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International «Russland schickt gut ausgebildete Profis in die Ukraine»

Bürgerkriegsähnliche Zustände vor allem in Slawjansk, im Osten der Ukraine. Dort scheint sich die Lage immer mehr zu verschärfen. Korrespondent Christoph Wanner analysiert die Situation vor Ort.

Legende: Video Korrespondent Christoph Wanner über die Freiwilligen abspielen. Laufzeit 02:54 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 05.05.2014.

Die ukrainische Armee belagert derzeit Slawjansk. Im Stadtzentrum seien nur wenige Menschen auf der Strasse, sagt Wanner. «Doch am Stadtrand gibt es im Augenblick Gefechte.» Es soll dabei auf beiden Seiten mehrere Tote und Verwundete gegeben haben. Allerdings kann auch Wanner über genaue Opferzahlen nichts sagen. Sicher sei nur, dass der so genannte Anti-Terror-Einsatz seitens der ukrainischen Übergangsregierung im vollem Gange sei.

Ein pro-russischer Separatist steht an einer Strassensperre.
Legende: Wer sind die pro-russischen Kämpfer, die im Osten der Ukraine angeblich freiwillig kämpfen sollen? Reuters

Für Wanner ist klar, dass hier Moskau nicht einfach zuschaut. «Wir haben heute Morgen mit der Pressesprecherin des pro-russischen Milizenchefs gesprochen. Sie sagt: Es ist den pro-russischen Milizen gelungen, einen Korridor nach Russland freizukämpfen», so Wanner. Sie hätten angeblich ukrainische Grenztruppen überwältigt. «Jetzt ist die Grenze nach Russland offen. Es sollen von dort jetzt angeblich freiwillige Kämpfer in die Ukraine kommen.»

Die pro-russische Pressesprecherin hat gemäss Wanner auch die Herkunft der freiwilligen Kämpfer benannt: Sie sollen von der Krim und von Tschetschenien kommen. «Und das ist etwas ganz Bemerkenswertes, denn in Tschetschenien wird de facto seit 1994 gekämpft und jetzt soll Ramsan Kadyrow, der Stadthalter Moskaus in Tschetschenien, Freiwillige in die Ostukraine geschickt haben», sagt Wanner. Die Kämpfer von Kadyrow sind schwer bewaffnete, gut ausgebildete Profis.

«Man hat immer wieder gesagt, es seien Freiwillige – darauf besteht man – und keine reguläre russische Soldaten. Aber wenn man ein bisschen nachdenkt, dann kann es unter Kadyrows Führung keine Freiwilligen geben», folgert Wanner. Das seien explizit Kadyrows Kräfte, die in die Ukraine geschickt würden. «Das wird sehr schwer für die ukrainische Armee, diesen gut ausgebildeten Kämpfern Stand zu halten», so Wanner.

Ramsan Kadyrow – der Grausame

Seit 2007 ist Ramsan Kadyrow Präsident der Teilrepublik Tschetschenien, eingesetzt vom russischen Präsident Wladimir Putin. Kadyrow ist zudem der Chef der Sicherheitstruppe Kadyrowzy. Menschenrechtsorganisationen werfen dieser Truppe Verbrechen gegen Zivilisten vor, etwa Entführungen, Totschlag und Folter.

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30 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Steidinger, Kreuzlingen
    Meiner Meinung nach macht Wanner einen guten Job in einer schwierigen Situation: Er bezieht sich auf Aussagen einer Pressesprecherin, lässt aber offen, ob dies die Wahrheit ist. Und sein Diktum "so genannter Anti-Terror-Einsatz" macht eindeutig klar, dass auch diese Sprachregelung der Regierung in Kiew sehr kritisch gesehen werden muss. Meine Befürchtung: Am Ende werden bewaffnete "Freiheitskämpfer" aller Seiten Unschuldige meucheln und damit auch noch davonkommen. Das ist der Skandal.
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  • Kommentar von Hans Knecht, Torny
    Wie kommt Wanner zum Schluss, dass es sich um gut ausgebildete Profis handelt?
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    1. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Wenn es denn so sein sollte gilt: Besser ausgebildete Profis eingeschleust, damit kann sich eventuell, was man den Ukrainer von Herzen gönnt, ein Bürgerkrieg verhindern. Die Oligarchen der Übergangsregierung provozieren aber diesen & schüren immer neuen Hass. Diese gehört sofort abgesetzt & hinter Schloss & Riegel. Punkt.
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  • Kommentar von E. Wlaser, Basel
    Kleiner Fortschritt: Diesmal ist der Bericht von SRF Korrespondent Christoph Wanner objektiver als seine vorherigen. (Evt. ist meine Erwartungshaltung etwas hoch, weil SRF Korrespondent Ulrich Tilgner einfach in jeder Hinsicht SUPER war.)
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