Russische Medien spekulieren über Ursache des Airbus-Absturzes

Über dem Sinai ist ein russischer Urlaubsflieger mit 224 Menschen an Bord abgestürzt. Die Absturzursache gibt Rätsel auf. Viele Gerüchte machten nach dem Unglück die Runde. SRF-Korrespondent Christoph Franzen in Moskau ordnet sie ein.

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Einschätzung von SRF-Korrespondent Christoph Franzen in Moskau

2:50 min, aus Tagesschau am Mittag vom 31.10.2015

Die ersten Meldungen über das Schicksal des Airbus A321 der russischen Gesellschaft MetroJet mit 224 Menschen an Bord waren sehr widersprüchlich. «Das ging so weit, dass die Sprecherin des russischen Aussenministeriums die Medien aufgerufen hat, nicht jedes Gerücht umgehend zu veröffentlichen», sagt SRF-Korrespondent Christoph Franzen in Moskau.

Hauptsächlich spekulierten Medien über einen möglichen Abschuss der Maschine durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). «Die Frage eines terroristischen Anschlages steht einfach im Raum», sagt auch Franzen. Seit Russland militärisch in Syrien involviert sei, habe es zahlreiche Ankündigungen von Racheakten seitens der IS gegeben.

Sinai-Provinz des IS

Schliesslich sei auch zu bedenken, dass es im Sinai sehr viele radikale Kämpfer gäbe, die dem IS nahe stehen würden. Im Norden und im Zentrum des Sinai ist die militante Organisation Ansar Beit al-Makdis aktiv. Diese hatte Ende des Vorjahrs dem Anführer der Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) die Treue geschworen.

Die ägyptischen Behörden sehen aber keine Hinweise für einen Anschlag. Sie teilen mit, der Pilot habe bereits kurz nach dem Start technische Probleme gemeldet. Er soll um Erlaubnis für eine Notlandung auf dem nächstgelegenen Flughafen gebeten haben. «Es gibt auch kein Bekennerschreiben», betont Franzen. In der Regel würden militante Gruppen ein solches nach dem Anschlag in Umlauf bringen.