Zum Inhalt springen

Russische Söldner in Syrien «Sie erledigen für den Kreml die schmutzigen Aufträge»

Beim US-Angriff auf syrische Kräfte sind letzte Woche offenbar russische Söldner gestorben. Offiziell gibt es sie gar nicht.

Legende: Audio «Welche Rolle spielen russische Söldner in Syrien?» abspielen. Laufzeit 4:48 Minuten.
4:48 min, aus Rendez-vous vom 15.02.2018.

Mehrere russische Söldner sollen in Syrien bei einem US-Luftangriff letzte Woche ums Leben gekommen sein. Der Kreml gibt sich wortkarg. Insgesamt sollen laut US-Angaben bei dem Angriff bis zu 200 pro-syrische Kämpfer getötet worden sein.

Das Thema dominiert in oppositionellen russischen Medien seit Tagen die Schlagzeilen, wie der Moskau-Korrespondent von SRF, David Nauer, berichtet.

SRF News: Was weiss man in Russland über die angeblich in Syrien getöteten russischen Söldner?

David Nauer: Gesicherte Erkenntnisse gibt es kaum. Mit den Informationen aus verschiedenen Quellen setzt sich allerdings ein Bild zusammen. Demnach handelt es sich offenbar um Angehörige der Söldnerarmee «Wagner». Sie sollen vergangene Woche zusammen mit syrischen Kräften Anti-Assad-Kämpfer, die mit US-Truppen zusammenarbeiten, in Ostsyrien angegriffen haben, woraufhin die US-Streitkräfte zurückschlugen. Dabei sollen Dutzende pro-syrische Kämpfer getötet worden sein, darunter auch russische Söldner. Der Kreml allerdings sagte bislang, er wisse von nichts.

Der Kreml lässt sich vernehmen

Nach tagelangem Schweigen hat der Kreml am Donnerstag den Tod mehrerer Landsleute durch Bomben der US-Luftwaffe in Syrien bestätigt. Die Sprecherin des russischen Aussenministeriums sprach von «fünf Toten, die vermutlich russische Staatsbürger sind». Es handle sich aber nicht um russische Soldaten, sagte sie der Nachrichtenagentur Interfax zufolge.

Ist es tatsächlich möglich, dass die russische Regierung von diesen Schattensöldnern nichts weiss?

Nein, das ist kaum vorstellbar. So sind in Syrien zahlreiche russische Geheimdienstler an der Arbeit, die sehr gut über die dortigen Vorgänge informiert sind. Zudem ist die Söldnertruppe «Wagner» offenbar mit dem russischen Militär-Geheimdienst eng verbunden. Die Kämpfer sind wohl sogar im Auftrag der russischen Armee in Syrien tätig. Oft erledigen die Söldner im Auftrag der Russen besonders gefährliche oder schmutzige Aufträge. Ob das beim Vorfall letzte Woche auch so war, weiss man allerdings nicht.

Putin nimmt auf einem flugfeld ein Defilee von Soldaten ab.
Legende: Für dreckige Operationen werden oft nicht offizielle russische Soldaten eingesetzt. Putin-Truppenbesuch in Syrien. Keystone Archiv

Warum steht der Kreml nicht hin und gibt die Existenz dieser Söldner zu?

Private Söldnertruppen sind laut russischem Recht gar nicht erlaubt. Deshalb kann die Regierung kaum zugeben, dass solche in Syrien im Einsatz sind. Zudem erledigen sie für die russische Regierung die Drecksarbeit ohne in der Statistik der in Syrien gefallenen Russen auftauchen, wenn dabei etwas schiefgeht.

Die gefallenen Söldner werden in aller Heimlichkeit beerdigt, so wird das schöne Propagandabild nicht beschmutzt.

Der Syrien-Einsatz wäre in Russland sehr rasch unpopulär, wenn die tatsächliche Zahl der gefallenen Russen offiziell bekannt wäre. Die gefallenen Söldner werden in aller Heimlichkeit beerdigt, so wird das schöne Propagandabild des erfolgreichen russischen Kriegseinsatzes in Syrien auch nicht beschmutzt. Ausserdem wäre die aktuelle Situation in Syrien eine sehr viel gefährlichere, wenn tatsächlich russische Soldaten durch amerikanische Bomben getötet worden wären. In diesem Fall würde in Syrien eine Eskalation ungeahnten Ausmasses drohen, eine direkte militärische Konfrontation zwischen Russland und den USA. Das wäre eine alptraumhafte Vorstellung.

Ein aktueller Gesetzesvorschlag sieht vor, dass Söldnerarmeen in Russland legalisiert werden sollen.

Nun kommen aber immer mehr Details ans Licht. Wie lange kann der Kreml seine Geheimnistuerei erfolgreich aufrechterhalten?

In Russland ist so eine Vertuschung simpel. Die staatlichen TV-Sender werden alle vom Kreml kontrolliert, entsprechend werden diese Vorfälle in Syrien gar nicht thematisiert. Da sich die meisten Russen bei den staatlichen Sendern informieren, weiss die Mehrheit gar nichts von diesen Ereignissen. Der kritischen Öffentlichkeit, bei jungen Leuten und denen, die sich im Internet oder bei kritischen Zeitungen informieren, sind die Vorgänge allerdings seit längerem bekannt.

Bleibt also alles beim Alten oder gibt es Bewegung in der Sache?

Tatsächlich sind die Söldner inzwischen ein Thema in der Politik. In der Duma wird ein Gesetzesvorschlag diskutiert, der solche Söldnerarmeen legalisieren würde. Parlamentarier stören sich etwa daran, dass die im Ausland ums Leben gekommenen Russen in einem Krieg gefallen seien, zu dem die Regierung schweige. Das sei ein unhaltbarer Zustand.

Das Gespräch führte Simon Leu.

David Nauer

David Nauer

David Nauer ist Korrespondent von Radio SRF in Russland. Von 2006 bis 2009 hatte Nauer für den «Tages-Anzeiger» aus Moskau berichtet, anschliessend aus Berlin.

60 Kommentare

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Marcel Chauvet (xyzz)
    "Die Heimat erwartet Sie, Freunde. Gute Reise. Ich danke Ihnen für den Dienst", sagte Putin in einer Aufzeichnung des Staatsfernsehens. In einem sonoren Chor rief die Truppe: "Ich diene der Russischen Föderation!" Scheint wohl wieder Lug und Trug der Russen-Politik zu sein. Zurück lässt er A....löcher, weil er zu feige ist, weitere russische Kämpfer und Opfer zuzugeben, was den Russen infolge Putin-gleichgeschalteter Medien vorenthalten wird. Da überkommt einem Würfelhusten
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Josephk Ernstk (Joseph ernst)
    Syriens Giftbomben auf die eigene Bevölkerung zeigen wohl eine noch folgenschwerere Wirkung ! Aber eben, die USA sind doch wieder die Übeltäter !
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von m. mitulla (m.mitulla)
      Vielleicht, weil die "Giftbomben Assads" nicht bewiesen sind - die Uranbomben der "westlichen Wertegemeinschaft" hingegen schon. NB. Uranbomben gab es auch in Kosovo, Afghanistan, Irak, Libyen... s. dazu "Die Story im Ersten - Der Arzt und die verstrahlten Kinder von Basra. WDR über Prof. Dr. Siegwart-Horst Günther.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Cherubina Müller (Fabrikarbeiterin)
    Die amerikanische Zeitschrift Foreign Policy berichtet dass die Amerikaner in Syrien tausende Schuss mit abgereichertem Uran eingesetzt haben. Diese Munition hat verheerende Auswirkungen auf die Bevölkerung und die Umwelt. Die schrecklichen Auswirkungen sind auf YouTube unter "Der Arzt und die verstrahlten Kinder von Basra" zu sehen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen