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Rusada bleibt suspendiert «Russland steckt in einer Sackgasse»

Staatsdoping bestreiten und Verschwörung rufen – viel mehr bleibe Moskau zurzeit nicht, sagt Korrespondent David Nauer.

David Nauer.
Legende: David Nauer ist Korrespondent von Radio SRF in Russland. SRF

SRF News: Wie fallen die Reaktionen in Russland auf diesen Entscheid der Welt-Anti-Doping-Agentur aus?

David Nauer: Erwartungsgemäss wenig erfreut. Mehrere russische Sportpolitiker und Sportfunktionäre haben sich bereits geäussert. Der Tenor ist seit Beginn der Doping-Affäre gleichgeblieben: Es habe in Russland kein staatliches Dopingprogramm gegeben, deshalb könne man es auch nicht zugeben.

Wir erklärt man sich in Russland den Wada-Entscheid?

Es werden politische Motive vermutet. Das soll wohl heissen, dass hinter den Wada-Vorwürfen eine grosse westliche Verschwörung gegen Russland steht. Die USA und andere westliche Länder hätten demnach auf die Wada und andere internationale Sportorganisationen so viel Druck gemacht, dass diese nun Russland Staatsdoping vorwerfen würden. Mir kommt diese Argumentation wenig plausibel vor. Aber sie passt etwas zum momentanen politischen Mainstream, wonach das Land von Gegnern umgeben sei und sich entsprechend wehren müsse.

Gibt es gar keine Stimmen in Russland, die einen Schritt hin zur Wada machen und gewisse Verfehlungen zugeben wollen?

Das gibt es schon. Es gibt das Eingeständnis, dass in Russland gedopt worden ist und die Kontrolle der Sportler unzureichend war. Aber nach russischer Darstellung waren das vor allem Einzelfälle. Hinter den Dopingfällen hätten einzelne Funktionäre und einzelne Sportler gestanden. Gegen diese werde auch ermittelt, heisst es offiziell in Moskau.

Russland würde Staatsdoping niemals zugeben. Der Imageschaden wäre immens.
Autor: David Nauer

Das Problem ist, dass Russland in einer Sackgasse steckt. Denn selbst unter der Annahme, dass es dieses Staatsdoping gegeben hat, könnte das Russland niemals zugeben. Es wäre ein immenser Imageschaden, nachdem Moskau Milliarden in die Olympischen Spiele in Sotschi investiert hat. Jetzt hinzustehen als freundlicher Gastgeber, der gleichzeitig die Gäste auf üble Weise betrogen hat, geht natürlich nicht. Also bleibt nur, alles abzustreiten.

Wird Russland versuchen, den Wada-Entscheid zu kippen?

Ob dieser Wada-Entscheid juristisch angefochten wird, ist meines Wissens noch nicht bekannt. Allerdings rechnet man hier in Funktionärskreisen damit, dass die russischen Athleten auch weiterhin immer wieder von internationalen Sportanlässen ausgeschlossen werden. Der Chef des paralympischen Komitees von Russland sagte am Donnerstag, man werde eigene Wettkämpfe veranstalten, falls seine Sportler in Südkorea teilnehmen dürften. Russische Sportler würden dann also statt auf der Weltbühne nur noch gegeneinander antreten.

Das Gespräch führte Hans Ineichen.

16 Kommentare

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  • Kommentar von Dennis Gutknecht (HoppSchwiiz)
    Die sind so was von selbst schuld! Zudem: Wer einmal lügt...
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  • Kommentar von Ida Fischer (Ida Fiischer)
    So kann man sich die Konkurrenz auch vom Hals schaffen. Bei den sportlichen Höchstleistungen aller Sportler sei die ketzerische Frage erlaubt welches Land oder Sportler nicht dopt. Ich glaube nicht mehr an den Weihnachtsmann aber ebenso wenig glaube ich nicht an Sportler die noch nie gedopt wurden. Das nun der Sport in den Politischen Sumpf gezogen wird passt in das Politische Bashing gegen Russland. Die Sportler sind die Leidtragenden. Eine Entpolitisierung des Sports ist dringend nötig.
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Eine Entpolitisierung nach Ihrem Gusto würde im Prinzip heissen alle Dopinglisten zu löschen und die Verbände und Sportler einfach machen zu lassen. Das kann nicht das Ziel sein.
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  • Kommentar von Beat Kessler (KLERUS)
    "Aber sie passt etwas zum momentanen politischen Mainstream, wonach das Land von Gegnern umgeben sei und sich entsprechend wehren müsse". Also wenn man die NATO Grenze bis an Russland heranzieht, kann ich schon verstehen das Russland uns bildlich den Mittelfinger zeigt! MfG
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Die NATO ist kein Land und hat somit auch keine Grenze.
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    2. Antwort von Luzius Brotbeck (LuziBrot)
      Die NATO hat ihr altes Feindbild tatsächlich wiederbelebt und einen brandgefährlichen Konfrontationskurs in Gang gesetzt. Sie rückt bis an die Grenzen Russlands vor: Die dauerhafte Präsenz von NATO-Truppen, mit der Vorverlagerung von Panzern und Kampfflugzeugen in die drei baltischen Staaten und Polen, die Aufstellung einer „Schnellen Eingreiftruppe“, die militärische Aufrüstung Kiews und die NATO-Manöver in Osteuropa dienen der Kriegsvorbereitung, gegen wenn wohl?!
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