfreich, wenn man verstehe, worüber gestritten werde.

Ein Sprachkurs zur Verbesserung der Beziehungen

Die Schweiz finanziert das Sprachlabor und den Unterricht in der Roma-Sprache in der Polizeischule von Slatina. Slatina ist eine Provinzstadt mit 70'000 Einwohnern in einer Gegend mit grosser Roma-Bevölkerung. Sie liegt 150 Kilometer westlich der Hauptstadt Bukarest.

Das Verhältnis zwischen der Roma-Minderheit und der rumänischen Bevölkerungsmehrheit ist seit Jahren angespannt. Die Roma sind schlecht integriert und finden kaum Arbeit. Ihre Lebensumstände sind oft erbärmlich.

Auch die Beziehung zur Polizei ist manchmal schwierig, wie Iulian Tanase, der Leiter der Polizeiakademie, sagt. Die Polizei habe bei den Roma einen schlechten Ruf. Menschenrechtsorganisationen sprechen von systematischer Diskriminierung und von Gewalt gegen Roma und von Vertreibungen durch die Behörden.

Doch die Polizei wollte ihre Haltung ändern. Im Umgang mit den Roma sei die Sprache häufig ein Hindernis. Aus diesem Grund besuchen nun 200 Polizisten Romani-Sprachkurse.

Wenn die Polizei plötzlich versteht, was man sagt

Das Resultat sei ermutigend, erklärt Polizeichef Tanase. Die Polizisten würden von den Roma besser akzeptiert. Ganz ohne Probleme verläuft das Projekt nicht. Viele Roma hätten nämlich gar keine Freude daran gehabt, dass die Polizisten plötzlich ihre Sprache verstünden, sagt ein anderer Teilnehmer.

Viele Roma hätten es zu schätzen gewusst, dass sie sich in der eigenen Sprache verständigen konnten, ohne dass die Polizei sie verstanden habe. Inzwischen seien die Reaktionen sowohl aus dem Polizeicorps als auch aus der Gemeinschaft der Roma jedoch positiv.

Die Schweiz lässt sich diese Hilfe – im Rahmen der Erweiterungsbeiträge an die neuen EU-Länder – 300'000 Franken kosten. Wie viel die neunwöchigen Sprachkurse tatsächlich bewirken, ist noch offen.

Aus seiner Sicht bewähre sich der Kurs, sagt der junge Polizist, der an dem Sprachkurs teilnimmt. Die Polizisten hätten das Vertrauen der Roma so gewinnen können.