Russland lässt Zypern eine Hintertüre offen

Moskau sieht auch nach dem Scheitern der Verhandlungen zur Zypern-Rettung noch Chancen für ein künftiges Engagement. «Wir haben die Türen für eine Erörterung der finanziellen Probleme Zyperns nicht geschlossen», sagte Regierungschef Dmitri Medwedew.

Schild wird in einer Menge hochgehalten.

Bildlegende: Russland verweigert nur vorläufig die Zusammenarbeit mit Zypern. Die Rettung könnte also doch noch glücken. Keystone

Moskau wolle nun den endgültigen Plan der EU für eine Rettung ihres Mitgliedslandes abwarten und sich erst dann zu einem möglichen Engagement äussern, sagte Medwedew bei einer Pressekonferenz in Moskau mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso.

Vorläufiges Nein aus Moskau

Barroso hatte sich zuvor in Moskau zuversichtlich gezeigt, dass die EU auch diesmal eine Lösung finde. Das russische Finanzministerium hatte am Morgen die Verhandlungen mit Zypern über Finanzhilfen für beendet erklärt.

Russland verwehrt dem krisengeschüttelten EU-Mitglied Zypern also nur vorläufig neue Finanzhilfen. Die Regierung der Mittelmeerinsel habe Russland vorgeschlagen, den Zugang zur Gasförderung vor Zypern zu ermöglichen. «Unsere Investoren haben sich die Frage angesehen. Ein Interesse gab es nicht», sagte Russlands Finanzminister Anton Siluanow.

Ausserdem hätten die Zyprer Beteiligungen an ihren Banken offeriert. Aber auch hier habe sich kein einziges russisches Geldinstitut bereit erklärt.

Die Frage eines neuen russischen Staatskredits werde ebenfalls nicht verfolgt, weil die Europäische Union die Aufnahme neuer Schulden verboten habe, sagte Siluanow. Kommentatoren gehen davon aus, dass Russland durch eine Verschärfung der Krise auf Zypern hofft, am Ende doch noch billiger an Vermögenswerte des Inselstaates zu kommen.

Zurück auf Feld 1

Sarris fliegt damit noch heute nach zweitägigen Gesprächen mit leeren Händen aus Moskau zurück. Bei den Verhandlungen ging es unter anderem um eine Verlängerung eines Kredites im Volumen von 2,5 Milliarden Euro.

Zypern muss bis Montag knapp sechs Milliarden Euro aufbringen, um ein Zehn-Milliarden-Euro-Hilfspaket der Troika aus EU, EZB und IWF zu erhalten und damit eine Staatspleite zu vermeiden.