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«Zapad 2017» Russen-Manöver ängstigt die Nachbarn

Tausende Soldaten üben in Weissrussland die Abwehr eines Angriffs aus dem Westen. Ein Zeichen des gegenseitigen Misstrauens.

Legende: Video Russland beginnt grosses Militärmanöver abspielen. Laufzeit 00:28 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 14.09.2017.

Soldaten, Panzer und Kampfflugzeuge an der Grenze zum Baltikum, Kriegsschiffe in der Ostsee: Truppen aus Russland und Weissrussland beginnen heute mit dem Manöver «Zapad 2017». Eine Woche lang soll das grosse Manöver an der Ostflanke der Nato dauern. Es sorgt für erhebliche Nervosität bei den baltischen Staaten und beim westlichen Verteidigungsbündnis.

Das weiss man über «Zapad 2017»:
An dem Militärmanöver der russischen und weissrussischen Armee nehmen nach Angaben aus Moskau 12'700 Soldaten teil. Im Einsatz stehehen Panzer, Geschütze und Kriegsschiffe. Geübt wird ein Szenario, in dem Terroristen mit Unterstützung von westlichen Staaten Weissrussland angreifen. Deshalb auch der Name der Übung «Zapad», was soviel heisst wie «Westen».

So begründet Russland das Manöver:
«Zapad 2017» ist bereits das vierte Manöver, das Russland seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion mit Weissrussland zusammen durchführt. Moskau stellt die Übung deshalb als reine Routine dar. Allerdings ist in Moskau von Politikern und Militärs immer wieder zu hören, man fühle sich vom Westen und der Nato bedroht, man müsse sich auf einen Angriff aus dem Westen vorbereiten. Dabei verweist man auf westliche Militärmanöver in der Ukraine oder Georgien, an denen unter anderem auch US-Truppen teilnehmen.

Deshalb misstrauen die Russen der Nato:
Das nordatlantische Verteidigungsbündnis hat nach der Annektion der Krim-Halbinsel durch Moskau und dem Konflikt in der Ostukraine eine Aufrüstung im Osten beschlossen. Diese ist allerdings sehr bescheiden: Es geht um je 1000 Mann, die in Lettland, Litauen, Estland und Polen stationiert wurden. Bei der Kritik an diesem Vorgehen blendet Moskau aus, dass die Stationierung von der Nato erst nach der Krim-Annexion beschlossen wurde. Auch andere russische Aktivitäten an der Grenze – so etwa auch in Abchasien oder Südossetien – haben das Schutzbedürfnis der westlichen Nachbarn Russlands verstärkt.

Warum die Nachbarn Litauen, Lettland, Estland und Polen nervös sind:
Man befürchtet, dass Russland mit den Angaben zur Truppenstärke des Manövers stark untertreibt. Westliche Beobachter gehen davon aus, dass bis zu 100'000 Soldaten an der Übung teilnehmen könnten und am Ende sogar russische Truppen auf weissrussischem Boden verbleiben könnten. Im Baltikum, das sich ohnehin von Russland bedroht fühlt, ist die Nervosität deshalb gross. Schon einmal hat Russland ein grosses Militärmanöver durchgeführt – und kurz darauf die Krim besetzt. Allerdings gibt es keine festen Anhaltspunkte für solche Kriegsszenarien. Moskau weist solche Gedanken als antirussische Hysterie zurück.

Keine Beobachter

Die von Moskau angegebene Zahl von 12'700 Soldaten dürfte nicht zufällig gewählt sein: Ab 13'000 Soldaten müsste Russland nach den Regeln der OSZE beim Manöver ausländische Beobachter zulassen. Östliche Nato-Länder gehen davon aus, dass tatsächlich mehrere zehntausend Soldaten an der Übung «Zapad 2017» beteiligt sind.

David Nauer

David Nauer

David Nauer ist Korrespondent von Radio SRF in Russland. Von 2006 bis 2009 hatte Nauer für den «Tages-Anzeiger» aus Moskau berichtet, anschliessend aus Berlin.

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93 Kommentare

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  • Kommentar von Jacqueline Zwahlen (Jacqueline Zwahlen)
    In Schweden hat übrigens das Militärmanöver Aurora 17 angefangen, an dem über 19’000 schwedische Soldaten sowie welche aus den Nato-Staaten Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Litauen, Norwegen und - natürlich - den USA teilnehmen. Geübt wird die Verteidigung gegen einen Einfall - natürlich - der Russen.
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  • Kommentar von Christoph Reuss (Christoph.Reuss)
    @waeden/guggisberg! Nur weil Kiev mal die Hauptstadt von Russland war, müssen Sie noch lange nicht die Ukraine vernichten und besetzen. Wir fühlen uns das erste Mal frei. Haben FREI gewühlt. Sie haben echt keine Ahnung was bei uns vorgeht. Dann schweigen Sie einfach. An den Händen der Putins und Versteher klebt das Blut unserer Soldaten. Jedes Volk hat das Recht selbst zu bestimmen und nicht kleine Minderheiten die anders sprechen. Nicht jeder der Russisch spricht ist ein Russe!
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    1. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      @Ch. R.: Stimme Ihnen absolut zu, dass jedes Volk Anspruch auf Selbstbestimmung hat. Aber wer nie selbstbestimmend war, muss es erst lernen & indem man eine Regierung mit Aufständen wegputscht, hat man keine Unabhängigkeit, noch Selbstbestimmung gewonnen. Demokratien müssen über Generationen wachsen können. Durch Bürgerkriege & Gewalt gewinnt man sie nicht. Und die Pro-Russen im Osten die wollen ja auch sebstbestimmend sein. Weshalb gewährt man ihnen diese Freiheit & Unabhängikeit nicht?
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    2. Antwort von Markus Guggisberg (gugmar)
      @Christoph Reuss: Die Ukraine ist auch ohne US Marionetten, Schmiergeld und Morde unabhängig gewesen. Dazu hat es weder die USA, noch die EU noch die NATO gebraucht ! Im Gegenteil, die Präsenz der US Waffen hat die Gewalt und die Morde und die falsche Abhängigkeit von Dollar und Euro verursacht. Das ist das Problem und das wird das Problem bleiben !
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    3. Antwort von Jacqueline Zwahlen (Jacqueline Zwahlen)
      Herr Reuss, wer hat als Erster Panzer in den Donbass geschickt? Jedenfalls nicht Putin. Kiew hätte ja auch Diplomaten entsenden können, aber da gab und gibt es wohl keine. Es gibt hier Leute, die haben eine Ahnung davon, wie es bei „euch“ in der Rada zu und her geht. Apropos: Wie geht es eigentlich Jazenjuk? Gefällts eurem Mann, drüben in Amerika?
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  • Kommentar von Thomas Käppeli (thkaepp)
    Ich bin nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen. Albert Einstein. Wir schaffen es wohl nie, aus diesem Teufelskreis auszubrechen. Westen gut, Osten böse. Und mit dem aktuellen Brandbeschleuniger Kim Jong Un und seinen beiden „Beschützern“, fühlen sich viele darin bestätigt. Beide können die Provokationen nicht lassen.
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