Tausende bei Anti-Kreml-Demos Russischer Oppositionsführer verhaftet

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Russischer Oppositionsführer Nawalny verhaftet

1:10 min, aus Tagesschau vom 27.3.2017

  • Bei landesweiten Protesten gegen Korruption in Russland sind am Sonntag fast tausend Demonstranten festgenommen worden.
  • Unter den in Moskau Festgenommenen ist auch der russische Oppositionsführer Alexej Nawalny.
  • In Moskau nahmen nach Polizeiangaben 7000 bis 8000 Menschen an der Kundgebung teil. In St. Petersburg gingen rund 4000 Menschen auf die Strasse.

Bei landesweiten Protesten gegen Korruption in Russland sind am Sonntag nach jüngsten Angaben von Aktivisten fast tausend Demonstranten festgenommen worden, unter ihnen der prominente Kreml-Kritiker Alexej Nawalny.

933 Festnahmen in Moskau

Nawalny, der zu den Protesten aufgerufen hatte, wurde bereits auf dem Weg zu der Demonstration in Moskau abgeführt und in Gewahrsam genommen.

Insgesamt gab es nach Angaben der Menschenrechtsgruppe OWD Info mindestens 933 Festnahmen in Moskau und dutzende weitere Festnahmen in anderen russischen Städten.

Scharfer US-Protest

Die USA haben die Festnahme Hunderter Demonstranten in Russland scharf kritisiert. Das Vorgehen der Behörden sei ein Affront gegen demokratische Werte, erklärte Aussenamtssprecher Mark Toner. «Wir fordern die russische Regierung auf, umgehend alle friedlichen Demonstranten freizulassen.»
Die US-Regierung sei insbesondere besorgt zu hören, dass auch Oppositionsführer Alexej Nawalny in Gewahrsam genommen worden sei.

Tausende landesweit auf den Strassen

In der Hauptstadt nahmen nach Polizeiangaben 7000 bis 8000 Menschen an der Kundgebung teil. Es war eine der grössten Teilnehmerzahlen bei einer nichtgenehmigten Demonstration in Russland seit Jahren. In St. Petersburg gingen rund 4000 Menschen auf die Strasse. Nach örtlichen Medienberichten gab es zudem 2000 Teilnehmer in Nowosibirsk sowie jeweils 1500 in Krasnojarsk und Omsk. Weitere Kundgebungen gab es in Wladiwostok und Jekaterinburg. Überall soll es zu Festnahmen gekommen sein.

Bei der Demonstration in Wladiwostok am Japanischen Meer zählten Reuters-Reporter mindestens 30 Festnahmen. Die Menschen entrollten ein Banner mit der Aufschrift «Der Ministerpräsident muss antworten».

«  Alles in Ordnung. Versucht nicht, für mich zu kämpfen. Unser Thema ist heute der Kampf gegen Korruption »

Alexej Nawalny
Russischer Regimekritiker

Eine 17-jährige Studentin sagte, in vielen anderen Ländern müssten Regierungen nach solchen Vorwürfen zurücktreten. Nach Angaben von Augenzeugen gab es auch in Jekaterinburg in der Industrieregion Ural Festnahmen.

Nawalny wurde direkt an einem U-Bahn-Ausgang in Moskau von Polizisten abgeführt und in ein Polizeifahrzeug gesetzt. Von dort aus schrieb er auf Twitter: «Alles in Ordnung. Versucht nicht, für mich zu kämpfen. Unser Thema ist heute der Kampf gegen Korruption.» Nach Angaben seiner Mitstreiter wurde er in Gewahrsam genommen. Er solle heute Montag einem Richter vorgeführt werden.

Medwedew schweigt

Der Jurist und Blogger Nawalny prangert seit Jahren Korruption in Russland an. Anfang Februar wurde er in einem neu aufgerollten Prozess abermals zu fünf Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Ein Gericht sprach ihn wegen Veruntreuung schuldig. Nawalny kündigte daraufhin an, trotzdem bei der für März 2018 geplanten Präsidentschaftswahl anzutreten.

Die jüngsten Proteste entzündeten sich unter anderem an einem Bericht Nawalnys, in dem Ministerpräsident Dmitri Medwedew vorgeworfen wird, über ein undurchsichtiges Netzwerk von Nichtregierungsorganisationen ein Immobilienimperium zu kontrollieren. Ein Youtube-Video mit den Anschuldigungen wurde inzwischen elf Millionen Mal angeklickt, eine Stellungnahme Medwedews gibt es dazu bisher nicht.