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International Russische Propaganda zur Ukraine und der Krim

In Russland «lenkt» Präsident Putin nicht nur die Demokratie, sondern auch den grössten Teil der Medien. Jetzt, ein Jahr nach der Annexion der Krim wird dies besonders deutlich, wie die Analyse einer russischen Nachrichtensendung und eines Dokumentarfilms über die Krim-Annexion zeigt.

Soldat im Vordergrund spricht in ein Funkgerät
Legende: Russische Soldaten ohne Hoheitsabzeichen sichern eine Strasse auf der Krim (Archivaufnahme vom 28.3.2014). Keystone

Der feindliche Westen, die angeblich faschistischen Ukrainer. Es sind immer wieder dieselben Muster, die in staatlich kontrollierten russischen Medien auftauchen. Das zeigen allein einige Schlagzeilen der russischen Fernseh-Nachrichten «Vesti» vom 11. März:

Legende: Video Schlagzeilen einer russischen Nachrichtensendung abspielen. Laufzeit 1:23 Minuten.
Vom 19.03.2015.

Seit über einem Jahr ist die Ukraine das wichtigste Thema in den russischen Fernsehnachrichten. Wenn immer möglich werden diese durch besonders brutale und dramatisch wirkende historische Bilder etwa von Strassenkämpfen auf dem Kiewer Maidan ergänzt.

Die ukrainische Regierung wurde während Monaten konsequent als «Junta» bezeichnet. Russland hingegen, so der Tenor, stehe in der Auseinandersetzung mit der Ukraine friedfertig vor allem den eigenen Landsleuten bei.

Dramatisierender Dokumentarfilm

Russische Soldaten werden als die grossen Helden dargestellt, besonders in der vergangenen Woche, als die Krim-Annexion heroisch gefeiert wurde. Unter anderem mit einer mehrstündigen stark dramatisierenden Film-Dokumentation «Krim – der Weg in die Heimat» des russischen Staatssenders Rossija 1.

Zwar wird im Film stets deklariert, wenn der Regisseur einzelne Szenen hat nachspielen lassen; Kirchenglockengeläut wechselt sich dann in schnellem Rhythmus ab mit Szenen explodierender Fahrzeuge, mit Massentumulten oder einem Mob, der alles klein schlägt, was ihm in den Weg kommt.

Dies erinnert eher an Action-Szenen aus einem James-Bond-Film und weniger an die wirklichen Ereignisse damals auf der Krim. Und immer wieder kommt staatsmännisch der grosse Retter der Nation, Russlands Präsident Putin, zu Wort. Putin schildert in einer Szene, was sich in einer Sitzung in der Nacht zum 23. Februar vor einem Jahr in Sotschi zugetragen haben soll, dem Tag der Schlussfeier der Olympischen Winterspiele.

Legende: Video Putin begründet die Annexion der Krim abspielen. Laufzeit 0:34 Minuten.
Vom 19.03.2015.

Am 27. Februar 2014, vier Tage nach dieser nächtlichen Sitzung, besetzte eine schwer bewaffnete Kommando-Einheit ohne Hoheitsabzeichen das ukrainische Regional-Parlament in Simferopol auf der Krim. Moskau bestritt damals, dass es sich bei den Einheiten um russische Truppen handelte, später und jetzt auch im Dokumentarfilm gibt dies Putin aber zu.

Dennoch lässt Putin aber nach wie vor den Eindruck aufkommen, als ob Russland mit seiner militärischen Aktion auf der Krim lediglich reagiert habe. Auch die putschartig inszenierte Volksabstimmung über die Krim-Annexion sei von der Krimbevölkerung selbst veranlasst und nur auf deren Wunsch abgehalten worden.

Legende: Video Putin über den Willen der Krim-Bevölkerung abspielen. Laufzeit 0:27 Minuten.
Vom 19.03.2015.

Dabei ging es in den Februartagen vor einem Jahr, bevor die Krim annektiert wurde, grössteneils friedlich zu auf der Krim. Von einer Bedrohung der russischen Bevölkerungsmehrheit konnte keine Rede sein. Trotzdem wird immer wieder, so auch in der dreiteiligen Dokumentation, die Gefahr eines nationalistischen Gemetzels an den Krimrussen heraufbeschworen.

Der Film präsentiert dazu einen Kommandanten einer Miliz auf der Krim, der die angebliche Bedrohung schildert. Effektvoll ins Interview hineingeschnitten werden gestellte Szenen, in denen Selbstverteidigungsbarikaden gebaut werden.

Legende: Video Krim-Milizkommandant über Heimaterde und Faschisten abspielen. Laufzeit 0:19 Minuten.
Vom 19.03.2015.

Nach der umstrittenen Volksabstimmung wurde die Krim am 18. März 2014 von Russland offiziell annektiert. Die ukrainische Regierung und der Westen erachtet diesen Akt nach wie vor als völkerrechtswidrig.

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83 Kommentare

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  • Kommentar von m.mitulla, wil
    Das Bundeskanzleramt wirft dem OB der NATO in Europa, P. M. Breedlove, “gefährliche Propaganda” vor. Nach D. Ganser, CH Friedensforscher hat das Bundeskanzleramt recht mit dieser Kritik. Denn seiner Meinung nach passiere derzeit etwas Gefährliches: US-Generäle wie Breedlove versuchen, einen Krieg vom Zaun zu brechen, in welchem sich Deutsche und Russen gegenseitig töten, damit beide Länder geschwächt werden. US-Strategen wie G. Friedman, Direktor Think Tank Stratfor, schlagen genau dies vor.
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    1. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      Interessant: Auf der offiziellen Seite des Bundeskanzleramts habe ich keine Hinweise auf derartige Aussagen gefunden. Sie zitieren offenbar russische Propaganda-Seiten, die da einen Gegensatz herbeireden wollen. Hoffen wir doch einfach, dass Minsk 2 nicht scheitert! Es wäre zu schön, wenn der Frühling kein neues Aufflammen des Kriegs bringen würde! Aber nach allem, was war, tun wir gut daran, bezüglich Putin keine Illusionen mehr zu haben....
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    2. Antwort von m.mitulla, wil
      Habe lange nach der Seite gesucht - und gefunden: http://www.spiegel.de/politik/ausland/nato-oberbefehlshaber-philip-breedlove-irritiert-allierte-a-1022242.html. Die Geschichte stand in allen (w und o) online- portalen vor ca. 3 Wochen. Ich bin mit Ihnen auf einer Seite mit der Hoffnung, dass die Parteien aufeinander zugehen können, dass der Krieg beigelegt wird und dass alle an Minsk 2 konsequent weiter arbeiten. Am meisten Effort traue ich Frau Merkel zu. Ihnen eine gute Woche.
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    3. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      m.mitulla, besten Dank, aber diese Seite habe ich auch gefunden :-) Spiegel Online sagt, dass jemand erzählt hat, dass jemand etwas gesagt hat :-) Aber ich habe die offizielle Seite des Bundeskanzleramts gemeint, und dort ist nichts! Im Westen wird eben gleichberechtigt und kontrovers diskutiert, und es sind nicht einfach die Amerikaner, die sagen, wo's lang geht :-) Daraus auf ein Zerwürfnis zu schliessen, geht an der Sache vorbei.... Ihnen auch eine gute Woche!
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    4. Antwort von m.mitulla, wil
      Ja, Herr Buchmann, wenn Sie nicht sehen, was während Tagen in allen Kanälen und Zeitungen diskutiert wird... Der Tages- Anzeiger zitiert auch den "Spiegel" und geht dann aber noch weiter... ausser der TA sei Ihnen auch zun tendenziös. Ich würde Ihnen selektive Wahrnehmung zusprechen. Immerhin, Mr. Breedlove stritt die Äusserung nicht ab. Bei einer Organisation mit 28 Mitgliedsländern und weiteren fünf Partnern sei es seiner Ansicht nach normal, dass nicht jeder seinen Einschätzungen zustimmte...
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    5. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      m.mitulla, ist mir alles bestens bekannt :-) General Breedlove hat im Rahmen einer partnerschaftlichen Diskussion seine Einschätzung kundgetan, andere waren anderer Meinung, und jetzt? Ist doch ein gutes Zeichen, dass unter westlichen Partnern kontrovers diskutiert wird, und dass man auch offen dazu steht! Und die Medien sind dann frei, daraus zu machen, was sie wollen, so ist das eben in der freien Welt :-)
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  • Kommentar von m.mitulla, wil
    @Buchmann.Die genannte Autorin S. Alexijewitsch aus Weissrussland beschreibt den moskauer Jubel um Putin und merkt vermutlich gar nicht, wie und mit welchen Methoden sie die Stimmung in Europa und hier bei uns hoch schaukelt. Sie macht nicht den Versuch, ihre Putin feiernden Freunde in Moskau zu verstehen. Das wäre aber das mindeste, wenn vermieden werden sollte, dass die Stimmung gegenseitig hoch geschaukelt wird. Die Frau ist (im Volk) umstritten und sie wird der Lüge u Provokation beschuldigt
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    1. Antwort von m.mitulla, wil
      ...es gibt in der RF ernsthaftere Denker und Autoren wie Prilepin, Lukjanenko oder Akunin, die den Diskurs suchen, an innenpolitischen Verbesserungen interessiert sind und daran mitarbeiten. Warum nicht? Nachdem sich Putin gegen viele Oligarchen durchgesetzt hat, wäre ihm auch ein Demokratisierungsprozess zuzutrauen. Falls nicht- es wird wieder Wahlen geben in RF. Es ist der Wunsch, vor allem der jungen Menschen, mehr persönliche Freiheiten zu bekommen.
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    2. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      m.mitulla, man kann Frau Alexijewitsch ganz sicher nicht vorwerfen, dass Sie nicht versuche, die Menschen in der postsowjetischen Gesellschaft zu verstehen. Verlangen Sie bitte nicht von ihr, dass sie schweigt, damit wir hier nichts "Falsches" denken :-) Präsidentenwahlen in der RF? Wir wissen ja, wie das läuft :-) Wenn Putin mal Pause machen muss, springt Medwedjew 4 Jahre ein :-) Auf einen Demokratisierungsprozess wartet man seit 15 Jahren vergeblich, wieso soll das plötzlich ändern??
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    3. Antwort von m.mitulla, wil
      Nein, ich verlange nichts. Frau Alexijewitsch setzt sich ein für die Schwachen, z.B. für die Opfer von Tschernobyl. Das ist anzuerkennen. Zu Putin: Er hat sicher vieles falsch gemacht- und macht es immer noch (wie andere Menschen). Aber er hat sein Land unglaublich weit gebracht, als es nach dem Sozialismus völlig danieder lag... Ich weiss, dass er auch im Strafvollzug grosse Verbesserungen herbeigeführt hat- es waren mehrere Kommissionen in der Schweiz. Das gibt doch auch ein bisschen Hoffnung?
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    4. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      m.mitulla, danke, dass Sie positive Worte über die wirklich bedeutende Frau Alexijewitsch finden! Ja, Russland hat sich nach der schrecklichen Depression anfangs 90er-Jahre ein wenig erholt, umso schlimmer, dass man das jetzt wieder aufs Spiel setzt! Öl und Gas haben viel Geld gebracht, aber man hat es versäumt, sich zu diversifizieren. Noch heute ist man fast vollständig von Rohstoffexporten abhängig. Schauen wir, ob Ihre Hoffnung berechtigt ist :-)
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  • Kommentar von N.Belg, Luzern
    F.Buchman."Putin hat geplant...", aber Obama sagte: "Putin traf die Entscheidung in Bezug auf die Krim, nicht etwa aus einer grossen Strategie heraus, sondern einfach, weil er von den Protesten des Maidan und der Flucht von Janukowitsch überrascht wurde, nachdem wir einen Deal zur Machtübergabe ausgehandelt hatten".
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    1. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      N.Belg, wichtig ist nicht, was Obama SAGT, sondern was Putin MACHT! Schönen Sonntag noch :-)
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    2. Antwort von N.Belg, Luzern
      F.B. Was Obama sagt, nicht mehr "wichtig"??? Ah, ja, unfreiwillig gibt er "Alibi" für W.Putin. Darum nicht "wichtig"... Alles klar, W.Putin muss überall schuldig sein nach ihren Motto. Es gibt nichts mehr zu diskutieren...
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    3. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      N.Belg, wenn Ihr Putin auf der Krim unter Missachtung einer einst von der RF abgegebenen Garantie-Erklärung mit militärischen Mitteln Tatsachen schafft, wiegt das schwerer als ein paar Worte aus dem fernen Washington....
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    4. Antwort von N.Belg, Luzern
      F.B. Trotzdem lesen bitte aufmerksam, was Obama gesagt hat. Besonders nach dem comma folgende Worte im letzten Satz. Dort sind klare "Worte und Tatsachen" "aus dem nicht mehr fernen Washington"... Und zudem sogar Obama betont, dass W.Putin reagiert hat:)
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    5. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      Und Sie, N.Belg, sollten sich an das erinnern, was Ihr Putin nach seinem "Raubzug" gesagt hat: dass die Krim für die Russen "heilige Erde" sei, genau so heilig wie "für die Juden der Tempelberg in Jerusalem". Das ist ihm nicht einfach so spontan im Nachhinein in den Sinn gekommen, es weist auf einen langfristigen Plan hin, den er nun bei sich bietender Gelegenheit kaltblütig umgesetzt hat, Obama hin oder her :-)
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    6. Antwort von N.Belg, Luzern
      F.B. Wann hören sie auf immer W.Putin zu beschuldigen an allen Sünden der Westen??? Wenn es so wäre wie sie meinen, er konnte schon lange Janukowitsch dazu zwingen, die Krim zurück zu "verschenken". Er war noch legitim... Oder früher alles "erledigen" "Ihm in den Sinn gekommen":))))))) "Obama hir oder her". :)))))) Meine Knie lachen...
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    7. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      Frau Belg, wann hören Sie auf, den Westen für alle Abenteuer Ihres Putin verantwortlich zu machen? Der Westen "sündigt", und nur darum muss der Mann die Krim annektieren, im Donbass Krieg führen, Transnistrien und Armenien besetzen, den Balten und Dänen drohen usw.?? Wann verlässt Ihr Präsident diesen sinnlosen Konfrontationskurs?
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    8. Antwort von N.Belg, Luzern
      F.B. EU hat alle Länder besetzt und abhängig gemacht, USA hat Ukraine besetzt und ganze Osteuropa, marschieren überall. Was glauben sie, Russland muss ohne ihre Interessen in der Ecke gedrängt werden? Träumen sie weiter...
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    9. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      Frau Belg, darf ich Sie daran erinnern, dass EU und NATO FREIWILLIGE Zusammenschlüsse FREIER Staaten sind? Abhängigkeiten gibt es sicher, aber sie sind wechselseitig, und alle profitieren :-) Und wenn Ihr Putin seine Interessen nur mit derart brachialen Methoden verteidigen kann, ist das ein Armutszeugnis....
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